«Nur junge Männer kommen als Flüchtlinge!» - im Faktencheck

«80% der Flüchtlinge sind Männer!» «Keine Frauen!» «Nur Männer im besten Alter aus afrikanischen Ländern kommen als Flüchtlinge nach Europa und die Frauen lassen sie zuhause!»

- «Waren Sie denn vor Ort und haben die alle einzeln gezählt?»

- «Nein. Aber ich weiss, was ich gesehen habe! Ich habe Videos gesehen!»


So und ähnlich klingt es heutzutage zuhauf in den Facebook-Kommentaren. Immer wieder erstaunlich dabei ist, mit welch fahrlässiger Selbstverständlichkeit einzelne Internetbilder von "besorgten Bürgern" krampfhaft zu einem angeblich unwiderlegbaren „Beweismittel“ hochstilisiert werden. Das hat System: Vereinzelte Bilder und Videos werden von Rechts nimmermüde als Abbild der gesamten Realität verkauft - und tatsächlich für „die Wahrheit“ gehalten.

Höchste Zeit, die Frage (oder Behauptung) ein für alle Mal zu klären.

Inhalte:

 


Flüchtlinge Boot Mittelmeer

 

 

Männer- und Frauen-Flüchtlinge in der Schweiz

Anerkannte Flüchtlinge:

Bestand anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz mit Asyl (Ausweis B) nach Geschlecht am 31.05.2019:

Geschlecht Total anerkannte Flüchtlinge mit Ausweis B Anteil
Total 39‘986 100%
Frauen 17‘830 45%
Männer 22‘156 55%

Quelle: Staatssekretariat für Migration (SEM)

 

Im Asylprozess:

Bestand im Asylprozess in der Schweiz nach Geschlecht am 31.05.2019:

Geschlecht Total Personen im Asylprozess in der Schweiz Personen im Verfahrensprozess Vorläufig aufgenommene Personen Personen mit ausgesetztem Vollzug Anteil Geschlecht
Total 61‘009 13‘548 46‘973 437 100%
Frauen 24‘303 5‘060 19‘034 182 40%
Männer 36‘706 8‘488 27‘939 255 60%

Quelle: Staatssekretariat für Migration (SEM)


Die Behauptung:

«80% der Flüchtlinge in der Schweiz sind Männer!»

ist falsch.


 

 

Migranten in den westlichen Industrienationen nach Geschlecht


«Neben Asien sind derzeit nur in Afrika männliche Migranten in der Überzahl.

In Europa, Nordamerika, Ozeanien, Lateinamerika und der Karibik stellen Frauen den größten Teil der migrantischen Bevölkerung


Flüchtlinge Länder Weltkarte

«Über lange Zeit galt Migration als männliches Phänomen. Dabei haben heute in den meisten Weltregionen Frauen den größten Anteil am Migrationsgeschehen», hält die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) fest. «Insbesondere im Globalen Norden, der in der Statistik der Vereinten Nationen die Industrienationen in Nordamerika und Europa sowie Australien, Neuseeland und Japan umfasst, haben Frauen einen hohen Anteil am Migrationsgeschehen: In dieser Weltregion waren im Jahr 2017 51,8 Prozent aller Migrant_innen weiblich. Im Globalen Süden, also den ärmeren (Entwicklungs- und Schwellen-)Ländern, traf dies nur auf 43,9 Prozent aller Migrant_innen zu. 1990 hatte der Anteil weiblicher Migrant_innen im Globalen Süden mit 47 Prozent noch deutlich höher gelegen.»


Die Behauptung:

«80% der Migranten im Westen sind Männer!»

ist falsch.


 

 

Männer- und Frauen-Flüchtlinge in Europa


«45% der Flüchtlinge in Europa sind Frauen.»


«Während nur 30% der Asylsuchenden in Europa Frauen sind, liegt der Frauenanteil unter den Flüchtlingen bei 45%. Anders als männliche Flüchtlinge kommen weibliche Flüchtlinge häufig über den Familiennachzug oder über Resettlement-Programme ins Aufnahmeland», hält eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fest.

