Parlamentarier-Lohn Schweiz: was ein Nationalrat und ein Ständerat wirklich verdienen, hinter der Schlagzeile
«150'000 Franken für einen Nationalrat» liest man immer wieder, und die Zahl stimmt sogar, aber sie führt in die Irre. Denn die Schweiz hat kein Berufsparlament: Ein Nationalrat bezieht offiziell gar keinen «Lohn», sondern ein Jahreseinkommen von 26'000 Franken, ein Taggeld von 440 Franken pro Sitzungstag und eine ganze Reihe von Spesen, darunter eine steuerfreie Pauschale von 33'000 Franken, die niemand belegen muss. Rechnet man Honorar und Spesen zusammen, kommt tatsächlich brutto rund 130'000 bis 150'000 Franken heraus. Doch was real als Lohn übrig bleibt, liegt zwischen 63'000 und 92'000 Franken vor Steuern, und damit näher am Schweizer Medianlohn (~84'000) als an einer abgehobenen Politiker-Elite. Hier ist der ganze Parlamentarier-Lohn auf einen Blick: die Miliz-Lohn-Aufschlüsselung, ein Rechner, der Schlagzeilen-Brutto und realen Lohn nebeneinander stellt, und der Vergleich zum Bundesrat, der fünf Mal so viel verdient.

💰 Was verdient ein Nationalrat wirklich?
Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an, was man zählt. Ein Nationalrat oder Ständerat bezieht kein festes Gehalt, denn die Schweiz hat ein Milizparlament, kein Berufsparlament. Statt eines Lohns gibt es ein Jahreseinkommen von 26'000 Franken für die Vorbereitung der Ratsarbeit, ein Taggeld von 440 Franken für jeden Sitzungstag und eine Reihe von Spesen. Zählt man Honorar und Spesen zusammen, ergibt das brutto rund 130'000 bis 150'000 Franken pro Jahr, je nach Zahl der Sitzungstage und übernommenen Funktionen.
Doch der eigentliche Aha-Moment liegt in der Differenz zwischen dieser Schlagzeile und dem, was real als Lohn übrig bleibt. Ein grosser Teil der Summe sind echte Spesen (Mahlzeiten, Übernachtungen, Reisen) und ein Vorsorgebeitrag, dazu kommt eine steuerfreie Pauschale von 33'000 Franken. Rechnet man die Spesen heraus, bleibt laut einer Studie der Universität Genf ein reales Einkommen vor Steuern von rund 91'900 Franken (ohne persönliche Mitarbeitende) bis hinunter zu rund 63'000 Franken (mit), und das liegt erstaunlich nah am Schweizer Medianlohn von rund 84'000 Franken. Genau diese Differenz macht die ConvivaPlus-Miliz-Lohn-Aufschlüsselung sichtbar.
📊 Die ConvivaPlus Miliz-Lohn-Aufschlüsselung
Statt einer einzigen Schlagzeilen-Zahl zeigt die ConvivaPlus-Miliz-Lohn-Aufschlüsselung, woraus sich die rund 130'000 Franken Bruttobezüge eines Nationalrats tatsächlich zusammensetzen: welcher Teil steuerbares Einkommen ist, welcher steuerfreie Pauschale und welcher echte Spesen. So wird auf einen Blick sichtbar, warum das Wort «Lohn» hier in die Irre führt.
Die ConvivaPlus-Aufschlüsselung modelliert die Bezüge eines Ratsmitglieds mit 70 Sitzungstagen pro Jahr auf Basis der PRG-Eckwerte (parlament.ch, Faktenblatt Bezüge). Die Zahl der Sitzungstage variiert individuell; die Aufschlüsselung ist eine Modellrechnung, kein amtlicher Einzelwert.
davon steuerbares Einkommen: CHF 56'800 (45%)
Modell auf Basis der PRG-Eckwerte (parlament.ch, Faktenblatt Bezüge). Angenommen sind 70 Sitzungstage pro Jahr; individuell variiert die Zahl. «Steuerbares Einkommen» = Jahreseinkommen + Taggelder. Die Pauschale (steuerfrei) und die Spesen sind kein Lohn im klassischen Sinn. Keine Lohngarantie.
