«Gut integrierte Flüchtlinge sind die Ausnahme!!! Das sind nur Einzelfälle!!! Die Nadel im Heuhaufen!!!»

Kopfstand Beine Füsse im Wasser

Sind sie nicht.

 

Richtige Menschen mit Namen anstelle von Zahlen und Statistiken

Unter diesen Facebook-Post über die Lehrabschluss-Bestnote eines eritreischen Flüchtlings mischten sich zu den zahlreichen positiven auch Kommentare wie:

  • «Die Ausnahme!»
  • «Eme Schwizer d lehrstell gnah!»
  • «Die Nadel im Heuhaufen ist gefunden!»
  • «Wahre Einzelfälle!»

Inhalte:

 


 

 

Verschiebung von Realität

An und für sich sind positive Geschichten von gut integrierten Flüchtlingen nichts aussergewöhnliches oder der Rede wert.

Wenn die mediale Berichterstattung über Flüchtlinge nicht generell derart konfliktorientiert wäre.

Und sie verfehlt ihre Wirkung nicht, wie anhand der obigen Kommentare zu erkennen ist.

Heisst, berichtet wird (in der Regel) nur, wenn es politische oder sogar gewaltförmige Konflikte gibt.

Medial erhält der «gewöhnliche» Flüchtling kaum Medienpräsenz - und bleibt daher unscheinbar.

Hier findet also eine Verschiebung von Realität statt.

Weil der «gewöhnliche» Flüchtling verkauft sich eben schlecht.

Doch auf ihn kommt es an.

 

 

Gut integrierte Flüchtlinge?

Die Nadel im Heuhaufen? «Es gibt viele Nadeln», sagt Barbara Imholz, die beim Solidaritätsnetzwerk für Flüchtlinge in Romanshorn engagiert ist. Sie findet, den «Zeitungslesern sollten im Zusammenhang mit Flüchtlingen nicht nur Berichte über Probleme und Kosten vorgesetzt werden. Sie sollten auch positive Beispiele sehen, richtige Menschen mit Namen anstelle von Zahlen und Statistiken», berichtet das «Tagblatt». Und sie hat Recht.


 

«Schweizer Lehrlingsmangel!»


Jawad Danishyar macht eine zweijährige Ausbildung zum Plattenleger bei der Rinox AG. Die Baubranche kämpft gegen Lehrlingsmangel, sagt Thomas Rhyn, der von Chef Danishyar. Der Plattenleger-Beruf sei bei den Jungen nicht besonders beliebt. Als ehemaliger afghanischer Flüchtling war für ihn der Berufseinstieg nicht einfach. «An der Berufsschule in Winterthur besucht der Lernende deshalb einen Deutsch-Stützkurs, seine Muttersprache ist Persisch. Die Sprache sei der Schlüssel zur Integration.

«Unser Ziel ist es, dass Jawad das Qualifikationsverfahren mit dem eidgenössischen Berufsattest (EBA) abschliesst», sagt der Berufsbildner gegenüber dem «Tagblatt». Wenn sich jemand engagiere und einsetze, habe er eine Chance verdient. «Ich möchte ihm diese Chance geben und hoffe, dass er sie auch nutzt.»

Jawad hat übrigens letztes Jahr die beste praktische Arbeit der ganzen Schweiz bei der Abschlussprüfung gehabt.


 

«Als ob wir nach Eritrea gehen und eine neue Sprache lernen müssten»


«Vor fünf Jahren flüchtete Efrem Awel (21) aus Eritrea in die Schweiz. Voller Tatendrang lernte er die deutsche Sprache und absolvierte in einer Schwyzer Schreinerei eine Lehre. Der Lehrabschluss war diesen Sommer. Ein Blick auf seine Noten zeigt: Er war der Beste.» Mit der Bestnote 5,4.