Flüchtlinge Mittelmeer Europa EU

«Erstens sind weibliche Flüchtlinge eine große und weiter wachsende Gruppe. Eurostat-Daten zufolge haben in Europa seit 2015 ungefähr eine halbe Million Frauen – davon rd. 300'000 in Deutschland – internationalen Schutz erhalten. Bestandszahlen zu weiblichen Geflüchteten sind nicht durchgängig verfügbar. Laut einem Sondermodul der EU-Arbeitskräfteerhebung 2014 handelt es sich aber bei ungefähr 45% der Migranten, die eigenen Angaben zufolge zur Erlangung von internationalem Schutz in die EU gekommen sind, um Frauen. Das sind mehr als 800’000 Personen. Nachdem in den Krisenjahren 2015-2016 zunächst überwiegend männliche Asylsuchende nach Europa gekommen waren, nahm der Anteil der Frauen im Lauf der Zeit zu. Zudem ist der Anteil der Frauen unter den Personen, die Asyl erhalten, weltweit höher als ihr Anteil unter den Asylsuchenden. Zwischen 2015 und 2017 ist der Frauenanteil unter denjenigen, die einen internationalen Schutzstatus erhalten haben, von 29% auf 38% gestiegen. Durch den Familiennachzug dürfte sich der Anteil weiblicher Flüchtlinge weiter erhöhen, da es sich bei den nachzugsberechtigten Ehegatten mehrheitlich um Frauen handelt.»


Die Behauptung:

«80% der Flüchtlinge in Europa sind Männer!»

ist falsch.



 

 

Männer- und Frauen-Flüchtlinge in Deutschland


«Im Jahr 2019 waren bis Juni 42,8 Prozent aller Asylbewerber in Deutschland weiblich.»


Verteilung der Asylbewerber in Deutschland nach Geschlecht innerhalb verschiedener Altersgruppen im Jahr 2019 (bis Juli; in Prozent):

Alter Männer Frauen
Bis unter 4 Jahre 51.7% 48.3%
4 bis unter 6 Jahre 52.9% 47.1%
6 bis unter 11 Jahre 53.0% 47.0%
11 bis unter 16 Jahre 53.7% 46.3%
16 bis unter 18 Jahre 66.5% 33.5%
18 bis unter 25 Jahre 66.4% 33.6%
25 bis unter 30 Jahre 61.4% 38.4%
30 bis unter 35 Jahre 59.4% 40.6%
35 bis unter 40 Jahre 56.0% 44.0%
40 bis unter 45 Jahre 56.8% 43.2%
45 bis unter 50 Jahre 56.3% 43.7%
50 bist unter 55 Jahre 54.1% 45.9%
55 bis unter 60 Jahre 54.2% 45.8%
60 bis unter 65 Jahre 56.0% 44.0%
65 Jahre und älter 49.2% 50.8%
Total 57.0% 43.0%

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Statista

«In der EU lebten 2014 mehr als 800’000 weibliche Flüchtlinge; im Zeitraum 2015-2017 wurde weiteren 500’000 Frauen - davon 300’000 allein in Deutschland - internationaler Schutz zuerkannt.» [OECD]


Die Behauptung:

«80% der Flüchtlinge in Deutschland sind Männer!»

ist falsch.



«Invasion von Flüchtlingen in Europa!»
Alle Länder-Flüchtlingsanteile im Überblick

Wutbürger Hass Flüchtlinge


Viele "besorgte Bürger" ärgern sich in sozialen Netzwerken lauthals darüber, dass sie selber arbeiten müssen, andererseits aber sogenannte "Wirtschaftsflüchtlinge" "massenhaft" nach Europa migrieren, "auf unsere Kosten in Saus und Braus leben" und dazu "unsere Kultur bedrohen" (Stichwort: "Umvolkung"). Was ist an diesen "Sorgen" dran? Wir haben nachgerechnet. Nachfolgend alle 28 EU-Länder aufgeschlüsselt mit Einwohnerzahl & Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung ...


