Schweiz: Neue Schliessungen erforderlich, weil Spitalkapazitäten erreicht


«Der aktuelle Stand der SARS-CoV-2-Epidemie stellt nach wie vor ein erhebliches Risiko für die Schweiz dar: Sie bedroht die physische und psychische Gesundheit der Menschen, verzögert die Erholung der Wirtschaft, belastet die Gesellschaft stark und untergräbt das Ansehen der Schweiz.»
Quelle: Swiss National COVID-19 Science Taskforce

 

Die wissenschaftliche Swiss National Covid-19 Science Taskforce des Bundes fordert eine massive Verschärfung der Massnahmen. Ihrer aktuellen Corona-Lagebeurteilung in der Schweiz zufolge stossen die Spitäler bereits an ihre Kapazitäten, was «ein erhebliches Risiko für die Schweiz» darstelle. Sowohl psychisch, physisch, wirtschaftlich wie auch reputationstechnisch. Die Schweiz soll deshalb folgende Massnahmen beschliessen.

  • Restaurants, Bars, Theater, Museen und Sporthallen sollen geschlossen und Konzerte abgesagt werden.

  • Private Kontakte sollen auf maximal zwei Haushalte beschränkt werden.

  • Homeoffice soll strikt durchgesetzt werden.

  • Schulen: Die nachobligatorischen Schulen sollen vollständig auf Fernunterricht umstellen. Pflichtschulen sollen bis auf weiteres offen gehalten werden. Vorerst deshalb, weil wenn die anderen Massnahmen nichts bringen, solle die Schliessung der Sekundar- und Grundschulen «gegebenenfalls in Erwägung gezogen werden».

Die Reproduktionszahl müsse auf unter 0,8 fallen. «Dies würde die Zahl der neuen Fälle innerhalb von 8 Wochen auf unter 500 pro Tag bringen (bei der derzeit geschätzten Reproduktionszahl von 0,91 würde es im Vergleich dazu 5 Monate dauern, um dieses Ziel zu erreichen).»
Quelle: Swiss National COVID-19 Science Taskforce


«Das bedeutet, dass wir erreichen müssen, dass 10 Infizierte im Schnitt nicht mehr als 7-8 Menschen anstecken. Eine Reproduktionszahl von 0,91, die der jüngsten Schätzung entspricht, würde die Zahl der neuen Fälle in 38 Tagen nur halbieren.»

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Begründung: Die vor zwei Wochen verhängten leicht strengeren Corona-Regeln bringen nicht den gewünschten Effekt. Zwar sinken in den letzten Tagen die Fallzahlen in der Schweiz. Und auch Taskforce-Chef Martin Ackermann konstatiert: «Möglicherweise verlangsamt sich das Wachstum der Epidemie nun.» Doch die Trendwende ist nach wie vor nicht in Sicht. Bestenfalls gebe es eine Stabilisierung der aktuellen Lage, aber sicherlich keinen Rückgang. «Zusammengenommen deuten die Indikatoren auf eine Stabilisierung der Epidemie hin, jedoch nicht auf einen raschen Rückgang. Nachdem sich die Zahl der bestätigten Fälle und Krankenhausaufenthalte Anfang Oktober alle 7 Tage verdoppelt hatte, beginnt sie sich nun zu stabilisieren oder geht langsam zurück.» Keine Stabiliserung gebe es hingegen bei den Intensivbetten. Denn die Spitaleinweisungen und Hospitalisierungen, die den Neuansteckungen zeitlich etwa 9 Tage verzögert hinterherhinken, nehmen weiterhin kontinuierlich zu. «Es ist deshalb nicht sicher, ob die Epidemie nach der Umsetzung des letzten nationalen Massnahmenpakets am 29. Oktober tatsächlich zurückgegangen ist.»


«Abzuwarten, ob die bestehenden Massnahmen ihre volle Wirkung tatsächlich entwickeln, würde zum jetzigen Zeitpunkt nur die möglichen Risiken in Bezug auf die physische und psychische Gesundheit, den Verlust von Menschenleben sowie die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen erhöhen.»
Quelle: Swiss National COVID-19 Science Taskforce


In den letzten vier Tagen ist die Anzahl Patienten um 10 Prozent gestiegen. Bei den Intensivplätzen sind die Kapazitäten laut wissenschaftlicher Taskforce des Bundes vermutlich erreicht - und «möglicherweise bereits überschritten». Denn gemäss den Daten des Koordinationsdienstes der Armee (KSD) habe die Schweiz «im Wesentlichen die volle Kapazität der 885 zertifizierten Intensivbetten für Erwachsene erreicht». Aktuell sind hierzulande 867 Patienten in Intensivpflege, 511 davon wegen Corona. Ausserdem warnt die wissenschaftliche Taskforce vor einem «Akkumulationseffekt». Heisst: Wer einmal auf der Intensivstation landet, benötigt den Intensivplatz im Median ganze 12 Tage lang.

Laut Taskforce reichen die bisher beschlossenen Corona-Massnahmen möglicherweise nicht aus. Sie fordert die Halbierung der täglichen Neuinfektionen alle zwei Wochen als Zielsetzung der Schweiz und entsprechend eine Verschärfung der Massnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.

Der aktuelle R-Wert der Schweiz, der immer nur 14 Tage im Nachhinein berrechnet werden kann und angibt, wie viele weitere Personen ein Corona-Infizierter im Schnitt ansteckt, werde womöglich unterschätzt, weil zeitlich verzögert. Doch selbst wenn der geschätzte R-Wert von momentan 0.91 die aktuelle Corona-Lage in der Schweiz abbilden sollte, wäre das alles andere als eine gute Ausgangslage.

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(Last updated: 14.11.2020, 20:10)