Erster Kanton verhängt Ausnahmezustand, um Kollaps im Gesundheitswesen zu verhindern

Ausnahmezustand ausgerufen: Wegen der Corona-Krise und der angespannten Lage in den Spitälern macht der erste Schweizer Kanton das öffentliche Leben dicht und ruft den Ausnahmezustand aus.

Die kantonalen Spitäler sind am Anschlag, die Lage im Gesundheitswesen ist «besorgniserregend». Erste Patienten aus dem Intensivpflegebereich hätten bereits nach Basel verlegt werden müssen. In den letzten 14 Tagen seien zudem bereits 19 Covid-19-Todesfälle zu beklagen - das sind fast dreimal so viele wie noch bei der ersten Corona-Welle im Frühling.

Um einen Kollaps im Gesundheitswesen zu verhindern, beschliesst der Kanton Jura ab Montag «wesentliche Massnahmen zur Eindämmung der exponentiellen und besorgniserregenden Zahl von Kontaminationen und Krankenhausaufenthalten». Es wird vorerst bis zum 15. November ein kantonaler Ausnahmezustand verhängt.

Gesundheitssystem am Anschlag:



«Das Gesundheits- und Krankenhaussystem des Jura ist bereits nahe an seiner maximalen Kapazität, während die derzeitige Kontaminationswelle erst am Anfang steht und sich nicht zu verlangsamen scheint, ganz im Gegenteil. Allein eine Zahl verdeutlicht die Schwere der zweiten Welle, die den Kanton hart trifft: Während bei der ersten Frühjahrswelle sieben Todesfälle zu verzeichnen waren, sind in den letzten zwei Wochen bereits 19 Todesfälle zu verzeichnen. Auch das Jura-Spital musste seinen ersten Patienten aufgrund des geschäftigen Intensivpflegebereichs nach Basel verlegen. Es wurden bereits Überweisungen an die Klinik Le Noirmont vorgenommen, die ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem System spielt. Darüber hinaus nimmt auch die Kontamination der allgemeinen Bevölkerung mit Heimbewohnern sehr rasch zu.»
Quelle: Kanton Jura


Dabei handelt es sich um neue Massnahmen, «die unerlässlich sind, um die Kontaminationswelle zu stoppen und das ohnehin schon stark belastete Gesundheits- und Krankenhauswesen des Jura so weit wie möglich zu schützen. Insbesondere hat sie auf kantonaler Ebene den Ausnahmezustand verhängt. Die Massnahmen treten am Montag, dem 2. November, in Kraft und bleiben mindestens bis zum 15. November in Kraft», erklärt der Kanton Jura in einer Medienmitteilung.

Das heisst: Ab dem nächsten Montag werden im Kanton Jura alle Restaurants und Bars sowie weitere öffentliche Einrichtungen im Kultur- und Sportbereich wie z.Bsp. «Museen und Ausstellungshallen, Lesesäle, einschliesslich Bibliotheken und Archive, Kinos, Konzertsäle, Theater, Kasinos und Spielhallen, Freizeiteinrichtungen, Sportzentren, Schwimmbäder, Eislaufbahnen, Fitness- und alle anderen Einrichtungen für Indoor-Sportaktivitäten, Wellnesszentren, sofern sie nicht zu einem Hotel gehören und nur für Hotelgäste zugänglich sind, Unterhaltungseinrichtungen (bereits durch Bundesgesetz verboten) und Einrichtungen erotischer Natur» geschlossen. Im Amateursportbereich gilt ein Verbot von Training, Spielen und Wettbewerben.

Die jurassische Regierung verbietet zudem «Demonstrationen und Versammlungen, öffentlich oder privat, auch im Familienkreis», also private Ansammlungen von mehr als fünf Personen. Eine Ausnahme gilt unter anderem für gesetzgebende Versammlungen und Gottesdienste. Zusätzlich hat der Kanton eine Maskentragpflicht für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen der Sekundarstufe 1 angeordnet.

Hohe Inzidenzrate:



«Die Inzidenzrate der letzten vierzehn Tage liegt damit in der Grössenordnung von 1'300 Kontaminationen pro 100'000 Einwohner, während noch vor wenigen Wochen eine Region aufgrund einer zweiwöchigen Inzidenzrate von 60 als gefährdet galt. Ein Teil der Infizierten wird jedoch zwangsläufig ins Krankenhaus eingeliefert, was das Jura-Krankenhaus weiter überlasten wird. Das durch das Virus geschwächte Personal des Krankenhauses sowie der Langzeitpflege- und Sozialeinrichtungen steht ebenfalls unter sehr hohem Druck.»
Quelle: Kanton Jura


Weiterführende Informationen:
Medienmitteilung (Kanton Jura)

Coronavirus Corona Schweiz Ausnahmezustand

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(Last updated: 30.10.2020, 12:13)