Erbvorbezug in der Schweiz 2026: Muster-Vorlage, Ausgleichungs-Rechner & neues Erbrecht

Ein Erbvorbezug an die eigenen Kinder bleibt in 23 von 26 Kantonen steuerfrei, doch die teuerste Falle des Schweizer Erbrechts ist nicht die Steuer, sondern die Ausgleichung (ZGB Art. 626): Wer sie nicht aktiv regelt, sät beim Tod Streit unter den Geschwistern. Wir zeigen dir, wann ein Vorbezug ausgeglichen werden muss, wie der Pflichtteil seit 2023 funktioniert, und generieren dir die rechtssichere Vertrags-Vorlage in 30 Sekunden.

Das Wichtigste in Kürze
Ein Erbvorbezug ist eine Schenkung zu Lebzeiten an einen Erben, meist ein Kind. Nach ZGB Art. 626 ist er ausgleichungspflichtig: Beim Tod wird er zum Nachlass hinzugerechnet, massgebend ist der Wert zum Todeszeitpunkt (ZGB Art. 630). Der Erblasser kann davon befreien, solange der Pflichtteil (seit 2023 die Hälfte) gewahrt bleibt.
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Erbvorbezug-Vertrag als Muster-Vorlage mit Taschenrechner, Schweizer Franken und ZGB-Gesetzbuch auf dem Tisch, Symbol für Ausgleichung, Pflichtteil und Schenkung zu Lebzeiten
Art. 626
Ausgleichungspflicht
ZGB, Nachkommen
½
Pflichtteil Nachkommen
seit 2023 (vorher ¾)
Wert bei Tod
So wird gerechnet
ZGB Art. 630
kantonal
Schenkungssteuer
Nachkommen meist 0

🗺️ Erbschaftssteuer für direkte Nachkommen, nach Kanton

steuerfrei3.5 %

Quelle: Erbschaftssteuer für direkte Nachkommen, Kantone, Stand 2025. Quelle: ESTV · ConvivaPlus-Auswertung. AI/NE besteuern Nachkommen, VD ab Freibetrag; übrige steuerfrei.

📋 Was ein Erbvorbezug wirklich ist (und wo er sich von der Schenkung unterscheidet)

Ein Erbvorbezug ist ein Vorschuss auf das spätere Erbe. Du überträgst einem gesetzlichen Erben schon zu Lebzeiten Geld, ein Grundstück oder Wertgegenstände, unentgeltlich und auf Anrechnung an seinen künftigen Erbteil. Juristisch ist das eine besondere Form der Schenkung an eine Person, die ohnehin erben würde, also typischerweise an die eigenen Kinder.

Der feine, aber teure Unterschied zur gewöhnlichen Schenkung liegt in der Ausgleichung. Ein Erbvorbezug an Nachkommen ist von Gesetzes wegen ausgleichungspflichtig (ZGB Art. 626 Abs. 2). Eine reine Schenkung an eine aussenstehende Person ist es grundsätzlich nicht. Beides kann aber später herabgesetzt werden, wenn der Pflichtteil der übrigen Erben verletzt wird. Wer die kantonalen Steuerunterschiede mitdenkt, findet die Spreizung im Kantons-Vergleich.

Erbvorbezug vs. Schenkung
Erbvorbezug
An Erben, auf Anrechnung, ausgleichungspflichtig (ZGB 626)
Schenkung
Auch an Dritte, grundsätzlich ohne Ausgleichung
Beide
Herabsetzbar, wenn Pflichtteil verletzt wird
Form
Bargeld formfrei, Grundstück braucht öffentliche Beurkundung

⚖️ Die Ausgleichung: der Punkt, an dem Familien zerbrechen

Stell dir vor, ein Kind bekommt 100'000 Franken als Vorbezug, das andere nichts. Stirbt der Elternteil, fühlt sich das leer ausgegangene Kind benachteiligt. Genau dafür gibt es die Ausgleichung. Nach ZGB Art. 626 wird der Vorbezug beim Erbgang rechnerisch wieder zum Nachlass gezählt und dann gleichmässig verteilt. Das bevorzugte Kind muss sich den Vorbezug an seinen Erbteil anrechnen lassen. Massgebend ist dabei der Wert zum Todeszeitpunkt (ZGB Art. 630), nicht der Betrag von damals. Bei einem Grundstück, das stark an Wert gewonnen hat, zählt also der heutige Verkehrswert.

Einordnung
Der eine Satz, der alles entscheidet: Willst du ein Kind bewusst bevorzugen, musst du die Ausgleichung im Vertrag ausdrücklich wegbedingen (befreien). Ohne diesen Satz gleicht das Kind den Vorbezug beim Tod aus, auch wenn du es nie so gemeint hast. Umgekehrt schützt der Satz nicht grenzenlos: Verletzt die Bevorzugung den Pflichtteil der Geschwister, können diese den überschiessenden Teil per Herabsetzungsklage zurückholen.

🧮 ConvivaPlus Ausgleichungs-Rechner: Wer bekommt am Ende wie viel?