🧮 Entschädigungs-Rechner: was einem Nationalrat wirklich bleibt
Wie viel ein Ratsmitglied bezieht, hängt vor allem von der Zahl der Sitzungstage ab, und davon, ob es die Pauschale in persönliche Mitarbeitende investiert oder nicht. Stell die Sitzungstage ein und wähle, ob mit oder ohne persönliche Mitarbeitende: Der ConvivaPlus-Entschädigungs-Rechner zeigt dir das Schlagzeilen-Brutto und den realen Lohn nebeneinander.
Der ConvivaPlus-Entschädigungs-Rechner nutzt die PRG-Eckwerte (Jahreseinkommen 26'000, Taggeld 440, Pauschale 33'000, Mahlzeit 115, Übernachtung 180, Vorsorge 14'516). «Realer Lohn» = Jahreseinkommen + Taggelder, plus die Pauschale nur, wenn keine Mitarbeitenden angestellt werden (dann fliesst sie faktisch ins Einkommen). Das Modell trifft die Grössenordnung der Studie der Universität Genf.
Der reale Lohn liegt praktisch auf dem Schweizer Medianlohn von rund 84'000 Franken. Genau das ist der Kern des Milizsystems: Ein Volksvertreter verdient real ungefähr so viel wie die Mitte der Bevölkerung, die er vertritt, weit weg von der «150'000-Franken»-Schlagzeile.
Modellrechnung auf Basis der PRG-Eckwerte (parlament.ch, Faktenblatt Bezüge). «Realer Lohn» ist ein vereinfachtes Modell (Honorar plus Pauschale je nach Mitarbeitenden-Wahl), keine amtliche Lohngarantie und kein Einzelwert. Individuelle Bezüge hängen von Funktionen, Kommissionen, Reisedistanz und Steuersitz ab. Alle Angaben ohne Gewähr.
Lohn-Check: Wie gut kennst du das Milizparlament?
2 Fragen – teste dein Wissen
1.Bezieht ein Nationalrat ein festes Gehalt?
2.Ist die Pauschale von 33'000 Franken steuerfrei?
📋 Die Entschädigungs-Komponenten im Detail
National- und Ständerat werden seit 2002 identisch entschädigt. Alle Beträge sind im Parlamentsressourcengesetz (PRG) und seiner Verordnung geregelt. Hier die vollständige Liste der Komponenten mit dem jeweiligen Betrag und der Kategorie, damit klar wird, was Honorar, was steuerfreie Pauschale und was echte Spesen sind.
| Komponente | Betrag | Typ |
|---|---|---|
| JahreseinkommenFür die Vorbereitung der parlamentarischen Arbeit, steuerbar | 26'000 / Jahr | Honorar |
| TaggeldFür jeden Sitzungstag (Rat, Kommission, Fraktion), steuerbar | 440 / Sitzungstag | Honorar |
| Pauschale Personal & SachausgabenArt. 3a PRG, steuerfrei, ohne Beleg | 33'000 / Jahr | steuerfrei |
| MahlzeitenentschädigungVerpflegung an Sitzungstagen | 115 / Sitzungstag | Spesen |
| ÜbernachtungsentschädigungAuswärtige Übernachtung zwischen zwei Sitzungstagen | 180 / Nacht | Spesen |
| VorsorgebeitragBeitrag des Bundes; Mitglied trägt ein Viertel selbst | 14'516 / Jahr | Vorsorge |
| Distanz- & ReiseentschädigungAb 90 Min Reisezeit nach Bern; Generalabonnement 1. Klasse | 22.50 / ¼ Std. + GA 1. Kl. | Spesen |
Bis 2002 wurden Ständeräte von ihren Kantonen entschädigt, mit grossen Unterschieden. Seit 2002 zahlt der Bund beide Räte nach denselben Ansätzen. Der reale Median liegt beim Ständerat leicht höher (rund 92'200 statt 91'900 ohne Mitarbeitende), weil Ständeräte im Schnitt etwas mehr Sitzungstage und Funktionen tragen, nicht weil die Ansätze höher wären.