 

 

Gründe, weshalb mehr Männer als Frauen nach Europa fliehen

Fluchtroute Mittelmeer Flüchtlinge

Es flüchten mehr Männer als Frauen nach Europa, so viel steht fest. Doch so gross wie oftmals behauptet, ist das Ungleichgewicht keineswegs:

  • 4,5 von 10 Flüchtlingen sind Frauen.

  • 5,5 von 10 Flüchtlingen sind Männer.

Eine kleine Auswahl von Gründen, warum Menschen bzw. Frauen (gezwungenermassen) bleiben ...

 

 

Weltweit jeder zweite Flüchtling eine Frau


Weltweit ist der Trend jedoch umgekehrt: Mindestens jeder zweite Flüchtling ist laut Uno-Flüchtlingswerk UNHCR weiblich. [Quelle: UN]


Dazu zählen jedoch auch sogenannte Binnenflüchtlinge, die ihr Heimatland zunächst nicht verlassen. In Europa hingegen gibt es nachvollziehbare Gründe, weshalb das männliche Geschlecht gegenüber den weiblichen Flüchtlingen in der Überzahl ist.

 

 

Mehr Männer aus Kriegsgebieten

Aus Syrien, Eritrea und Somalia kommen weniger Frauen nach Europa, unter Balkan-Flüchtlingen ist das Verhältnis hingegen nahezu ausgeglichen. Das erklärt sich so: Männer verlassen vor allem Regionen, in denen militärische Konflikte toben und/oder staatliche Repression herrscht. Sie wollen so einer direkten Beteiligung am Kampfgeschehen und/oder der Repression entgehen. Denn die Gefahr, getötet oder zwangsrekrutiert zu werden, ist für Männer etwa im Bürgerkriegsland Syrien sehr hoch.

Die Frauen bleiben aber nicht etwa einfach in den Kampfgebieten zurück oder werden „schutzlos und feige zurückgelassen“ wie es oft in den Facebook-Kommentaren heisst. Im Gegenteil: Millionen von Familien sind in den vergangenen Jahren allein vor der Terrororganisation "Islamischer Staat" aus Syrien und dem Irak in die Nachbarländer geflohen [Quelle]. Von dort haben sich dann zunächst jedoch meist nur die Väter auf die lebensgefährliche Reise nach Europa begeben.


«In den Flüchtlingscamps in den Grenzgebieten von Krisenländern, beispielsweise Syrien, leben dagegen mehr Frauen als Männer. Es ist also nicht so, dass nur Männer fliehen, wie von Asylgegnern meist behauptet wird. Es kommen in der „Festung Europa" nur mehr Männer an.» [Quelle]


 

 

Unvorstellbare Horror-Flucht für Frauen

FlüchtligneBoot Mittelmeer

Die weitere Flucht erweist sich für die Frauen meist noch riskanter, weshalb sie zunächst oft in Flüchtlingslagern zurückbleiben. Frauen, Kinder, Ältere, Kranke und sonst wie körperlich sowie auch seelisch nicht verdammt stark belastbare Menschen wissen mehr oder weniger, dass sie eine monatelange, ungewisse Flucht so gut wie sicher nicht überleben werden. Neben Hunger, Krankheiten und Tod müssten Frauen sexuelle Übergriffe fürchten, warnt denn auch die Flüchtlingsforscherin Ulrike Krause.

Frauen setzen sich zudem einer hohen Gefahr aus, aufgehalten, gefangengenommen und über unbestimmte Zeit hinweg vergewaltigt zu werden (nachweislich in Libyen z.B.). Selbst wenn Geld vorhanden wäre, flehen Familienmitglieder nicht selten die Frauen an, nicht weiter zu fliehen, da sie wissen, was ihnen auf dem weiteren Fluchtweg drohen kann. Häufig bleiben Frauen also zunächst in den Flüchtlingslagern, wo sie leider ebenfalls sexueller Gewalt, Repressalien und schlimmen Menschenrechtsverletzungen schutzlos ausgeliefert sind.