Über diese gute Leistung zeigt sich selbst sein Lehrmeister Theo Schürpf gegenüber «Blick» erstaunt: «Wenn ich mir vorstelle, dass ich nach Eritrea gehen und dort eine neue Sprache lernen müsste – ich hätte das niemals so schnell geschafft


 

Behörden kooperieren nicht


2017 kam der heute 21-jährige afghanische Flüchtling Reza Malek erstmals für eine Schnupperlehre in den Metallbaubetrieb Di Nicola in Hamisfeld, und wurde Praktikant. «Nach drei Wochen war der Firma klar, dass sie ihm eine Chance geben will. In diesen Tagen beginnt Malek eine sogenannte EBA-Ausbildung. Bewährt er sich, kann er innert des ersten halben Jahres umsatteln auf eine EFZ-Ausbildung, eine vierjährige Lehre als Metallbauer», berichtet das «Tagblatt». «Wir haben Reza Malek die Tür aufgemacht, weil er sich wirklich integrieren will», erklärt Daniela Di Nicola, Mitinhaberin des Betriebs und SVP-Stadträtin in Amriswil.

«Sie hätte Malek schon letztes Jahr die EBA-Ausbildung beginnen lassen, wenn die Behörden kooperiert hätten, sagt Di Nicola. Wer den Status N habe, werde nicht unterstützt. N bedeutet, dass das Asylverfahren läuft. Di Nicola kritisiert dessen lange Dauer. Zwei Jahre und acht Monate nach der Einreise wisse Malek immer noch nicht, ob er in der Schweiz bleiben dürfe.»


 

Afghanischer Plättlileger mit Bestnote


Der junge Nassim Mozaffari flüchtete aus Afghanistan in die Schweiz und schliesst im Thurgau die Plättlileger-Lehre bei der Firma H. Oertig Plattenbeläge GmbH in Tägerschen in der praktischen Prüfung mit einer 5.5 die Bestnote ab.

«Was ging Ihnen durch den Kopf als Sie hörten, dass Sie die Bestnote hatten?» - «Nichts Besonderes. Meine Ziele waren es, einerseits die Prüfung zu bestehen, andererseits aber auch noch einigen schwächeren Kollegen helfen zu können. Als ich die Note erfuhr, habe ich direkt meine Mitschüler angerufen und sie nach ihrem Resultat gefragt. Erst als ich wusste, dass alle bestanden haben, konnte ich mich richtig freuen», interviewte ihn das «Tagblatt».

«Möchten Sie noch etwas loswerden?» - «Ja. In Afghanistan wird man auch ohne Noten als vollwertigen Menschen gesehen. In der Schweiz habe ich das Gefühl, dass man sehr viel leisten muss, um akzeptiert zu werden. Viele Flüchtlinge haben zwar Talent, bekommen aber oft keine Chance sich weiterzuentwickeln. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird. Dass die Menschen nicht mehr nach ihrer Herkunft beurteilt werden und dass mehr Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, eine Ausbildung zu machen, so wie ich das auch durfte.»


 

Eritreerin hilft zur Selbsthilfe


Die Eritreerin Adiam kam im Alter von 11 Jahren mit ihrer Mutter und drei Geschwistern und hat sich die Schweiz zur zweiten Heimat gemacht. «Wenn ein Eritreer etwas Schlechtes tut, heisst es immer gleich: Diese Eritreer! Wie wenn alle Landsleute für diese Tat mitverantwortlich wären. Es gibt gute und schlechte Eritreer. Genauso wie es gute und schlechte Schweizer gibt. Es macht mich manchmal wütend, wenn wir alle in einen Topf geworfen werden.»

Nun baut sie einen Jugendtreff auf. Er soll Jugendlichen die Chance bieten, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. «Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Wir wollen nicht sagen, was zu machen ist, sondern die Jugendlichen sollen selbst entscheiden. Es geht auch um Empowerment, die Suche nach der eigenen Identität und Partizipation.» Was denn ihre Motivation ist, dass sie so viel Energie in den Aufbau des Jugendtreffs steckt? «Es hat mir sehr wehgetan, wie viele Jugendliche aus Eritrea am Bahnhof herumhängen und da habe ich gedacht: Wäre es nicht schön, wenn man einen besseren Treffpunkt hätte? Wenn ich nicht anfange, wer dann?», erzählt sie gegenüber «Amnesty International».


