Branchenlöhne Schweiz 2026: CHF 4'496 beim Coiffeur, CHF 14'304 in der Tabakindustrie – wer kassiert wie viel?
CHF 14'304 in der Tabakindustrie. CHF 4'496 beim Coiffeur. Dazwischen liegen fast CHF 10'000 – pro Monat. Die Branche entscheidet stärker über den Lohn als Ausbildung, Region oder Geschlecht. Hier ist das komplette Ranking mit allen Zahlen der BFS-Lohnstrukturerhebung 2024.

In der Tabakindustrie verdient man dreimal so viel wie beim Coiffeur – im selben Land, zur selben Zeit. Die Branche ist der stärkste Lohnfaktor der Schweiz.
Bundesamt für Statistik (BFS), Lohnstrukturerhebung 2024
📊 Das Ranking: Alle Branchen im Überblick
Die Lohnstrukturerhebung (LSE) 2024 des Bundesamts für Statistik erfasst über 2 Millionen Arbeitsverhältnisse – und zeigt ein Bild, das viele so nicht erwarten. Nicht die Ausbildung entscheidet am stärksten über den Lohn. Nicht die Region. Nicht das Geschlecht. Sondern die Branche.
Zwischen der Tabakindustrie (CHF 14'304 Medianlohn) und den persönlichen Dienstleistungen (CHF 4'496) liegen CHF 9'808 pro Monat – das sind CHF 6'500 pro Jahr. Wer im «falschen» Sektor arbeitet, verdient in einem ganzen Berufsleben über 4 Millionen Franken weniger als jemand in der Spitzenbranche. Und das hat wenig mit individueller Leistung zu tun – sondern mit Margen, Regulierung und Marktmacht.
Wer den Medianlohn der Schweiz (CHF 7'024) als Massstab nimmt, sieht: Nur die obere Hälfte der Branchen liegt darüber. Die untere Hälfte – und das sind Millionen Arbeitnehmende – verdient teils deutlich weniger. Besonders betroffen: Frauen, Teilzeitangestellte und Beschäftigte ohne GAV-Schutz.
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💰 Top-Branchen: Wo die Schweiz am meisten zahlt
Vier Branchen stechen heraus – mit Medianlöhnen, die den nationalen Median teilweise um das Doppelte übersteigen. Gemeinsam haben sie: hohe Margen, starke Regulierung oder Nischenposition und einen überproportionalen Anteil an hochqualifizierten Stellen.
1. Tabakindustrie – CHF 14'304
+104% über MedianDie Überraschung an der Spitze. Nicht Banken, nicht Pharma – die Tabakindustrie zahlt die höchsten Medianlöhne der Schweiz. Der Grund: extrem hohe Margen bei einem regulierten Produkt, das süchtig macht. Wenige Grosskonzerne (Philip Morris International hat den Hauptsitz in Lausanne), kleine Belegschaften, hohe Spezialisierung. Dazu kommt: Die Branche konkurriert um Talente mit Pharma und Tech – und muss entsprechend zahlen.
2. Banken – CHF 10'723
+53% über MedianDer Finanzplatz Schweiz – Zürich, Genf, Lugano – ist einer der grössten der Welt. UBS, Credit Suisse (jetzt Teil der UBS), Privatbanken und Vermögensverwalter beschäftigen rund 100'000 Menschen. Der hohe Median spiegelt nicht nur Banker-Boni, sondern auch die breite Masse an gut bezahlten IT-, Compliance- und Middle-Office-Stellen. Wer sich für den Lohn eines Bundesrats (CHF 478'000) interessiert: Etliche Bank-CEOs verdienen ein Vielfaches davon.
3. Pharma – CHF 10'159
+45% über MedianBasel ist die Pharma-Hauptstadt der Welt. Roche und Novartis gehören zu den grössten Pharmakonzernen überhaupt. Die Branche exportiert für über CHF 90 Milliarden jährlich – mehr als jeder andere Sektor. Die hohen Löhne erklären sich durch den enormen Forschungsaufwand, die Konkurrenz um Wissenschaftler und die Margen patentgeschützter Medikamente. Auch Laboranten und Produktionsmitarbeiter profitieren vom Brancheneffekt.
