Wer regelmäßig im Fitnessstudio trainiert oder sich mit Sporternährung beschäftigt, kommt an dem Begriff BCAA kaum vorbei. Die drei Buchstaben stehen für „Branched-Chain Amino Acids", zu Deutsch: verzweigtkettige Aminosäuren. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Supplement, das in der Fitnessszene so beliebt ist, und welchen Nutzen haben diese speziellen Aminosäuren wirklich für den Körper?

Bild: Unsplash.
BCAA umfassen drei essenzielle Aminosäuren: Leucin, Isoleucin und Valin. Diese drei werden als „essenziell" bezeichnet, weil der menschliche Körper sie nicht selbst herstellen kann und sie daher über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Das Besondere an diesen Aminosäuren ist ihre verzweigte molekulare Struktur, die ihnen ihren Namen verleiht.
Im Gegensatz zu anderen Aminosäuren werden BCAA nicht primär in der Leber, sondern direkt in der Muskulatur verstoffwechselt. Dies macht sie besonders interessant für Sportler, da sie schnell dort ankommen, wo sie beim Training gebraucht werden. Von den rund 20 Aminosäuren, die für den Aufbau von Proteinen im Körper notwendig sind, machen die BCAA etwa 35 Prozent der essenziellen Aminosäuren in der Muskulatur aus.
Viele Kraftsportler und Bodybuilder greifen zu BCAA Kapseln oder Pulvern, weil Protein zum Erhalt und Wachstum von Muskelmasse beiträgt – dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt und durch die EU-Health-Claims-Verordnung bestätigt. Insbesondere Leucin spielt eine wichtige Rolle im Proteinstoffwechsel.
Athleten interessieren sich für BCAA oft auch im Zusammenhang mit der Regeneration nach dem Training oder beim Training in nüchternem Zustand. Viele verwenden diese Aminosäuren zudem während längerer Ausdauerbelastungen oder im Kaloriendefizit während einer Diät. Einige Trainierende berichten von subjektiv verbessertem Wohlbefinden beim Training, wenn sie BCAA einnehmen, wobei individuelle Erfahrungen hier stark variieren können.
Die wissenschaftliche Studienlage zu isolierten BCAA-Supplementen ist gemischt. Während unstrittig ist, dass Protein zum Aufbau und Erhalt von Muskelmasse beiträgt, ist die Frage, ob isolierte BCAA gegenüber vollständigen Proteinquellen einen zusätzlichen Vorteil bieten, wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.
Ein wichtiger Aspekt ist, dass für eine optimale Proteinsynthese alle essenziellen Aminosäuren benötigt werden, nicht nur die drei verzweigtkettigen. Vollständige Proteinquellen wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte oder auch pflanzliche Alternativen wie Hülsenfrüchte liefern bereits alle BCAA in natürlicher Form sowie alle anderen essenziellen Aminosäuren.
Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gemäß EU-Health-Claims-Verordnung beziehen sich auf Protein allgemein, nicht spezifisch auf isolierte BCAA. Protein trägt zur Zunahme und Erhaltung von Muskelmasse bei und trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei – diese Aussagen gelten für Proteine im Allgemeinen.
Eine zusätzliche BCAA-Einnahme kann in bestimmten Situationen erwogen werden. Dazu gehören längere Fastenphasen, intensives Training auf nüchternen Magen oder bei einer sehr proteinreduzierten Ernährung. Auch Personen, die Schwierigkeiten haben, ihren Proteinbedarf über die normale Ernährung zu decken, könnten BCAA als ergänzende Aminosäurenquelle in Betracht ziehen.
Für die meisten Freizeitsportler, die sich ausgewogen ernähren und ihren täglichen Proteinbedarf von etwa 1,6 bis 2,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht über normale Lebensmittel decken, ist eine zusätzliche BCAA-Supplementierung jedoch in der Regel nicht zwingend erforderlich. Hochwertiges Whey-Protein beispielsweise enthält bereits einen hohen BCAA-Anteil von etwa 25 Prozent und versorgt den Körper zusätzlich mit allen anderen essenziellen Aminosäuren.
Letztlich sollte die Entscheidung für oder gegen BCAA individuell getroffen werden, basierend auf den persönlichen Trainingszielen, der Ernährungsweise und dem Budget für Nahrungsergänzungsmittel. Eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung bleibt die Grundlage für erfolgreichen Muskelaufbau und Regeneration.