Corona-Lockdown für Ungeimpfte: Hier gibt es bald Extra-Regeln mit harter Kontaktbeschränkung für Impfverweigerer

Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen erneut stark an. Weil aktuell hauptsächlich Ungeimpfte die Intensivstationen der Spitäler beanspruchen, will ein Bundesland mit 11 Millionen Einwohnern an der Grenze zur Schweiz Extra-Regeln für Impfverweigerer aufstellen. Für Ungeimpfte wird geplant, einen Quasi-Lockdown mit harter Kontaktbeschränkung zu verhängen.

 

 

Es droht ein Lockdown
für Ungeimpfte

Corona Lockdown Mann mit Maske schaut aus dem Fenster

Die baden-württembergische Landesregierung plant strenge Regeln für Ungeimpfte einzuführen. Sollten die Corona-Infektionszahlen weiter steigen, dann sollen die Freiheiten von Nicht-Geimpften massiv eingeschränkt werden. Das heisst, bei vollen Intensivstationen will Baden-Württemberg nicht nur die 2G-Regel durchsetzen (nur noch Geimpfte und Genesene dürfen in Restaurants, Fitnessstudios etc. besuchen). Das Bundesland will auch harte Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte einführen: «Nur zwei Familien.»


Lockdown für Ungeimpfte:

«Wenn 200 bis 250 Intensivbetten belegt sind, erwägen wir, erste Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene zu erlassen»,
wird der Amtschef des Sozialministeriums, Uwe Lahl zitiert.


Das könnte - mit Blick auf die Reiserückkehrer aus dem Ausland - schon in wenigen Tagen der Fall sein. Den Behörden zufolge zählt das Bundesland insgesamt 102 Covid-Patienten auf den Intensivstationen (Stand: 27.08.2021). Das Landesgesundheitsamt schätzt, dass diese Grenzwerte von 200 bis 250 Intensivbetten bereits Ende nächster Woche überschritten werden könnten.

Bei einem weiteren Anstieg der Intensivpatienten soll ausserdem gleich noch die 2G-Regel eingeführt werden. «Wenn die Zahl von 300 Intensivbetten überschritten ist, könnten wir, so unsere Überlegungen, für einige Zeit 2G für Ungeimpfte einführen. Das würde bedeuten, dass nur noch Geimpfte oder Genesene ins Restaurant oder ins Konzert dürfen», zitiert ihn «inFranken.de». Ungeimpfte hätten demnach dann keinen Zutritt mehr. Schwangere Frauen sollen von den strengeren Regelungen hingegen ausgenommen sein.


«Wenn es auf die Intensivstationen durchschlägt, muss man handeln. Es wäre falsch, dann alle in Mithaftung zu nehmen, auch die Geimpften – deshalb wird es für Ungeimpfte andere Regeln geben als für Geimpfte.»
(Dr. Uwe Lahl, Amtschef des Sozialministeriums)

Auch der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) kritisierte im Radiosender SWR diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen. Jeder, der sich nicht impfen lasse, gefährde die gesamtmedizinische Versorgung, so Lucha laut dem «Schwarzwälder Boten». Wegen Überlastung des Personals könnten Herzinfarkte oder Schlaganfälle dann unter Umständen nicht mehr behandelt werden. «Wir haben es aufgebraucht, wir haben es „verbrannt“, um es mal drastisch zu sagen, nur weil manche zu bequem sind, zum Impfen zu gehen

Abhängig von der weiteren Entwicklung der Hospitalisierungrate könnte die neue Verordnung bereits ab Mitte des Monats September in Kraft treten. Das zumindest berichtet der SWR mit Berufung auf Aussagen aus dem baden-württembergischen Sozialministerium.

 

Ausnahme
von der Regel
:

Für Menschen ohne Impfempfehlung (z.B. Kinder oder aus medizinischen Gründen) soll es hingegen eine Ausnahmeregelung geben. Jene, die sich nicht impfen lassen sollten/dürfen, sollen nicht vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Der Pressesprecher des Sozialministeriums, Markus Jox, bestätigt den Sachverhalt gegenüber dem «Schwarzwälder Boten», und dass die entsprechende Verordnung gerade erst erarbeitet werde. «Sie können aber davon ausgehen, dass es für alle Personen ohne Impfempfehlung (z.B. kleine Kinder) eine Ausnahmeregelung geben wird, wenn 2G gilt. Gerade, um sie zu schützen, diskutieren wir ja gerade die Beschränkungen und rufen wir alle anderen Menschen zum Impfen auf.»

 

 

Bald auch in
Bayern und Hamburg?

Der CSU-Gesundheitsminister Bayerns, Klaus Holetschek, ist gemäss Bild am Sonntag von der Idee Baden-Württembergs angetan: «Natürlich müssen wir jetzt schon über künftige Massnahmen nachdenken wie etwa Kontaktbeschränkungen, die dann in Kraft treten müssen, um das Gesundheitssystem zu schützen. Klar ist aber, dass Geimpfte und Genesene ihre Freiheitsrechte zurückerhalten müssen.»

Entsprechend geht es vorwärts. CSU-Ministerpräsident Markus Söder plant in Bayern Medienberichten zufolge schon nächste Woche per neuer Verordnung ein Corona-Ampelsystem zu lancieren, dessen Warnstufen sich nach der Auslastung der Spitäler und Anzahl Corona-Erkrankungen mit Long-Covid-Folgen richtet. Die Warnstufe rot (höchste Stufe) beispielsweise orientiert sich an der Anzahl belegter Corona-Intensivbetten in den Spitälern.

Unterdessen kennt auch der Stadtstaat Hamburg eine freiwillige 2G-Regelung für Restaurants, Bars, Theater und Kinos. Alle Betreiber, die in Hamburg an der 2G-Regel teilnehmen, geniessen mehr Freiheiten und können zum Beispiel im Innenbereich auf die Abstandspflicht, auf Sitzplatzgebote und auf das Tanzverbot für die Besucher verzichten.

 

 

Kritik am Quasi-Lockdown
für Ungeimpfte

Anderer Meinung ist der deutsche Bundesragsabgeordnete und bekannte Epidemiologe Karl Lauterbach. Er hält die Pläne aus Baden-Württemberg für überzogen. Zwar geht er einig, dass man Corona-Massnahmen für Ungeimpfte ergreifen müsse. Hier präferiert Lauterbach aber das Konzept aus Hamburg. «Der Vorschlag aus Baden-Württemberg ist schärfer, weil er auch in das Privatleben eingreift. Das sollten wir erst machen, wenn die Hamburger Variante nicht ausreicht», erklärt Karl Lauterbach laut «HNA».


Quellen & weiterführende Informationen:

• inFranken.de
Quasi-Lockdown für Ungeimpfte

• Schwarzwälder Bote
Menschen ohne Impfempfehling sollen ausgenommen werden

 

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Autor: INFO Schweiz - Redaktion

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(Last updated: 01.09.2021, 16:44)