«In Libyen werden immer mehr Migranten gefoltert und vergewaltigt - aus Geldgier, Sadismus und Machtstreben, wie eine aktuelle Studie belegt. Die Täter finden sich auch bei lokalen Partnern der EU», fasst «Quantara» die Studie der internationalen Nichtergierungsorganisation Women‘s Refugee Commission für Flüchtlinge in Libyen zusammen.


««Auf ihrer Reise durch die Wüste werden viele Geflüchtete von Menschenhändlern und bewaffneten Gruppen entführt oder in offizielle Haftanstalten gebracht», erklärt Studienautorin Sarah Chynoweth. In diesen Lagern sei Gewalt einschließlich sexualisierter Folter üblich. «Das wird gefilmt, um Druck auf die Familien auszuüben, Geld für die Freilassung ihrer Angehörigen zu schicken. Diejenigen, die nicht bezahlen können, werden weiterverkauft oder getötet

Die Details der Foltermethoden sind kaum zu ertragen. Die Intensität und Kreativität der sexuellen Gewalt seien auffällig, so Chynoweth. Männer und Frauen werden gezwungen, andere zu vergewaltigen, Penisse werden abgeschnitten, Frauen werden so lange misshandelt und vergewaltigt, bis sie verbluten und sterben. Jungen müssen ihre Schwestern vergewaltigen. «Wenn mir das vorher jemand erzählt hätte, hätte ich das nie geglaubt. Das glaubt man erst, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat», berichtet ein Überlebender aus Gambia.»

 

 

EU finanziert Menschenrechtsverletzungen an Frauen

EU Flüchtlinge Lager Zaun Gewalt

««Diese schwersten Menschenrechtsverletzungen finden durch Partner der Europäischen Union statt. Das ist das, was jetzt noch einmal verschärft formuliert wird», so Karl Kopp von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Die libysche Küstenwache fange die Flüchtlinge ab und bringt sie in die Folterlager zurück. Da der Gewinn der Schlepper gesunken ist, setzen sie Folter ein, um neue Gewinne zu generieren. «Wir haben Ähnliches auf dem Sinai erlebt, wo Familien von Frauen aus Eritrea erpresst wurden.» In Libyen seien es aber «unsere Lager, europäisch finanzierte Lager der anerkannten Regierungen, wo schlimmste Menschenrechtsverletzungen geschehen», so Kopp. Dies geschehe im Namen Europas und sei Teil der Abmachungen mit dem Bürgerkriegsstaat Libyen.»

 

 

EU verstärkt Fluchtgründe von Männern

Die EU finanziert sexuelle Gewalt in libyschen Flüchtlingslagern und verstärkt so die Fluchtgründe:

«Libyen ist kein sicheres Transitland, gilt im Hinblick auf seinen Demokratiestatus als „failing state“, besitzt eine hohe Korruptionsrate, erhielt von Freedom House bezüglich der Pressefreiheit den Status „nicht frei“ und alle Konfliktparteien verletzen die Menschenrechteund brechen das Humanitäre Völkerrecht. Dennoch arbeitet die EU mit der libyschen Küstenwache zusammen, um eine Flucht nach Europa zu verhindern.»


«Nicht nur die schlechte politische und ökonomische Lage im Land selbst zwingt Menschen dazu, den gefährlichen Weg über das Meer nach Europa zu nehmen, sondern auch die teilweise menschenunwürdigen Verhältnissen in den örtlichen Auffanglagern.»