 

«Für die Scheissflüchtlinge müssen wir zahlen»


Der 22-jährige Hamid Abdulahi hat eine beschwerliche Zeit hinter sich. Der Krieg war in seiner Heimat eine ständige Bedrohung. Er floh und kam als 16-Jähriger in die Schweiz. «Es habe Leute gegeben, die gesagt hätten: «Für die Scheissflüchtlinge müssen wir zahlen.» «Sie sehen unsere Probleme nicht.» Am Ende habe er nicht mehr gewusst, was er eigentlich wolle. So sprang Hamid Abdulahi von einer Brücke auf die Autobahn bei Wil», schreibt das «Tagblatt».

«Von da an ging es bergauf. Zu seinem Glück wurde Abdulahi nicht überfahren.» Noch in der Klinik verschaffte ihm ein couragierter Jurist eine bessere Unterkunft und bezahlte Abdulahi einen Deutschkurs. «Und er fand Arbeit in der Zimmerei Egli in Oberhelfenschwil. Inzwischen ist er im zweiten Jahr der vierjährigen Zimmermannslehre.»


 

«Alle Flüchtlinge sind faul!»


Mit 21 Jahren kam Aron Gebreleul als eritreischer Flüchtling 2008 in die Schweiz. «Acht Jahre später steht er vor dem Lehrabschluss als Elektroinstallateur. Eine Integrations-Erfolgsgeschichte.» Denn Aron hat das geschafft, wovon viele träumen: «Er kam mit dem Boot übers Mittelmeer, stellte erfolgreich einen Asylantrag in der Schweiz und fand eine Lehrstelle als Elektroinstallateur», berichtet die «Tageswoche».

«Der 32-jährige Mann aus Eritrea ist eine Ausnahme. Laut aktuellen Zahlen des Staatssekretariats für Migration findet nur jeder vierte anerkannte Flüchtling in der Schweiz einen Job – die meisten davon wohl im Niedriglohn-Sektor. Eine Lehrstelle oder Weiterbildung können die wenigsten machen. Gebreleul sagt, er habe sich richtig reingehängt, um eine Stelle zu finden. Er schrieb über 40 Bewerbungen, auch für Stellen, die nicht seinem Job-Profil entsprachen. Denn Gebreleul hat in Eritrea Geomatiker gelernt. Seine Ausbildung wird in der Schweiz nicht anerkannt. Ebenso wenig sein eritreischer Schulabschluss.»

Also musste Aron Gebreleul 2009 nach seinem positiven Asylentscheid erst einmal einen Schulabschluss nachholen. «Damit erhielt er den Abschluss einer Sekundarschule I und konnte sich für eine Lehrstelle bewerben. 2013 kam dann die Nachricht, über die er sich ungemein freute: Die Firma Etavis stellte ihn als Lehrling ein. Im Sommer 2017 konnte er seine Lehre als Elektroinstallateur beenden.»

Gebreleul ist dankbar, erlebte in der Schweiz aber auch Diskriminierung. Das gebe es aber überall auf der Welt, beschwichtigt der Eritreer. Was ihn mehr stört, ist, «dass vielmals den Flüchtlingen die Schuld daran gegeben wird, wenn sie keine Arbeit finden. Dabei sei das ein strukturelles Problem. «Ich kenne viele Eritreer, die über Jahre hinweg Arbeit suchen, aber nichts finden.» Es stimme nicht, dass Flüchtlinge faul seien und nur von der Sozialhilfe leben wollen. Der Staat müsse mehr tun, um diese Leute in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Denn ohne Hilfe sei es sehr schwierig, etwas zu finden.»