4. Forschung & Entwicklung – CHF 9'139
+30% über MedianETH Zürich, EPFL Lausanne, CERN, Forschungsabteilungen von Grosskonzernen – die Schweiz investiert rund 3.4% des BIP in Forschung und Entwicklung (einer der höchsten Werte weltweit). Die Jobs erfordern fast durchweg Hochschulabschlüsse, oft Doktorate. Die Konkurrenz um Talente ist international, was die Löhne treibt.
⚖️ Mittelfeld: Solide Löhne, aber kein Reichtum
Das Mittelfeld umfasst Branchen, die rund um den nationalen Medianlohn von CHF 7'024 liegen – plus/minus CHF 1'000. Hier arbeitet die breite Masse der Schweizer Wirtschaft: Industrie, Handel, Transport, Bau. Die Löhne sind anständig, aber weit entfernt von den Top-Branchen.
Maschinenindustrie (CHF 7'632): Die Schweizer Präzisionsindustrie – von ABB über Bühler bis Schindler – zahlt über dem Median. Die Uhrenindustrie, die technisch dazugehört, liegt allerdings deutlich tiefer: Uhrmacher verdienen trotz CHF 25.6 Milliarden Branchenexport unter dem nationalen Median.
Baugewerbe (CHF 6'616): Physisch anspruchsvoll, wetterabhängig, saisonale Schwankungen. Der GAV Bau garantiert einen Mindestlohn von rund CHF 5'200 für ungelernte Arbeiter – das ist mehr als in der Gastronomie. Poliere und Bauführer verdienen deutlich über dem Branchenmedian.
Luftfahrt (CHF 7'134): Swiss, Helvetic Airways, Flughafenbetriebe – die Branche zahlt knapp über dem Median. Die Spannweite ist allerdings enorm: Piloten verdienen CHF 12'000+, Gepäckabfertiger unter CHF 5'000.
📉 Tieflohn-Branchen: Wo jeder Zweite unter der Schwelle liegt
Das BFS definiert «Tieflohn» als weniger als 2/3 des Medianlohns – also unter rund CHF 4'683 brutto pro Monat. In vier Branchen liegt der Tieflohnanteil bei einem Viertel oder mehr. Das bedeutet: Hunderttausende Arbeitnehmende in der Schweiz verdienen Löhne, die trotz Vollzeitarbeit kaum zum Leben reichen – vor allem in teuren Städten wie Zürich oder Genf.
Detailhandel – CHF 5'214
24.6% TieflohnMigros, Coop, Aldi, Lidl, Denner – der Schweizer Detailhandel beschäftigt über 300'000 Menschen. Fast ein Viertel davon verdient einen Tieflohn. Besonders betroffen: Teilzeitkräfte und Kassiererinnen. Die Digitalisierung (Self-Checkout, Online-Handel) setzt die Branche zusätzlich unter Druck.
Gastronomie – CHF 4'744
47.8% TieflohnFast jeder zweite Beschäftigte in der Gastronomie verdient einen Tieflohn. Der L-GAV Gastgewerbe garantiert zwar einen Mindestlohn, aber der liegt je nach Qualifikation bei nur CHF 3'582 bis CHF 4'382. Die Branche kämpft seit der Pandemie mit Fachkräftemangel – trotzdem steigen die Löhne nur langsam. Wer in der Gastro arbeitet, kann bei der Steuererklärung immerhin mit tieferen Steuern rechnen.
Beherbergung – CHF 4'715
48.7% TieflohnHotels, Hostels, Ferienwohnungen – die Beherbergungsbranche zahlt noch weniger als die Gastronomie. Saisonale Arbeit, hoher Anteil an ausländischen Arbeitskräften und die Abhängigkeit vom Tourismus drücken die Löhne. Im Tessin und in Bergregionen sind die Löhne besonders tief.