«Auch bei sexueller Gewalt gegenüber und Folter von Migranten kann nicht mehr lediglich von einem „Wegsehen“ seitens der EU gesprochen werden. Die Lager Libyens, in welchen schlimmste Menschenrechtsverletzungen begangen werden, sind EU-finanziert, denn sie finden durch Partner der Europäischen Union statt. Viele der sexuellen Übergriffe gelten neben der Erpressung auch der Unterhaltung des Wachpersonals, der Bestrafung und Tötung von Menschen. Die Autorin der Studie bezüglich sexueller Gewalt gegenüber Flüchtlingen in Libyen Sarah Chynoweth berichtet Folgendes: «Wenn ein Mann versucht zu fliehen, werden alle anderen Männer dazu gezwungen, ihn zu vergewaltigen. So werden die Menschen regelmäßig bestraft, zur Unterwerfung gezwungen und kontrolliert».» [Quelle]


FERIENZIELE-TIPP
Verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub doch in Libyen

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Prekäre Zustände sind aber auch in den Flüchtlingslagern Europas vorzufinden - auch für Frauen. «Frauen, die sich auf den Weg nach Europa machen, sind den körperlichen, verbalen und sexualisierten Übergriffen durch Schlepper ausgesetzt. Selbst wenn sie es schaffen, nach Europa zu gelangen, ist ihr Leidensweg jedoch nicht zu Ende. Die Mehrheit der Geflüchteten und Migranten, die in Griechenland eintreffen, sind inzwischen Frauen und Kinder – in diesem Jahr waren es bis jetzt knapp über 60 Prozent. Aufgrund des zwischen der Europäischen Union (EU) und der Türkei im März 2016 geschlossenen Migrationsabkommens sehen sich die Menschen, die in Griechenland ankommen, in einer ausweglosen Situation gefangen. Sie sitzen unter furchtbaren Bedingungen in heruntergekommenen Lagern fest, die von der EU finanziert werden», hält eine Amnesty-Studie fest.

 

 

Familienväter riskieren Flucht zuerst und hoffen auf Familiennachzug

Da viele Familien aus Krisengebieten sich ohnehin keine gemeinsame Flucht leisten könnten, müssen sie jeweils zwischen den verschiedenen Risiken abwägen. Viele Familienväter fällen dann laut Pro-Asyl-Chef Burkhardt eine klare Entscheidung:


«Lieber gehe ich selbst das Risiko ein und bringe meine Frau und die Kinder erst mal nicht in Gefahr.»


Erst nach geglückter Flucht und Ankunft in Europa wollen die Männer dann ihre Frauen und Kinder per Familiennachzug nach Europa holen - sicher und legal. Ein Trugschluss. Für die meisten Flüchtlinge geht dieser Plan nicht auf.

 

 

Warum kommen Männer ohne Familie?

Ein afghanischer Flüchtling erzählt: «Ich komme aus Afghanistan. Dort ist es nicht auszuhalten, die Taliban machen allen das Leben zur Hölle. Vor allem den Männern, die nicht mitmachen wollen. Darum habe ich meine Heimat verlassen, obwohl ich dort Arbeit hatte und schon ganz schön alt bin, jedenfalls wenn man mich mit den meisten anderen Flüchtlingen vergleicht. Das Schlimmste ist aber, dass ich zu Hause meine Frau und sechs Kinder zurücklassen musste: vier Töchter und zwei Söhne. Ich hatte nicht genug Geld, um sie mitzunehmen. Es reichte nur für einen. Außerdem ist die Flucht sehr anstrengend und auch gefährlich. Also bin ich alleine gefahren, über die Türkei bin ich nach Europa gekommen. Jetzt hoffe ich, dass ich bald Asyl bekomme und vielleicht sogar arbeiten darf. Dann könnte ich Geld sparen und irgendwann meiner Frau und den Kindern die Reise nach Europa bezahlen. Dann wären wir wieder zusammen. Jetzt habe ich nur Bilder und manchmal telefonieren wir. Aber das macht mich oft nur noch trauriger, denn ich bekomme ja gar nicht mit, wie meine Kinder älter werden. Als ich weggegangen bin, war mein jüngster Sohn gerade eineinhalb Jahre alt.»

 

 

Woher stammt das Geld für die Flucht?


Vorab: Dem liegt meist eine falsche Annahme zugrunde: dass alles Flüchtlinge arm sind.