 

Flüchtlinge als Pflegehelfer


Mehrere hundert Flüchtlinge und Migranten haben im Rahmen des Projekts Sesam einen Pflegehelfer-Lehrgang absolviert und eine Stelle gefunden. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) ziehen eine positive Bilanz. «Seit Projektbeginn haben insgesamt 616 Personen an Sesam teilgenommen. Bei rund der Hälfte handelt es sich um anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene, drei Viertel sind Frauen. 444 Teilnehmende haben inzwischen den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. Bis zum Abschluss des Projekts Ende Jahr werden es mehr als 500 sein», schreibt die «Aargauer Zeitung».

Fast 90 Prozent fanden im Anschluss auch eine Stelle. «Von den übrigen befinden sich die meisten noch in der Ausbildung. Die Ausstiegsquote war laut Kopp dank der sorgfältigen Auswahl sehr tief. Rund ein Drittel der Interessierten wurde gar nicht erst zum Lehrgang zugelassen, in den meisten Fällen wegen fehlender Sprachkenntnisse.»

Aber entgegen der weitläufigen Meinung würden inländische Arbeitskräfte «durch die Ausbildung der Migranten und Flüchtlinge nicht verdrängt, betonen das SEM und das SRK. Der Bedarf an Betreuung nehme zu. Das Projekt trage dazu bei, das inländische Potenzial an Arbeitskräften besser auszuschöpfen statt Arbeitskräfte im Ausland zu holen.» Die berufliche Qualifikation in der Schweiz lebender Migrantinnen und Migranten zahle sich aus. «Das Projekt habe gezeigt, dass sich auch Personen aus dem Asylbereich integrieren liessen. Viele seien hoch motiviert, rasch für sich und ihre Familie aufkommen zu können.»


 

Aufpassen, dass Flüchtlinge ihn nicht erschiessen


«Die Flüchtlinge müssen einen Platz haben», sagt der Landwirt Markus Ramser aus dem Thurgau. «Seit einem Jahr vermitteln der Bauernverband und das Staatssekretariat für Migration Flüchtlinge als Arbeitskräfte an Bauernhöfe.» Ramser zieht eine überaus positive Bilanz. «Die Zusammenarbeit klappte derart gut, dass der 28-jährige eritreische Flüchtling dieses Jahr eine Lehre als Agrarpraktiker auf Ramsers Betrieb beginnt. Leute hätten ihn zwar gewarnt, er solle aufpassen, die Flüchtlinge würden ihn mal erschiessen, aber da habe er gar keine Angst. Besonders Eindruck macht Ramser, wie sich sein Mitarbeiter um ein Gartenbeet gekümmert hat, das er ihm zur Verfügung gestellt hat. Er pflege es auf seine Art, er mache es locker mit einem Stäbchen, sei sehr vorsichtig mit dem Wasser. «Wir schätzen das sehr», sagte Ramser – «und seine Pflanzen sind grösser als die meiner Mutter!» Eine bessere Werbung für das Pilotprojekt als die Erzählungen von Ramser gibt es kaum», berichtet die «Neue Zürcher Zeitung».


 

Mit dem grossen Flüchtlingsstrom


Der heute 22-Jährige Flüchtling Naqibullah Bek floh vor den Taliban und kam 2015 mit dem grossen Flüchtlingsstrom nach Europa. Er entschied sich gegen Deutschland und flüchtete von da eher zufällig in die Schweiz. «Bei der Otto Keller AG in Arbon beginnt Bek jetzt eine EBA-Ausbildung als Lüftungsbauer. Es gefällt ihm ausgezeichnet bei seinem Arbeitgeber. «Die Leute sind sehr freundlich.» Die Arbeit mache ihm Spass: «Wir montieren Kanäle und Rohre, Schalldämpfer, Geräte, Stromregler und Klimaanlagen»», zitiert ihn das «Tagblatt».


