Irrwitzige Hitzewellen mitten im Winter – in Westeuropa!


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Vergessener Winter: Westeuropa erlebt historische Wärmerekorde. Warum Deutschland und Frankreich im Februar fast Frühlings- und Sommer-Temperaturen erleben und es in Marokko heisser ist, als im Juli und August. Sind wir Zeugen eines Klimawandels in Echtzeit?

Während der Kalender noch tiefen Winter verspricht, flüstert das Thermometer bereits von Frühling und Sommer. Sowohl Deutschland wie auch Frankreich erleben einen Februar, der Geschichte schreibt – mit Temperaturen, die alles bisher Gekannte in den Schatten stellen. Im nahegelegenen Marokko liegen die Temperaturen gar über dem Höchsttemperaturmittel für Juli und August. Doch was steckt hinter dieser Wetterkapriole, die uns die Winterjacken in den Schrank verbannen lässt?

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Ein Februar wie kein anderer
In Frankreich Sommer, in Deutschland Frühling



Von Schnee keine Spur. Frostige Tage weichen milden Temperaturen, die eher an einen vorgezogenen Frühling oder gar Sommer erinnern. In Deutschland und in vielen anderen Ländern ist es aktuell der bis jetzt wärmste Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

In Frankreich, speziell im Departement Pyrénées-Atlantiques – eigentlich als Skigebiet bekannt – klettern die Thermometer gar auf sommerliche 25 Grad Celsius – mitten im Februar. Ein Phänomen, das Wetter-Experte Jörg Kachelmann als «Sommermorgen im Südwesten Frankreichs» beschreibt.

Im Süden Deutschlands werden Ende der Woche immerhin 17 Grad erwartet, in Berlin gab es am Freitag Temperaturen von 16 Grad. Der Frühling scheint so früh dran wie noch nie. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) schlug am Mittwoch Alarm, indem er betonte, dass, obwohl erst die Hälfte des Februars vergangen ist, die momentane Abweichung der Temperaturen um rund 6 Grad vom langjährigen Klimamittel bereits jetzt alarmierende Ausmasse annimmt. Zur Einordnung: Die bisherigen Rekordhalter unter den wärmsten Februarmonaten, nämlich die Jahre 1990 und 2020, verzeichneten am Monatsende eine Temperaturabweichung zwischen 5 und 5,5 Grad.

 

 

Temperatur-Rekorde in Marokko
5-10 Grad über der durchschnittlichen Höchsttemperatur – für Juli und August



Klimawandel Hitzewelle Thermometer

Während in Westeuropa Frühlings- bis Sommertemperaturen vorherrschen, knackt Nordafrika einen besorgniserregenden Thermometer-Rekord nach dem anderen. In Marokko spielt das Wetter aktuell verrückt. In Tan-Tan, im Süden Marokkos, ist am Mittwoch mit 36,6 Grad ein neuer nationaler Monatsrekord aufgestellt worden. Auch in Casablanca brütete am selben Tag mit 34,8 Grad die Hitze. «Das sind 5 bis 10 Grad über der durchschnittlichen Höchsttemperatur für Juli und August», warnt Kachelmann. Temperaturen, die normalerweise dem Hochsommer vorbehalten sind. «Einfach nur irre, die Temperaturen in Marokko für einen Februartag», schreibt der Wetterexperte auf X.

 

 

Die Klima-Zahlen Sprechen Bände
Ein alarmierend beschleunigter Klimawandel



Die statistischen Daten untermauern das ungewöhnliche Wettergeschehen. Die Hitlisten der Wetteraufzeichnungen seit 1881 zeigen, dass die wärmsten Monate und Jahreszeiten zunehmend in unsere jüngste Vergangenheit fallen. Die wärmsten Frühlinge, Sommer, Herbstzeiten und Winter sind alle seit 2000 verzeichnet worden, was einen klaren Trend zur Erwärmung aufzeigt.

Global betrachtet, bestätigt der EU-Klimawandeldienst Copernicus, dass 2023 das heisseste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war. Mit globalen Durchschnittstemperaturen, die 1,46 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen, wird der dringende Appell zur Reduzierung von Treibhausgasen laut. Eine Reduktion um 43 Prozent bis 2030 ist nötig, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Ohne entsprechende Gegenmassnahmen ist mit einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie Hitzewellen, Trockenperioden und heftigen Niederschlägen zu rechnen.

Diese Wetterphänomene sind nicht nur faszinierende Ausreisser, sondern auch alarmierende Indikatoren für den Klimawandel. Die rapide Erwärmung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass wir in einer Zeit des Wandels leben. Die Methoden zur Erfassung des Klimas über Jahrtausende hinweg, wie Dendrochronologie und Eisbohrkerne, legen nahe, dass der aktuelle Anstieg der Temperaturen beispiellos ist.

Das aktuelle Wettergeschehen in Deutschland und Westeuropa ist mehr als nur eine vorübergehende Anomalie. Es ist ein Weckruf, der uns vor Augen führt, wie real und unmittelbar der Klimawandel ist. Während wir die milden Tage genießen, sollten wir auch die Verantwortung nicht aus den Augen verlieren, die wir für unseren Planeten tragen. Die jüngsten Temperaturrekorde sind eine klare Botschaft: Der Klimawandel wartet nicht. Es ist an der Zeit, zu handeln.

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Autor: INFO Schweiz - Redaktion

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(Last updated: 17.02.2024, 17:12)