Nachlass, Vorbezug und Anzahl Nachkommen eingeben, wir rechnen die Teilungsmasse und die Quoten

Vereinfachtes ConvivaPlus-Modell für gleichberechtigte Nachkommen, ohne Ehegattenanteil und ohne Befreiung von der Ausgleichung. Massgebend ist der Wert zum Todeszeitpunkt (ZGB Art. 630). Ohne Gewähr.

🛡️ Pflichtteil: was die Reform 2023 verändert hat

Seit dem 1. Januar 2023 gilt ein moderneres Erbrecht, und das gibt dir beim Erbvorbezug mehr Spielraum. Der Pflichtteil der Nachkommen sank von drei Vierteln auf die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs. Der Pflichtteil der Eltern wurde ganz abgeschafft. Dadurch kannst du heute über einen grösseren, frei verfügbaren Teil deines Vermögens bestimmen und ein Kind oder eine andere Person stärker begünstigen, ohne sofort einen Pflichtteil zu verletzen.

WerBisherSeit 1.1.2023
Nachkommen¾ des Erbanspruchs½ des Erbanspruchs
Ehegatte / eingetr. Partner½ des Erbanspruchs½ (unverändert)
Eltern½ des Erbanspruchskein Pflichtteil mehr
Frei verfügbare Quotekleinermindestens die Hälfte

💰 Was der Erbvorbezug steuerlich kostet (und warum der Kanton entscheidet)

Eine gute Nachricht zuerst: Der Bund erhebt keine Schenkungssteuer, zuständig sind allein die Kantone. Und jetzt die Zahl, die kaum jemand kennt: Laut ConvivaPlus-Auswertung der ESTV-Daten (Stand 1.1.2025) ist ein Erbvorbezug an die eigenen Kinder in 23 von 26 Kantonen komplett steuerfrei. Nur Appenzell Innerrhoden, Neuenburg und die Waadt greifen bei direkten Nachkommen überhaupt zu, und selbst dort mit tiefen Sätzen (rund 1 bis 3,5 %) oder hohem Freibetrag. Wer in Obwalden oder Schwyz wohnt, zahlt sogar gar keine Erbschaftssteuer, für niemanden. Zwei Stolpersteine bleiben trotzdem: Eine kommunale Erbschaftssteuer obendrauf kennen Freiburg, Graubünden und die Waadt. Und steuerlich ist der Erbvorbezug eine Schenkung, wer also kurz vor dem Tod grosszügig wird, entkommt dem Fiskus nicht: Mehrere Kantone rechnen Schenkungen der letzten fünf Jahre wieder zur Erbschaft. Wie stark sich die Kantone steuerlich generell unterscheiden, zeigt unser 26-Kantone-Steuervergleich.

Einordnung
Der Wohnsitz-Hebel: Massgebend ist in der Regel der Wohnsitz des Schenkers, bei Grundstücken der Ort der Liegenschaft. Ein Umzug oder die Wahl, welche Liegenschaft zuerst übertragen wird, kann die Steuerrechnung spürbar verändern. Und ein Punkt, der oft vergessen geht: Die Steuerfreiheit gilt nur für die eigenen Kinder. Bei Geschwistern liegen die Sätze grob zwischen 4 und 25 %, bei nicht verwandten Begünstigten (auch im Konkubinat) klettern sie je nach Kanton bis gegen 50 % (Basel-Stadt rund 49,5 %). Kläre die konkreten Sätze und Freibeträge immer mit deiner kantonalen Steuerverwaltung ab, bevor du den Vertrag unterschreibst.

Der ConvivaPlus-Ausgleichungs-Rechner zeigt dir, was beim Erbvorbezug später angerechnet wird (ZGB Art. 626/630), und unsere Auswertung der ESTV-Erbschaftssteuer-Daten zeigt pro Kanton, was steuerfrei bleibt, laut ConvivaPlus.

Wer einen Erbvorbezug plant, schaut sich auch die AHV- und Altersvorsorge an, prüft die Kapitalbezugssteuer auf Vorsorgegeldern und klärt, wie eine Lebensversicherung im Nachlass behandelt wird.

📝 Erbvorbezug richtig aufsetzen in 5 Schritten

Fünf Schritte, und der Vorbezug steht rechtssicher, ohne späteren Streit und ohne böse Steuerüberraschung.

  1. 1
    Vermögen und Pflichtteile prüfenVerschaff dir einen Überblick über dein Vermögen und rechne die Pflichtteile der Erben aus. So weisst du, wie viel du frei verschenken kannst, ohne jemanden zu verletzen.
  2. 2
    Ausgleichung bewusst entscheidenLege fest, ob der Vorbezug später ausgeglichen wird (Gleichbehandlung) oder ob du das Kind bewusst bevorzugst. Eine Bevorzugung gehört ausdrücklich in den Vertrag.
  3. 3
    Vertrag aufsetzenHalte Parteien, Betrag oder Gegenstand, Datum und die Ausgleichungs-Klausel schriftlich fest. Den Entwurf erstellt dir der Generator unten in 30 Sekunden.
  4. 4
    Form beachtenBei Bargeld genügt die schriftliche Vereinbarung. Bei einem Grundstück braucht es zwingend die öffentliche Beurkundung beim Notar und einen Eintrag im Grundbuch.
  5. 5
    Steuern und Sozialleistungen klärenFrag bei der kantonalen Steuerverwaltung nach. Denk auch an Ergänzungsleistungen: Wer Vermögen verschenkt, dem wird es bei einer späteren EL-Berechnung als Verzicht angerechnet.