 

Leben in ständiger Angst


«Das wäre in ihrer Heimat nicht möglich gewesen: Tsering ist aus Tibet geflüchtet, denn sie hat sich politisch engagiert. Die Flucht verfolgt sie noch immer: Sie ist unsicher, spricht leise – hat Angst, zu viele Informationen preiszugeben», schreibt das «Tagblatt» über Tsering Per Chöden. «Ich wurde von der Peregrina-Stiftung unterstützt und habe so die Lehrstelle im Biosfair gefunden.» Nun sechs Jahre nach ihr Flucht aus Tibet hat sie ihre Lehre als Detailhandelsassistentin in der Schweiz bestanden. Der Lehrabschluss sei eine Erfolgsgeschichte für alle Beteiligten, sagt Chödens Betreuerin Regula Gähwiler von Biosfair.


 

Hassbotschaften und Lügen auf Facebook


Petar Mitrovic ist 11 Jahre alt, als er flüchten musste. «Mehrere Menschen aus meinem Quartier wurden umgebracht, unter anderem durch meinen Lehrer.» «In der Schweiz beginnt eine schwierige Zeit für ihn. Nach eineinhalb Jahren in Zürich wird die Familie in die Westschweiz geschickt. «Wir mussten wieder ganz von vorne anfangen, noch einmal eine andere Sprache lernen, und das alles in einer Asylunterkunft, die sich ganz abgelegen in einem Wald befand. Wir fühlten uns dort wirklich abseits der Gesellschaft», erinnert er sich», berichtet «Amnesty International».

«Die Bilder der Flüchtlinge, die 2015 den Balkan durchqueren, erinnern ihn an das Kind, das er selbst gewesen ist. Als sich seine Pinnwand auf Facebook mit Lügen und Hassbotschaften über diese Flüchtlinge füllt, beschliesst er, sich das Ganze selbst anzusehen «und die Gelegenheit zu nutzen, um brauchbare Dinge mitzunehmen». Sein Aufruf auf dem sozialen Netzwerk verbreitet sich wie ein Lauffeuer: In nur einer Nacht wird er über 700 Mal geteilt. Vier Monate später fährt Petar dann mit vier Lastwagen voll gespendeter Güter, 30‘000 Franken, einem Fotoapparat und einem kleinen Team von Freiwilligen zum ersten Mal wieder in seine Heimat.»


 

«Im nächsten Leben dein echter Sohn»


An Heiligabend betrat ein junger Mann aus Afghanistan ihre Wohnung. «Nach ein paar Stunden nannte er sie «Mama», drei Wochen später zog er bei ihr ein», erzählt die 57-jährige Karin Volken. «Der junge Moslem war Sohail Khan Ajab. Sohail ist 25 Jahre alt, trägt Dreitagebart und raucht selbstgedrehte Zigaretten», berichtet «Amnesty International».

«Sein altes Leben endete vor drei Jahren. Damals besuchten Islamisten sein Elternhaus in Afghanistan. Seine Mutter kochte für die Besucher gerade Tee, als die Männer ihre Messer zückten. Sie töteten Sohails Vater, seine fünf Schwestern und seine vier Brüder. Als Sohails Mutter mit dem Teetablett die Stube betrat, zündete die Bombe. Sohails Mutter überlebte – schwer verletzt.»

«Vor neun Monaten hat Sohail die NGO «Education for Integration» gegründet, um geflüchteten Menschen Deutsch beizubringen. Inzwischen sind es mehr als 40 freiwillige Helferinnen und Helfer, die er für sein Projekt gewinnen konnte. In Luzern, Basel und Zürich organisiert er Partys mit Live-Bands, DJs und afghanischem Essen. Mit den Eintrittsgeldern deckt er die Kosten.

«Es ist unglaublich, was er in den vergangenen Monaten aus seinem Leben gemacht hat», sagt Karin Volken. «Ich habe einmal zu ihm gesagt: Sohail, es hat einen Grund, warum du überlebt hast!» An Wiedergeburt glaubt Sohail Khan Ajab eigentlich nicht. Aber als er das erste Mal vor Karins buddhistischem Altar stand, sagte er zu ihr: «Mama, im nächsten Leben bin ich dann dein echter Sohn.»»


