Neuer Corona-Hotspot in der Schweiz

Erfreuliche Nachrichten: Die beschlossenen Massnahmen scheinen sich positiv auf die landesweiten Fallzahlen auszuwirken. Der neu veröffentlichte provisorische R-Wert der ETH sank schweizweit auf leicht unter 0,8 - und deckt sich somit mit dem anvisierten Zeitplan der wissenschaftlichen Taskforce. Aber: Die Schweiz hat einen neuen Hotspot.


«Der Trend geht zwar insgesamt in die richtige Richtung, aber Kantone, welche immer noch hohe Zahlen von Neuinfektionen registrieren, werden weiter gehende Massnahmen ergreifen müssen, um die Bevölkerung zu schützen.»
Epidemiologe Dr. med. Thomas Cerny im «Tagesanzeiger»

 

Die Schweiz scheint sich also vermeintlich (siehe weiter unten) auf einem besseren Weg zu befinden als zuletzt. Sorgen bereitet jedoch die aktuelle Lage im Kanton Basel-Stadt, in dem im kantonalen Vergleich die Corona-Fallzahlen am stärksten steigen.

Mit einem R-Wert von überdurchschnittlichen 1,13 hat Basel-Stadt inzwischen landesweit die höchste Reproduktionszahl. Aus diesem Grund und angesichts der steigenden Fallzahlen hat der Stadtkanton neu einen Teil-Lockdown für die Dauer von mindestens drei Wochen beschlossen. Alle Restaurants, Cafés, Bars, Fitness-Center, Wellnesszentren, Hallenbäder, Tanzstudios, Turnhallen, Kunsteisbahnen, Innenräume von Sportanlagen, Sportstadien, Casinos, Spielsalons, Bowlingcenter usw. sowie sämtliche Bordelle sind geschlossen.

Coronavirus Corona Schweiz Hotspot


«Wir können uns nicht wirklich erklären, warum Basel-Stadt plötzlich den höchsten R-Wert hat. Wir hatten weder einen Superspreader-Event noch einen anderen lokalen Hotspot.»
Lukas Engelberger, Gesundheitsdirektor des Kantons Basel-Stadt


In urbanen Gebieten könnten sich Epidemien wohl rascher und besser verbreiten. Für diese These dürften auch die Fallzahlen in den grossen Kantonen Zürich und Bern sprechen. Die beiden Grosskantone mit ihren urbanen Zentren weisen wie Basel-Stadt einen schweizweit überdurchschnittlichen R-Wert aus. Im Kanton Zürich liegt dieser bei 0,91, im Kanton Bern bei 0,8, in Basel-Stadt bei 1,13. «Zudem dürfte in den letzten Wochen eine Umgehungsbewegung stattgefunden haben. Das heisst, Menschen aus dem Jura und aus Süddeutschland, wo strengere Massnahmen galten, sind nach Basel gekommen», erklärt der Basler Gesundheitsdirektor Engelberger im «Tagesanzeiger“».

Der Kanton Basel-Stadt meldete allein am Freitag 110 Neuansteckungen, am Samstag waren es deren 95. Insgesamt sind in dieser Woche neun Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben, davon drei am Samstag. Die Auslastung der Spitäler sei inzwischen besorgniserregend, hiess es am Freitag, als die Basler Regierung die verschärften Corona-Massnahmen beschloss.

Zumindest schweizweit scheint das Land auf gutem Weg, wie der jüngste R-Wert von 0,78 meinen lässt. Allerdings: Die abnehmenden Fallzahlen täuschen. Denn in der Schweiz lassen sich viel zu wenig Menschen auf Corona testen. Deshalb könne man aktuell nicht von einer Trendwende reden, so die Epidemiologin Dr. Emma Hodcroft.


«Wir müssen in der jetzigen Situation sehr vorsichtig sein bei der Interpretation des R-Werts und vor allem aufpassen, dass wir den geschätzten R-Wert nicht auf die ganze Schweiz übertragen. Denn wie gesagt: Es gibt grosse regionale Unterschiede. In einigen Westschweizer Kantonen ist der R-Wert dank der strikten Massnahmen nun wieder deutlich unter 1 gesunken. Aber in Basel-Stadt beispielsweise liegt der R-Wert bei 1, und die Fallzahlen steigen.»
Dr. Emma Hodcroft, genomische Epidemiologin am Biozentrum der Universität Basel im «Tagesanzeiger»

 

Gute Nachrichten gibt es dafür in der zuletzt arg gebeutelten Westschweiz. Der R-Wert sank in allen Kantonen der Romandie sowie im Wallis deutlich unter den schweizweiten R-Wert von 0,78. Die neuen „Musterknaben“ sind der Kanton Jura mit dem aktuell tiefsten R-Wert von 0,57, der Kanton Freiburg mit 0,58 und der Kanton Genf mit 0,59.

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(Last updated: 23.11.2020, 11:30)