«Gerade bei Flüchtlingen aus Kriegsgebieten wie Syrien muss das nicht immer der Fall sein. Auch Ärzte und Anwälte fliehen vor Krieg und Zerstörung. Oft werden klügere, einflussreichere Menschen eher Opfer von politischer Verfolgung als der Fabrikarbeiter mit Mindestlohn oder ein armer Bauer.» [Quelle] «Meist kommt das Geld aus der ganzen Familie, manchmal aus dem Dorf, ein verzweifeltes Investment in eine vermeintlich bessere Zukunft, die so gut wie nie kommt. Denn die meisten werden hier mit einem Arschtritt empfangen, haben keine Chance auf Integration im regulären Jobmarkt und werden irgendwann zurückgeschickt.»

Reiche Flüchtlinge?

Ein afghanischer Flüchtling erzählt: «Ich habe die Schule abgebrochen, um meine Eltern zu unterstützen. Im Iran war ich Schuhmacher. Aber meine Eltern waren illegale Einwanderer aus Afghanistan und wurden deswegen diskriminiert. Alles war teurer: die Schule, das Wohnen, das Leben allgemein. Als es immer schlimmer wurde, haben mein Vater und ich zwei Jahre lang überlegt. Am Ende haben meine Eltern beschlossen, mich nach Europa zu schicken. Die ganze Familie hat zusammengelegt. Bisher hat die Flucht 3300 US-Dollar gekostet: 1800 für die Fahrt von Teheran nach Istanbul, 1500 für die Fahrt von Istanbul nach Bodrum und von da aus mit dem Schlauchboot hier nach Kos. Insgesamt einen Monat bin ich jetzt von zuhause weg. Ich hoffe, dass ich es bald nach Schweden schaffe. Zwei Wochen sollten machbar sein. Ich muss mich beeilen, denn während ich weg bin, kümmert sich meine Tante um meine Eltern - aber die hat selbst kein Geld.»


SO VIEL MEHR GELD HÄTTE ICH
OHNE FLÜCHTLINGE IN DER SOZIALHILFE


Wutbürger Hass Flüchtlinge

SO VIEL BEZAHLST DU PRO TAG
Asylbewerber Sozialhilfe-Kosten


Diesen Geldbetrag bezahlst DU pro Tag und Monat für Flüchtlinge und so viel Geld bezahlst DU pro Tag und Monat für die Schweizer Armee ...



«Flüchtlinge haben
die neusten Handys!»

Wutbürger Hass Flüchtlinge


«Flüchtlinge hängen an Bahnhöfen rum und haben immer die neusten Handys!» - Was steckt dahinter?


 

 

Wahrnehmung geflüchteter Frauen


Ein entscheidender Faktor wird ebenso oft ausser Acht gelassen: Die Wahrnehmung der geflüchteten Frauen.


«Geflüchtete und migrierte Frauen bleiben in der wissenschaftlichen und öffentlichen Wahrnehmung häufig unsichtbar. In der Migrationsgeschichte wurden sie lange schlicht vergessen, weil sich Studien hauptsächlich auf männliche Akteure im Wanderungsgeschehen konzentrierten. So galten beispielsweise Bildungs- und Erwerbsmigration lange Zeit als ausschließlich männliche Angelegenheit, obwohl auch Frauen zu jeder Zeit an diesen Wanderungen beteiligt waren.

Dies liegt auch daran, dass Frauen in westlichen Gesellschaften jahrhundertelang kaum als Akteurinnen am Arbeitsmarkt wahrgenommen wurden. Von Migrantinnen oft verrichtete haushaltsnahe Dienstleistungen galten und gelten vielfach nicht als reguläre Berufstätigkeit. Zudem erfolgen sie in den meisten Fällen in einem prekären, informellen Arbeitsverhältnis. Auch deshalb bleiben Migrantinnen oft unsichtbar – in vielen Statistiken tauchen sie nicht auf», erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB).

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(Last updated: 12.08.2019, 22:11)