 

Die äthiopische Heidi


Mit zehn Jahren kommt Hewan Solomun Birak, «die äthiopische Heidi», in die Schweiz. Nachdem sie den Schulabschluss trotz der kürzlichen Geburt ihres Sohnes Leyan mühelos schaffte, begann Hewan eine Lehre als Zeichnerin EFZ mit Fachrichtung Ingenieurbau. «Mit 25 wird sie nun bald den ersehnten Abschluss erhalten.» Im Rückblick sagt sie: «Die Wertschätzung, die man mir entgegenbrachte, war Balsam für meine wunde Seele.»

Die sozioökonomische Ungleichheit in Äthiopien sei riesig, sagt Hewan. «Und man dürfe nicht vergessen, dass die Regierung und die Krisen ihre gesamte Familie zum Auswandern gedrängt haben. «Für mich ist Äthiopien die Quelle. Ich trauere dem Leben dort noch immer nach, auch wenn es mir schwerfallen würde, dorthin zurückzukehren», meint sie. Und die Schweiz? «Die Schweiz ist ein Baum. Wir, die wir hier Zuflucht gesucht haben, müssen ihn giessen und pflegen, damit er wächst und sein Schatten für alle einladend bleibt», erklärt sie, während ein Lächeln über ihr sanftes Gesicht huscht.»


 

Flüchtlinge im Altersheim


«Eden Afewerki drückt an zwei Tagen die Schulbank und arbeitet drei Tage im Altersheim Neustadt in Zug. «In Eritrea haben wir keine Altersheime», sagt die 23-Jährige. «Wenn jemand zu alt und zu gebrechlich ist, um allein zu leben, zieht er zu seinen Kindern.» Als sie hörte, dass sie ein Praktikum im Altersheim machen konnte, musste sie erst mal fragen, was das ist.

Das Praktikum lief so gut, dass sie 2018 am gleichen Ort eine normale Lehre anfangen kann. Bis dann nutzt sie die Integrationsvorlehre, um den gleichen Anforderungen genügen zu können wie ihre Schweizer Kolleginnen», berichtet der «Beobachter». «Die Bewohner sind so freundlich! Manchmal sind die Gespräche so spannend, dass ich meine Pausen vergesse», erklärt die junge Eritreerin Eden Afewerki begeistert.

«Für die Lehre müssen die Flüchtlinge eine enorme Anpassungsleistung erbringen», veranschaulicht die schulische Koordinatorin Bernadette Ammann. «Es ist, wie wenn Schweizer nach China oder Saudi-Arabien gingen, um dort eine Lehre zu beginnen. Mit einer ganz anderen Schrift und einer komplett anderen Art, Prüfungen zu schreiben und Erfolg zu messen.»»


 

Berufliche Grundbildung mit Support für Flüchtlinge – eine Erfolgsgeschichte


«Wir freuen uns sehr und sind auch stolz, dass dieses Jahr elf Teilnehmende die Lehre erfolgreich abgeschlossen haben – einige sogar mit einem Notendurchschnitt über 5.0!», berichtet der Verein Fernwerk. «Zu einer erfolgreichen Integration in die Gesellschaft gehört auch die Integration in die Berufswelt.»


 

Mehr Empathie!

So viele Vorurteile tagtäglich.

Dabei steckt hinter jedem einzelnen Menschen - ob nun Obdachloser, Flüchtling, Ausländer, Mitbürger oder sonst was - seine ganz eigene komplexe Geschichte.

Niemand ist bloss eine nackte Zahl wie uns manche mit eigenen Statistiken weiszumachen versuchen ("95% der Ausländer..." "85% aller Flüchtlinge..." etc.).

Wir plädieren für mehr Empathie! Liebe Mitbürger.

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(Last updated: 22.07.2019, 09:57)

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