«Intensivstation in 5 Tagen an Grenze» - Frankreich will Patienten aufnehmen

Schwierige Corona-Lage in der Schweiz: «Die Intensivstationen stossen in 5 Tagen an Grenzen der Kapazität», warnt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Man sehe bereits eine Übersterblichkeit bei den über 65-Jährigen. Frankreich will derweil Plätze freihalten, um Schweizer Patienten aufzunehmen.

Virginie Masserey, die Leiterin der Sektion Infektionskontrolle des Bundesamt für Gesundheit (BAG), erklärte an der Medienorientierung des Bundes, dass sich die Corona-Fallzahlen in der Schweiz zwar stabilisieren würden, aber die Anzahl der Todesfälle und der Hospitalisationen bereits hoch sei. Diese Zahlen hätten immer 10 bis 14 Tage Rückstand gegenüber den Fallzahlen und wenn man nun sehe, wie die Neuinfektionen in den letzten 14 Tagen gestiegen seien, dann bedeute das «nichts Gutes». Selbst «wenn der Anstieg der Neuinfektionen sich verlangsamt, braucht es auch einige Tage, bis sich der Anstieg der Hospitalisationszahlen verlangsamt. Die 5-Tage-Prognose beruft sich auf die koordinierten Sanitätsdienste. In fünf Tagen könnten die Intensivstationen voll sein, auch mit den zusätzlichen Reserven. Das ist aber nur eine Prognose. Mit Abweisungen von Wahleingriffen kann diese auch beeinflusst werden.» Die Inzidenz sei bei den Personen über 80 Jahren immer noch am höchsten. Derzeit liegen über 300 Personen mit einer COVID-19-Erkrankung auf den Intensivstationen des Landes. Auf den Stationen gebe es zur Zeit 27 Prozent Reserve. «Wenn der Anstieg so weitergeht, werden wir die Grenzen in 5 Tagen erreichen», sagt Masserey. Bei den über 65 Jährigen sehe man bereits eine Übersterblichkeit, so Masseray. Schon ab 50 Jahren gebe es mehr Personen, die wegen dem Coronavirus hospitalisiert werden.


03.11.2020 - Point de Presse: Coronavirus [video]:


 

Natürlich könnten auf den Intensivstationen auch wieder Plätze frei werden. Eine Prognose hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn sich der Anstieg der Neuansteckungen verlangsame, dauere es erstmal einige Tage, bis man dies auch auf den Intensivstationen der Spitäler sehe. Die Situation sei angespannt, man stosse an die Grenzen. Man müsse bis in zehn Tagen schauen, dass die Hospitalisierungen wieder zurückgehen, sonst werde es schwierig.

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Auf die Frage, ob es genügend Beatmungsgeräte in der Schweiz habe, entgegnet die Leiterin der Sektion Infektionskontrolle des BAG: «Wir verfügen über Reserve-Beatmungsgeräte bei der Armee. Die Kantone können diese anfragen, wenn nötig.» Die schlechte Nachricht: «Die Beatmungsgeräte werden, denke ich, nicht mehr das Problem sein. Wenn, dann gibt es Probleme wegen des Personalmangel», mahnt Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte und Kantonsarzt in Zug.

Der Bund hat aber auch anderweitig vorgesorgt. «Wenn ein Spital ans Limit kommt, gibt es Abmachungen, wie Transfers von Patienten ablaufen», sagt Masserey. Dabei helfe auch die Rega mit, die zusammen mit dem Sanitätsdienst die Verlegung von Patienten koordiniere. Hierfür gebe es eine nationale Zentrale. «Die Zentrale kann weiterhelfen und schauen, wo es noch Kapazitäten gibt. Die Zentralstelle der Rega kümmert sich um die Kontaktaufnahme und die Abstimmung. Auch die Kantone sind hier einbezogen.» Es gäbe auch entsprechende Konzepte für die Schaffung zusätzlicher Plätze, die zwar nicht wie die aktuellen Intensivbetten zertifiziert seien, aber trotzdem genügten.

«Zuerst wird man versuchen, die zertifizierten Intensivbetten in der ganzen Schweiz zu belegen. Es kann also sein, dass ein Patient vom einen Ende der Schweiz ans andere Ende transportiert wird», erklärt Rudolf Hauri. Erst wenn die Spitäler voll seien, die Verlegungen ausgeschöpft und auch die nicht notwendigen Behandlungen zurückgefahren wurden, kämen die Triage-Prinzipien zum Tragen. «Es ist aber nicht so, dass es ein stures Prinzip ist. Es geht darum, dass möglichst viele Patienten von einer Behandlung profitieren können», so Hauri. «Wir müssen Neueintritte verhindern, die nicht unbedingt nötig sind. Nicht unbedingt nötige Eingriffe verschieben wäre eine Möglichkeit, um die Überlastung der Spitäler zu verhindern. Es gibt Richtlinien für Triagen, wenn die Kapazitäten nicht ausreichend sind», sagt Masserey.

Bei der Triage wird entschieden, welche Patienten behandelt werden können und welche nicht. «Wichtig ist dabei die Überlebenschance und die erwartete Lebensqualität. Das Alter ist ein Kriterium, aber nicht das einzige», so Masseray. «Das Alter ist nie ein Kriterium an sich, wird aber in der Gesamtbeurteilung angeschaut. Es geht darum, die vorhandenen Mittel so einzusetzen, damit möglichst viele Personen profitieren und genesen können», ergänzt Hauri.

Ein weiterer kleiner Lichtblick bildet Frankreich. In der ersten Corona-Welle nahm die Schweiz Covid-Patienten aus überlasteten Spitälern aus Frankreich auf. Nun ist selbiges auch umgekehrt denkbar. Rudolf Hauri bestätigt an der Medienkonferenz, dass es bereits entsprechende Angebote aus Frankreich gegeben habe, um Schweizer Patienten in französischen Spitälern aufzunehmen, falls das denn nötig wäre. «Wir haben schon Angebote erhalten, Plätze für uns freizuhalten, beispielsweise von Frankreich», so Hauri. Bislang gab es diesbezüglich vonseiten der Schweiz aber noch keine Anfragen.

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(Last updated: 03.11.2020, 16:31)