Persönliche Dienstleistungen – CHF 4'496
56.3% TieflohnCoiffeure, Kosmetikerinnen, Wäschereien, Reinigungen – hier ist der Tieflohnanteil am höchsten. Mehr als jeder Zweite verdient einen Tieflohn. Die Branche ist geprägt von Kleinstunternehmen, geringer Verhandlungsmacht und einem hohen Frauenanteil. Ein Coiffeur-Lehrling startet bei rund CHF 800/Monat, ein ausgebildeter Coiffeur verdient im Median CHF 4'200.
56.3% Tieflohnanteil bei persönlichen Dienstleistungen. Mehr als jeder Zweite verdient nicht genug, um in Zürich die Miete zu zahlen – geschweige denn, für die Pension zu sparen.
Branchenlöhne-Quiz
2 Fragen – teste dein Wissen
1.Welche Branche zahlt in der Schweiz den höchsten Medianlohn?
2.Wie hoch ist der Tieflohnanteil in der Gastronomie?
🎯 Was den Lohn bestimmt: Die 5 Schlüsselfaktoren
Dein Lohn ist kein Zufall. Fünf Faktoren bestimmen, wo du auf der Lohnskala landest. Die Branche ist dabei der stärkste Hebel – stärker als alles andere. Wer das versteht, kann gezielter verhandeln oder sogar einen Branchenwechsel in Betracht ziehen.
Branche (grösster Faktor)
CHF 9'808 Differenz zwischen Top und Tief. Ein Pharma-Laborant verdient mehr als ein Gastro-Küchenchef – allein wegen der Branche.
Bildungsniveau
Uni/ETH: CHF 10'533 vs. Berufslehre: CHF 6'390. Ein Hochschulabschluss bringt +65% Lohn. Aber: Die Schweizer Höhere Berufsbildung (HF, FH) schliesst die Lücke auf CHF 8'000-9'500.
Region
Zürich CHF 7'502 vs. Tessin CHF 5'708 – CHF 1'794 Differenz pro Monat. Aber: Die Lebenshaltungskosten in Zürich fressen einen Grossteil davon wieder auf. Mehr im Kantonsvergleich.
Geschlecht
Gender Pay Gap: 8.4% (BFS LSE 2024) – historischer Tiefstand. Frauen verdienen im Median CHF 590 weniger pro Monat. Die Details findest du im Löhne-Artikel.
Funktion / Hierarchie
Kader vs. Mitarbeiter: Führungskräfte verdienen je nach Branche 40-100% mehr als Mitarbeiter ohne Kaderfunktion. In der Finanzbranche ist der Hebel am grössten.
📍 Regionale Unterschiede: Wo die Branche am meisten zahlt
Die 26 Kantone unterscheiden sich nicht nur bei den Steuern – auch die Branchenlöhne variieren stark je nach Grossregion. Das hat einen einfachen Grund: Die Top-Branchen sind geografisch konzentriert. Pharma in Basel, Banken in Zürich und Genf, Tabak in der Romandie. Wer in einer Region ohne diese Branchen lebt, hat weniger gut bezahlte Optionen.
Zürich (CHF 7'502) profitiert vom Finanzplatz und einer Konzentration von Tech-Unternehmen (Google, Microsoft, diverse Startups). Die Nordwestschweiz (CHF 7'210) verdankt ihren zweiten Platz der Basler Pharma- und Chemieindustrie. Das Tessin (CHF 5'708) liegt als einzige Region deutlich unter dem nationalen Median – geprägt von Tourismus, Gastgewerbe und dem Grenzgänger-Effekt: Italienische Arbeitskräfte drücken das Lohnniveau.
