Fliegen in der Corona-Zeit: Kein Flug mehr ohne Impfung oder Negativ-Test - Diese Airlines machen ernst

Wer fliegen möchte, braucht in absehbarer Zeit wohl eine Corona-Impfung oder ein negatives Testresultat. Das trifft vermutlich auch auf Reisende aus der Schweiz zu. Nachdem nämlich die australische Airline Quantas Pläne bekannt gegeben hat, eine Impfpflicht für sämtliche Passagiere einzuführen, kündigt Lufthansa-Chef Spohr an, dass Langstreckenflüge künftig nur noch mit einem negativen Covid-Test oder einem Impfnachweis möglich sind. Die Swiss gibt sich derweil noch bedeckt, betont aber den Nutzen einer Impfpflicht.


«Es ist nicht die Aufgabe von Airlines, Impfpflichten zu verlangen. Es ist Aufgabe der nationalen Behörden, hier Klarheit zu schaffen.» Klar würden «standardisierte, global organisierte Impfnachweise helfen», das müsse aber politisch gelöst werden.
Swiss-Chef Thomas Klühr - Quelle

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Was auffällt: Die internationalen Fluggesellschaften halten sich in dieser frühen Impfphase noch diplomatisch zurück mit Äusserungen über einen allfälligen Impfausweis - hinter den Kulissen brodelt es aber gewaltig. Das Thema wird heiss diskutiert. Schliesslich winkt der Flugbranche mit einem Impfpass mehr Planungssicherheit - ein Rettungsanker statt neuerlichen Groundings. Ein Impfpass könnte ausserdem weitere Corona-Restriktionen auf lange Sicht obsolet machen. Das wiederum brächte neuen Schwung in die Reisefreudigkeit, so die Hoffnung der arg gebeutelten Flugbranche.

«Wir glauben, das ist notwendig», sagte Qantas-Chef Alan Joyce dem Sender Channel Nine zur Einführung der Impfpflicht. Das Unternehmen passt nun seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen entsprechend an. Und Qantas nimmt damit vorweg, was wohl branchenintern bereits seit Wochen intensiv diskutiert wird. Mit den neusten Impfstoff-Zulassungen stehen die Chancen gut, dass auf Flugreisen eines Tages eine Impfung zur Voraussetzung wird, um überhaupt in ein Flugzeug steigen zu dürfen.

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Das ist rechtlich legitim: Airlines können selber bestimmen, wer an Bord kommt und wer nicht. «Gesundheitsvorschriften bezüglich ansteckender Krankheiten bestehen bereits – in allen Beförderungsbedingungen», erklärt etwa Regula Dettling-Ott, Anwältin für Luftfahrtrecht, gegenüber «SRF». Solche Gesundheitsvorschriften würden heute weltweit und täglich angewendet: «Zum Beispiel definieren Fluggesellschaften, unter welchen Bedingungen sie aus gesundheitlichen Gründen schwangere Passagierinnen mitnehmen – oder eben nicht mehr. Das ist gang und gäbe», so die darauf spezialisierte Juristin.

Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach in einem Interview mit «Welt am Sonntag» über die künftigen Voraussetzungen für Flugpassagiere. Eine generelle Impfpflicht wie bei der Fluggesellschaft Quantas schloss Spohr zwar aus. «Nein, das können und wollen wir als Airline nicht vorschreiben.» Bis eine ausreichende Herdenimmunität der Weltbevölkerung erreicht sei, hätten Reisende die Wahl zwischen einem obligatorischen Corona-Schnelltest und Impfnachweis.

Und so sieht der Plan der Airline aus: In einer ersten Phase wird die Zahl der Flugstrecken, die einen verbindlichen Corona-Schnelltest voraussetzen, zunehmend steigen. «In der zweiten Phase wird es wahrscheinlich eine Option zwischen Test oder Impfnachweis geben», erklärte Spohr.