Hinweis: journalistische Orientierungshilfe auf Basis des ZGB, keine Rechts- oder Steuerberatung. Massgebend sind dein Kanton, deine konkreten Familienverhältnisse und im Zweifel Notariat oder Fachanwalt. Steuersätze und Freibeträge variieren stark nach Kanton.

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Ausfüllen, fertige Vereinbarung erhalten. Kopieren oder als PDF. Kostenlos.

Ausgleichung

Vereinbarung über einen Erbvorbezug

Schenker (Name, Adresse):

Empfänger (Name):

Betrag oder Gegenstand:

Zwischen den Parteien wird folgende Vereinbarung getroffen:

Der Schenker richtet dem Empfänger den oben genannten Erbvorbezug aus. Der Vorbezug erfolgt auf Anrechnung an den künftigen Erbteil des Empfängers und ist gemäss ZGB Art. 626 zur Ausgleichung zu bringen. Massgebend für die Ausgleichung ist der Wert zum Zeitpunkt des Erbgangs (ZGB Art. 630).

Beide Parteien bestätigen mit ihrer Unterschrift, diese Vereinbarung gelesen und verstanden zu haben. Bei Grundstücken ist eine öffentliche Beurkundung erforderlich.

Ort, 23.6.2026

Ort, Datum und Unterschriften beider Parteien

Vorlage ohne Gewähr, als Orientierung gedacht. Bei Grundstücken und grösseren Vermögen unbedingt Notariat oder Fachanwalt beiziehen.

Der teuerste Satz im Erbrecht ist der, den niemand aufgeschrieben hat. Wer die Ausgleichung nicht regelt, überlässt die Entscheidung dem Streit unter den Hinterbliebenen.

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Was du vor dem Erbvorbezug wirklich wissen musst

Auf Basis des ZGB und der offiziellen Steuerinformationen der ESTV

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🏆 Das ConvivaPlus-Verdikt

Wir haben das revidierte ZGB, die Praxis zur Ausgleichung und die kantonalen Steuerregeln durchgesehen. Das ConvivaPlus-Verdikt: Der grösste Fehler ist nicht der Erbvorbezug selbst, sondern das Schweigen darüber. Wer nicht ausdrücklich festhält, ob der Vorbezug ausgeglichen wird oder nicht, produziert beim Tod genau den Streit, den er vermeiden wollte. Schreib die Ausgleichung in einen Satz, prüfe die Pflichtteile, und klär die Steuer mit deinem Kanton, bevor du unterschreibst. Bei Grundstücken führt kein Weg am Notar vorbei.

Redaktion ConvivaPlus

Vorlagen

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Letzte Aktualisierung:

Quellen & Methodik
Stand: 16. Juni 2026
01
ZGB, Schweizerisches Zivilgesetzbuch (Fedlex)Art. 626 (Ausgleichung), Art. 630 (Wert), Art. 470/471 (Pflichtteil)
02
ESTV, Erbschafts- und SchenkungssteuernKantonale Schenkungssteuer, Übersicht
03
ch.ch, Schenken und erbenBehörden-Ratgeber Bund & Kantone

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💡Wusstest du?

Ein Erbvorbezug an ein Kind wird beim Tod zum Nachlass dazugerechnet und auf dessen Erbteil angerechnet (ZGB Art. 626). Wer ein Kind wirklich bevorzugen will, muss die Ausgleichung im Vertrag mit einem Satz wegbedingen.

Quelle: ZGB

Diskussion

5 Stimmen aus der Community

A
Andreaaus Lausanne

Bei uns im Waadtland zahlt man eben doch, plus die kommunale Steuer. Einer der wenigen Artikel, der das ehrlich sagt statt pauschal «alles steuerfrei». Danke dafür.

R
Retoaus Stans

Das mit Obwalden und Schwyz wussten bei uns im Geschäft nicht mal d Treuhänder. Gar kei Erbschaftssteuer, das isch scho es Argument fürs Wohne i de Innerschwiz. 😄

M
Marlèneaus Sitten

Wichtiger Hinweis mit den Kantonen. Bei uns in der Romandie ist das nämlich nicht überall steuerfrei, anders als die meisten denken. Vorher beim Kanton nachfragen lohnt sich wirklich.

C
Célineaus Freiburg

Han nöd gwüsst, dass de Wert vom Todestag zellt und nöd vo demals. Bim Grundstück macht das en Riise-Unterschied. Merci für d Erklärig, ändlich verständlich.

H
Heinzaus Aarau

Genau diese Klausel hat bei uns gefehlt. Mein Bruder hatte vor Jahren einen Vorbezug fürs Haus, und plötzlich stritten wir am Küchentisch. Hätten wir das damals so aufgeschrieben, wäre vieles ruhiger gewesen.

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Vorlagen · 22.06.2026