🎭 Schlagzeile gegen Realität: der echte Lohn
Wie viel bleibt einem Parlamentarier nach Abzug der echten Spesen wirklich als Einkommen? Diese Frage hat eine Studie der Universität Genf im Auftrag der Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung untersucht (2017, Legislatur 2011–2015, 136 befragte Ratsmitglieder, Rücklauf 52 Prozent). Sie ist bis heute die differenzierteste Datenquelle, auch wenn sie einige Jahre zurückliegt.
Das Ergebnis: Das mediane parlamentarische Einkommen vor Steuern beträgt beim Nationalrat rund 91'900 Franken für Mitglieder ohne persönliche Mitarbeitende (rund 75'600 nach Steuern) und rund 63'000 Franken für Mitglieder mit Mitarbeitenden (rund 47'000 nach Steuern). Beim Ständerat sind es rund 92'200 beziehungsweise 69'300 Franken vor Steuern. Der grosse Unterschied entsteht also nicht zwischen den beiden Räten, sondern dadurch, ob jemand die Pauschale in Personal investiert oder als Einkommen behält.
Der Vollzeit-Aufwand hinter dem Miliz-Etikett
Dieselbe Studie zeigt: Der zeitliche Aufwand eines Bundesparlamentariers kommt einem Vollzeitpensum nahe. Formal ist es ein Milizamt, faktisch für viele ein Vollzeitjob mit einem Einkommen im Bereich eines mittleren Kaders. Genau diese Spannung, Miliz-Etikett bei Vollzeit-Aufwand, ist der Grund, warum die Frage nach einer Professionalisierung des Parlaments regelmässig zurückkehrt.
Die «150'000 Franken» stimmen als Bruttobezug, aber was real als Lohn bleibt, liegt näher am Schweizer Medianlohn als an einer Politiker-Elite. Das ist kein Zufall, sondern die Idee des Milizsystems.
ConvivaPlus-Miliz-Lohn-Aufschlüsselung
⚖️ Parlamentarier, Bundesrat, Medianlohn: die Einordnung
Zahlen bekommen erst im Vergleich Bedeutung. Hier steht der Parlamentarier-Lohn neben dem Gehalt eines Bundesrats, dem Schweizer Medianlohn und der AHV-Maximalrente, vom Bruttobezug bis zum realen Lohn.
🔗 Nebeneinkünfte und Interessenbindungen
Der offizielle Bezug ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Weil das Parlament ein Milizamt ist, üben viele Ratsmitglieder daneben einen Beruf aus und sitzen in Verwaltungsräten, Verbänden und Stiftungen. Diese Mandate bringen zusätzliche Einkünfte, die den offiziellen Bezug deutlich übersteigen können.
Transparent ist das im offiziellen Register der Interessenbindungen: Jedes Ratsmitglied muss seine beruflichen Tätigkeiten und Mandate offenlegen. ConvivaPlus wertet diese öffentlichen Daten neutral aus, ohne Wertung über einzelne Personen. Wer wissen will, welche Branchen im Parlament besonders stark vertreten sind, findet in unserer Politiker-Integritäts-Datenbank die faktische Übersicht.
Zusätzlich zum Mandat deklarieren viele Ratsmitglieder Nebeneinkünfte aus Interessenbindungen, transparent im offiziellen Register. Das ist Teil des Milizsystems und per se weder gut noch schlecht: Es bringt Praxiswissen ins Parlament, kann aber Interessenkonflikte schaffen. ConvivaPlus stellt die Fakten aus dem Register dar, die Bewertung überlassen wir dir.