Global betrachtet rechnet der Lufthansa-Chef nicht mit einer einheitlichen Regelung. «Schon heute schreiben einige Länder Tests für alle Passagiere verpflichtend vor, während andere weiter auf Quarantäne setzen.» Spohr wünscht sich jedenfalls eine europäische Lösung mit Schwerpunkt «Test statt Quarantäne».


Klar ist: Beschliessen die europäischen Staaten oder die internationale Luftbranche einen solchen Impfnachweis, müsste die Schweiz sowieso nachziehen.

Eine partielle Impfpflicht ist in der Schweiz aber auch ohne Vorpreschen der EU denkbar. «Ein Obligatorium kann je nach Lage in speziellen Situationen Sinn machen», erklärte Anne Lévy, die Chefin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) im «Sonntagsblick». Wie die Gesundheitsrechtlerin Franziska Sprecher von der Universität Bern «SRF» gegenüber erläuterte, ist damit aber höchstens die Impfpflicht für bestimmte Gruppen gemeint: «Impfobligatorien sind nach dem geltenden Recht möglich. Allerdings nur für spezifische Gruppen wie etwa Personen, die mit vulnerablen Gruppen zu tun haben, insbesondere das Gesundheitspersonal.»

Für die Swiss ist die Diskussion über die Impfpflicht laut «SRF» auf Anfrage noch verfrüht. Es sei nicht geplant, einen verbindlichen Impfnachweis einzuführen, zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt - hiess es noch Ende November. Anfang Dezember schloss der Swiss-Chef Thomas Klühr bei «SRF» eine Impfpflicht noch weniger aus:


«Alles hängt davon ab, wie es bei den Themen Impfen, Impfstoff und medizinische Behandlung weitergeht.»
Swiss-Chef Thomas Klühr - Quelle


Aber: Eine Impfpflicht kann nicht nur von den Airlines selber, sondern auch von Staaten eingeführt werden. Und dies ist in der aktuellen Corona-Pandemie nicht mal so abwegig. Laut einer Studie der kanadischen McGill University kennen rund die «Hälfte aller Länder verpflichtende Impfprogramme gegen mindestens eine Krankheit», wie «Airliners» berichtet. So zum Beispiel in Argentinien: Hier gibt es unter anderem «eine Impfpflicht gegen eine ganze Reihe von Krankheiten wie die üblichen Kinderkrankheiten, Hepatitis A und B, Rotaviren, Diphtherie, Tetanus und Gelbfieber», so «Airliners». Wieso also nicht auch gegen das neuartige Coronavirus?


«Impfprogramme sind das kosteneffektivste und erfolgreichste Werkzeug im öffentlichen Gesundheitswesen. Gerade in einer Pandemie ist eine hohe Durchimpfung im globalen Massstab wichtig»,
erklärt Katie Gravagna, die leitende Studien-Autorin.

Die meisten Länder in Europa setzen bislang jedoch noch vornehmlich auf Freiwilligkeit. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn äusserte sich im Bundestag: «Ich gebe ihnen mein Wort: Es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben.» Auch der  französische Präsident Emmanuel Macron versicherte: «Ich werde die Impfung nicht verpflichtend machen.» Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte meinte in einem Fernsehinterview des Senders «LA7», er bevorzuge in punkto Impfpflicht eine freiwillige Entscheidung. In Spanien sollen die Corona-Impfungen freiwillig, kostenlos und erstmal den Risikogruppen vorbehalten sein.

Die WHO arbeitet hingegen bereits an einer international anerkannten, digitalen Impfpass-Lösung. Nicht nur die WHO. «Es gibt verschiedene Initiativen, wir arbeiten gemeinsam mit dem WEF an einer. In irgendeiner Form wird es einen digitalen Nachweis geben», sagt Swiss-Chef Thomas Klühr im «SRF». Auch der internationale Airline-Verband Iata will mithilfe des «Iata Travel Pass» den Fluggesellschaften und Zollbehörden ermöglichen, dass Reisende ihren Impfnachweis oder negative Corona-Testergebnisse bei der Einreise in ein Land unkompliziert per App vorweisen können.

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Autor: INFO Schweiz - Redaktion

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(Last updated: 04.01.2021, 02:04)