SVP will Franchisen +67% erhöhen


Patienten sollen in der Schweiz massiv stärker für die Gesundheitskosten aufkommen. Deshalb sollen die Franchisen massiv steigen - auf Druck der SVP. Um bis zu +67% und zwar so rasch als möglich.

Krankenkasse Arzt Gesundheit

Der Nationalrat hat der Forderung des Bundesrates zur gestaffelten Franchisenerhöhung mit 133 zu 53 Stimmen zugestimmt. Franchisen und Bruttokosten zu Lasten der Grundversicherung sollen im Verhältnis 1:12 gehalten werden. Sobald die Kosten einen bestimmten Grenzwert erreichen (13-mal höher als die ordentliche Franchise), sollen die Franchisen in 50-Franken-Schritten steigen. Laut «srf» könnte das beim jetzigen Kostenwachstum alle drei bis fünf Jahre der Fall sein.


Doch noch in dieser Winter-Session wird auch über eine Motion von SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner zur (so rasch wie möglichen) Anhebung der Minimal-Franchise von 300 auf 500 Franken entschieden. Das entspricht einem Anstieg von 66,67 Prozent.
 

Eingereichte Motion 16.4044: «Der Bundesrat wird beauftragt, die ordentliche Franchise gemäss Verordnung über die Krankenversicherung auf 500 Franken festzusetzen.»

«Eine höhere Kostenbeteiligung schafft erwiesenermassen positive Anreize für kostenbewusstes Verhalten und senkt gleichzeitig die Prämienbelastung aller Versicherten», so Giezendanner.

Die Mitunterzeichner der Forderung nach einer 67%-hohen Franchise-Erhöhung lesen sich wie das Who is Who der SVP:

Parlamentarier Partei
Addor Jean-Luc SVP-Nationalrat
Aebi Andreas SVP-Nationalrat
Aeschi Thomas SVP-Nationalrat
Amaudruz Céline SVP-Nationalrätin
Amstutz Adrian SVP-Nationalrat
Arnold Beat SVP-Nationalrat
Bigler Hans-Ulrich FDP-Nationalrat
Brand Heinz SVP-Nationalrat
Brunner Toni SVP-Nationalrat
Buffat Michaël SVP-Nationalrat
Burgherr Thomas SVP-Nationalrat
Burkart Thierry FDP-Nationalrat
Bäumle Martin GLP-Nationalrat
Büchel Roland Rino SVP-Nationalrat
Bühler Manfred SVP-Nationalrat
Cassis Ignazio FDP-Bundesrat
Chiesa Marco SVP-Nationalrat
Clottu Raymond SVP-Nationalrat
De Courten Thomas SVP-Nationalrat
Dettling Marcel SVP-Nationalrat
Eichenberger-Walther Corina FDP-Nationalrätin
Estermann Yvette SVP-Nationalrätin
Flach Beat GLP-Nationalrat
Flückiger-Bäni Sylvia SVP-Nationalrätin
Frehner Sebastian SVP-Nationalrat
Geissbühler Andrea Martina SVP-Nationalrätin
Glarner Andreas SVP-Nationalrat
Glauser-Zufferey Alice SVP-Nationalrätin
Golay Roger SVP-Nationalrat
Grin Jean-Pierre SVP-Nationalrat
Grossen Jürg GLP-Nationalrat
Grunder Hans BDP-Nationalrat
Grüter Franz SVP-Nationalrat
Guhl Bernhard BDP-Nationalrat
Gössi Petra FDP-Nationalrätin
Hausammann Markus SVP-Nationalrat
Heer Alfred SVP-Nationalrat
Herzog Verena SVP-Nationalrätin
Hess Erich SVP-Nationalrat
Hess Lorenz BDP-Nationalrat
Humbel Ruth CVP-Nationalrätin
Hurter Thomas SVP-Nationalrat
Imark Christian SVP-Nationalrat
Jauslin Matthias Samuel FDP-Nationalrat
Keller Peter SVP-Nationalrat
Keller-Inhelder Barbara SVP-Nationalrätin
Knecht Hansjörg SVP-Nationalrat
Köppel Roger SVP-Nationalrat
Matter Thomas SVP-Nationalrat
Moret Isabelle FDP-Nationalrätin
Müller Thomas SVP-Nationalrat
Müller Walter FDP-Nationalrat
Müri Felix SVP-Nationalrat
Nicolet Jacques SVP-Nationalrat
Pantani Roberta Lega-Nationalrätin
Pezzatti Bruno FDP-Nationalrat
Pieren Nadja SVP-Nationalrätin
Portmann Hans-Peter FDP-Nationalrat
Quadri Lorenzo Lega-Nationalrat
Reimann Lukas SVP-Nationalrat
Reimann Maximilian SVP-Nationalrat
Rickli Natalie SVP-Nationalrätin
Rime Jean-François SVP-Nationalrat
Ruppen Franz SVP-Nationalrat
Rösti Albert SVP-Nationalrat
Schwander Pirmin SVP-Nationalrat
Sollberger Sandra SVP-Nationalrätin
Stamm Luzi SVP-Nationalrat
Steinemann Barbara SVP-Nationalrätin
Tuena Mauro SVP-Nationalrat
Vitali Albert FDP-Nationalrat
Vogt Hans-Ueli SVP-Nationalrat
Von Siebenthal Erich SVP-Nationalrat
Walter Hansjörg SVP-Nationalrat
Walti Beat FDP-Nationalrat
Wasserfallen Christian FDP-Nationalrat
Weibel Thomas GLP-Nationalrat
Wobmann Walter SVP-Nationalrat
Zanetti Claudio SVP-Nationalrat

Doch nicht nur die ordentliche Minimal-Franchise von 300 Fr. (tiefste Wahlfranchise) soll steigen. Ausserdem möchte der Nationalrat zusätzlich das sogenannte „Franchise-Hüpfen“ unterbinden. Denn wer krank wird, kann in der Schweiz für das folgende Prämien-Jahr einfach zu einer tieferen Franchise wechseln - und muss sich so weniger an den Gesundheitskosten beteiligen als bei der höheren Franchise. Das soll künftig nicht mehr erlaubt sein. Wenn es nach der rechten Ratsmehrheit von SVP und FDP im Nationalrat geht, soll für jene Versicherten mit hoher Franchise eine dreijährige Wechsel-Sperrfrist zu einer tieferen Franchise gelten.

Die Linke und die Grünen kritisieren, dass diese unsozialen Verschärfungen vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke treffen. SP-Nationalrätin Barbara Gysi warnt bei einer Erhöhung der Franchisen vor Kostenverlagerungen zur Sozialhilfe und zu den Ergänzungsleistungen (EL). Ausserdem würde eine höhere Franchise dazu führen, dass die Leute zuwarten, um zum Arzt zu gehen, weil sie sich die Arztbehandlung nicht leisten könnten. In der Folge würden die Krankheiten dann schlimmer und chronisch werden.

Weiterführende Informationen:
Krankenversicherung. Franchise auf 500 Franken festsetzen (Motion Parlament.ch)
Wegen hohen Gesundheitskosten – Nationalrat will Minimal-Franchise erhöhen (SRF)

Vielleicht interessiert Dich auch:


Lokal. Regional. National. CH - www.ConvivaPlus.ch Autor: Schweiz - Redaktion

Die Schweiz kompakt - ConvivaPlus.ch
Lokales, regionales und nationales Wissen.

 

(Last updated: 28.11.2018, 17:32)