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Häufige Fragen zum Parlamentarier-Lohn
Die wichtigsten Antworten rund um Entschädigung, Spesen, Milizsystem und realen Lohn von National- und Ständeräten, gestützt auf das Parlamentsressourcengesetz, das Faktenblatt Bezüge und die Studie der Universität Genf.
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Die Schlagzeile ist brutto, der reale Lohn liegt auf Median-Niveau
Wir haben in der ConvivaPlus-Miliz-Lohn-Aufschlüsselung die «130'000- bis 150'000-Franken»-Schlagzeile gegen das gehalten, was real als Lohn bleibt. Das Verdikt: Der Bruttobezug stimmt, aber ein grosser Teil sind Spesen, eine steuerfreie Pauschale (33'000 Franken) und ein Vorsorgebeitrag. Vor Steuern bleiben laut Studie der Universität Genf zwischen 63'000 und 92'000 Franken, also Median-Niveau. Kein Skandal, sondern die Logik des Milizsystems: Wer das Volk vertritt, soll keine abgehobene Elite sein. Laut ConvivaPlus muss man Schlagzeilen-Brutto und realen Lohn auseinanderhalten, zum Einordnen neben den Schweizer Löhnen und dem Bundesrat-Lohn.
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Die ConvivaPlus-Miliz-Lohn-Aufschlüsselung zeigt: Von rund 130'000 Franken Bruttobezügen eines Nationalrats ist nur etwa die Hälfte steuerbares Einkommen. 33'000 Franken sind eine steuerfreie Pauschale, die niemand belegen muss, der Rest sind Spesen und Vorsorge. Real bleibt als Lohn vor Steuern zwischen 63'000 und 92'000 Franken, näher am Medianlohn als an einer Politiker-Elite.
Diskussion
5 Stimmen aus der Community
Der Vergleich mit dem Bundesrat setzt das Ganze in Perspektive. Ein Bundesrat verdient rund fuenf Mal so viel wie ein Nationalrat real erhaelt. Beim Milizsystem finde ich es fair, dass die Entschaedigung eher bescheiden ist, aber man sollte ehrlich sagen, dass es eben kein Vollzeit-Salaer ist.
Guter Punkt, Beat. Das Milizsystem ist genau der Grund, warum es offiziell keinen «Lohn» gibt, sondern Entschaedigungen. Die Studie der Uni Genf zeigt aber, dass der Aufwand faktisch einem Vollzeitpensum nahekommt, daher die Dauerdebatte.
Was mich am meisten erstaunt hat, ist die steuerfreie Pauschale von 33'000 Franken. Dass die niemand belegen muss, wusste ich nicht. Die Aufschluesselung zeigt schoen, welcher Teil wirklich Lohn ist und welcher nicht.
Den Entschaedigungs-Rechner habe ich mit 75 Sitzungstagen und ohne Mitarbeitende durchgespielt. Was am Ende real als Lohn bleibt, liegt fast genau auf dem Schweizer Medianlohn. Ich hatte immer die «150'000»-Schlagzeile im Kopf und war ehrlich ueberrascht, wie viel davon Spesen sind.
Danke, Reto, genau das ist der Kern. Die Schlagzeile ist Brutto inklusive Spesen, der reale Lohn liegt deutlich tiefer. Ob das nun zu viel oder zu wenig ist, muss jede und jeder selber gewichten, aber die Zahlen sauber auseinanderzuhalten ist der erste Schritt.
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Dieser Artikel ist eine faktenbasierte Einordnung, keine politische Wertung und keine individuelle Beratung. Eckwerte nach dem Parlamentsressourcengesetz (parlament.ch, Faktenblatt Bezüge), realer Lohn nach der Studie der Universität Genf (2017), Modellrechnungen ohne Gewähr, Stand Juli 2026.