Klima-Aktivisten besetzen den Bundesplatz vor dem Bundeshaus und bauen ein Klima-Camp - Live-Ticker

Die Klimabewegung schaltet einen Gang höher: In einem Überraschungs-Coup besetzt sie symbolträchtig am 1. Tag der Herbstession des Parlaments direkt vor dem Bundeshaus den Bundesplatz, „um gegen den Ausverkauf unserer Zukunft“ zu protestieren. Das lässt die darin verstrickten Bürgerlichen und Rechts-Nationalen Lobbyparteien vor Wut schäumen. Denn so rasch wollen die Klimastreikenden ihr «illegales» Zelt-Camp nicht mehr räumen.

Inhalte:

 

 

Bundesplatz-Besetzung durch die Klima-Aktivisten


«Damit haben wir nicht gerechnet.»
Alec von Graffenried, Stadtpräsident von Bern, gegenüber «SRF»


Die Schweiz müsse viel mehr tun, um den Klimawandel zu stoppen. Seit Montag, dem 21.09.2020 frühmorgens um 04:40 Uhr besetzen unter der Forderung „Rise Up For Change“ deshalb hunderte Klimaaktivisten «aus Protest gegen die Ignoranz von institutioneller Politik und Wirtschaftselite» den Bundesplatz. Taktisch geschickt, gut koordiniert und äusserst speditiv pflanzten die Klima-Aktivisten im Schutze der Dunkelheit in den frühen Morgenstunden ein illegales Zeltcamp vor das Bundeshaus. Eine klare Ansage an die Schweizer Politik. Die Polizei zeigt zwar Präsenz, hält sich bislang aber zurück. Auf eine Räumung wird seitens der Berner Stadtregierung zur Zeit verzichtet.


«Die Aktivisten zeigen sich kooperativ. Das ist eine gute Voraussetzung, damit es nicht gleich geräumt werden muss.»
Alec von Graffenried, Stadtpräsident von Bern, gegenüber «SRF»


 

 

Räumung des Bundesplatz?

Andreas Glarner (SVP) bezeichnet Klimaktivisten maximal undifferenziert als "Chaoten". Ich möchte ihn im Gegenzug gerne...

Gepostet von Jürg Halter am Montag, 21. September 2020

Das Parlament resp. die Vereinigte Bundesversammlung fordert in einem Brief an Stadt und Kanton unterdessen die unmittelbare Räumung des Platzes. Das Klima-Camp werde als illegal angesehen, weil während der Session der Bundesplatz grundsätzlich frei bleiben müsse. Die Session der Parlamentarier dürfe dabei nicht gestört werden, zudem müssten die Parlamentarier unbehelligt ins Bundeshaus gelangen können, so die Erklärung der Parlamentsdienste gegenüber Radio SRF.

«Auf dem Bundesplatz findet derzeit eine nicht bewilligte Veranstaltung statt», schreiben Nationalratspräsidentin Isabelle Moret (FDP) und Ständeratspräsident Hans Stöckli (SVP). Sie fordern von der Stadt Bern und dem Kanton Bern, «dass diese die Unrechtmässigkeit dieser Veranstaltung feststellen». Und dass sie für die «Einhaltung der geltenden Rechtsbestimmungen (...) sorgen.» Kurz gesagt: Räumung.

Die Stadt Bern duldet die Aktion bisher. Die Stadt erwarte von den Protestierenden auf dem Bundesplatz aber eine Rettungsgasse für Feuerwehr und Sanität, ausserdem dürfe der öffentliche Verkehr wegen der Klima-Aktion nicht beeinträchtigt werden. Selbiges gelte für die Parlaments-Session im Bundeshaus. «Nicht nur der Zugang zum Bundeshaus muss gewährleistet sein, es darf auch zu keinen Lärmstörungen durch Lautsprecher oder Konzerte kommen.»

Man sei am Verhandeln, erklärt Stadtpräsident Graffenried. Die ersten Gespräche seien laut Mitteilung «ergebnisoffen» verlaufen. Die Stadt Bern bietet den Protestierenden derweil einen anderen Platz an. «Wir haben den Demonstrierenden eine Bewilligung für ihre Aktion über die ganze Woche auf der Schützenmatte in Aussicht gestellt», erklärt Gemeinderat Reto Nause im SRF. Siehe UPDATES.

 

 

Das Klima-Camp

Die Klimaaktivisten wollen die Besetzung des Bundesplatzes nach eigenen Angaben hingegen mindestens eine Woche aufrecht erhalten. Das Klima-Camp verfügt über grosse Zelte, Konzertbühnen, Küchen, sanitäre Anlagen und weitere Installationen.


«Wir sind gekommen, um uns hier länger einzurichten. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl. Wir rufen alle Leute dazu auf, sich uns anzuschliessen.»,
erklärt Klimaaktivistin Hanna Fischer (19) gegenüber «watson».


Wärend sieben Tagen wird mit Workshops, Diskussionen und verschiedensten Aktionen gezeigt, «wie ein klimagerechtes Zusammenleben in Zukunft aussehen kann».


«Erstmals kommen Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe aus der ganzen Schweiz zusammen und können während mehreren Tagen über Massnahmen zur Abwendung der Klimakrise nachdenken und diskutieren.»
Quelle: Rise Up For Change


 

 

Forderungen der Klimabewegung


 

 

Programm

Das detaillierte Programm der Bundesplatz-Besetzung und Aktions-Woche wird ausführlich auf der Webseite der Aktivisten aufgelistet. Hier siehst du an welchen Tagen was geplant ist.

 

 

Rise Up For Change

Rise Up For Change ist ein gemeinsam unterstütztes Projekt verschiedener Klimabewegungen, namentlich dem Klimastreik, Extinction Rebellion, Collective Climate Justice, Collective Break Free sowie Greenpeace Schweiz. Einige weitere Organistationen unterstützen das Projekt von einer aussenstehenden Perspektive. Diese sind verschiedene feministische Kollektive, Swissveg, SonneSchweiz, Trinkwasser Initiative, XR Doctors, Grandparents pour le climate, Genossenschaft Feuervogel.

 

 

UPDATE:

16:46 Uhr - In den Verhandlungen mit der Stadt erklärte sich die Klimabewegung bereit, dem wöchentlichen Markt, den traditionellen „Märit“, bis zum Dienstagmorgen Platz zu machen. Die Klimaaktivisten ziehen bis auf zwei Zelte vom Bundesplatz ab und räumen den grössten Teil des Camps.

Ob die Klimabewegung den Bundesplatz wieder ganz für sich in Anspruch nehmen wird, gleich nachdem die Marktleute am Dienstagnachmittag abziehen, bleibt vorerst offen.

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(Last updated: 21.09.2020, 17:19)