Die Differenz zwischen Zürich und Tessin beträgt CHF 1'794 pro Monat oder CHF 21'528 pro Jahr. Aber: Wer diese Zahl als Argument für einen Umzug nimmt, muss auch die Steuerlast und Mieten vergleichen. Eine 3.5-Zimmer-Wohnung in Zürich kostet im Median CHF 1'600 – im Tessin halb so viel. Die reale Differenz schrumpft.
📈 Trends 2026: Wohin die Branchenlöhne sich entwickeln
Die Nominallöhne in der Schweiz sind 2024 um +1.8% gestiegen – nach Abzug der Teuerung blieb ein Reallohnplus von +0.5%. Aber hinter dem Durchschnitt verstecken sich grosse Unterschiede zwischen den Branchen.
IT & Tech: Überdurchschnittliches Wachstum
Der Fachkräftemangel in der IT treibt die Löhne weiter. Cybersecurity-Spezialisten, Data Engineers und KI-Experten verhandeln aus einer Position der Stärke. Die Branche wächst schneller als der Nachwuchs – das wird die Löhne auch 2026 weiter steigen lassen.
Gesundheitswesen: Aufholbedarf durch Fachkräftemangel
Die Pflegeinitiative zeigt Wirkung: Der Bund investiert in die Ausbildung, und Spitäler erhöhen die Löhne, um Personal zu halten. Pflegefachpersonen und medizinische Praxisassistentinnen profitieren – aber die Anpassung ist langsam.
Gastronomie & Detailhandel: Stagnation trotz Personalmangel
Paradox: Die Gastronomie findet kaum Personal – aber die Löhne steigen kaum. Der Grund: Die Margen lassen es nicht zu. Ein Restaurant mit 8% Gewinnmarge kann nicht 20% höhere Löhne zahlen. Der Druck wächst, aber die Lösung ist nicht in Sicht.
Pandemie
Teuerungsschub
Aufholeffekt
Reallohn +0.5%
CHF 9'808 Differenz pro Monat. CHF 6'500 pro Jahr. Über 4 Millionen in einem Berufsleben. Die Branche entscheidet mehr über den Lohn als alles andere.
❓ Branchenlöhne Schweiz – die wichtigsten Antworten
Basierend auf der BFS Lohnstrukturerhebung 2024 und SECO-Arbeitsmarktdaten
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Alle Branchenlöhne basieren auf der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2024 des Bundesamts für Statistik – der grössten Lohnerhebung der Schweiz mit über 2 Millionen erfassten Arbeitsverhältnissen. Medianlöhne sind standardisiert auf eine 40-Stunden-Woche (brutto, inkl. 13. Monatslohn anteilig). Tieflohnanteile bezeichnen den Anteil Beschäftigter mit weniger als 2/3 des gesamtschweizerischen Medianlohns.
Wer Branchenlöhne versteht, will das wissen
Löhne, Steuern, Kantone – alles hängt zusammen
Redaktion ConvivaPlus
WirtschaftSchweizer Wirtschaft: Zahlen, Trends, Einordnung.
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Diskussion
5 Stimmen aus der Community
Diese Grafik sollte jeder Berufsberater an der Wand haben. Wer mit 18 die falsche Branche wählt... naja.
Bin Coiffeuse, eigener Salon. CHF 4'496 Median kann ich bestätigen. Nach 10 Jahren verdien ich weniger als ein Pharma-Laborant am ersten Tag 😅
Arbeite im Detailhandel, CHF 4'900. Mein Mann im Bau, CHF 5'600. Zusammen kommen wir knapp über die Runden mit 2 Kindern. Krankenkasse allein kostet uns 1'400 im Monat.
Habt ihr die Prämienverbilligung geprüft? Bei eurem Einkommen könnte ein Anspruch bestehen. Mehr dazu in unserem Krankenkassen-Artikel.
12 Jahre Pharma und wusste nicht dass Tabak noch besser zahlt. Allerdings gibts dort nur wenige tausend Jobs in der ganzen Schweiz.
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Wirtschaft · 23.03.2026