Der Bundesrat hat sich heimlich impfen lassen: Eine verpasste Chance

Die ersten Bundesräte haben die Corona-Impfung erhalten - obwohl in der Schweiz zur Zeit nur Personen über 75 Jahre geimpft werden, weil der Impfstoff derart knapp ist. Statt sich volksnah zu geben und sich öffentlichkeitswirksam impfen zu lassen, um die Bevölkerung zu motivieren, sollte diese Impf-Aktion der Bundesräte gar nicht erst publik werden und heimlich geschehen, was Fragen aufwirft. Eine verpasste Gelegenheit.

Denn in der Schweiz werden aktuell ausschliesslich über 75-Jährige sowie weitere besonders stark gefährdete Risikopersonen geimpft. Andere Risikopatienten und Impfwillige müssen sich weiterhin gedulden. Dies gilt offenbar nicht für den Bundesrat. Dieser hat abgeschirmt von der Öffentlichkeit am Freitag damit begonnen, einzelne Bundesratsmitglieder zu impfen. Das sind: Sieben Bundesräte, der Bundeskanzler Walter Turnherr und die zwei Vizekanzler Viktor Rossi und André Simonazzi. Also sämtliche zehn Personen, die jeweils an den Bundesratssitzungen teilnehmen.

Aber: Keiner der Bundesräte ist über 75 Jahre alt. SVP-Bundesrat Ueli Maurer ist mit 70 Jahren der älteste amtierende Magistrat. Alle übrigen Bundesräte sind weit unter 70. Der zweitälteste ist Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) mit 61 Jahren. Der Jüngste im Bunde ist Gesundheitsminister Alain Berset (SP) mit 48 Jahren. Bundesratssprecher André Simonazzi bestätigte im «Der Bund» die bundesrätliche Impf-Ausnahme, teilt jedoch nicht mit, welche und wie viele Bundesräte bereits gegen das Coronavirus geimpft sind:

«Wir wollen das weder hinausposaunen noch geheim halten», so Simonazzi. Man wolle keinen Wettbewerb um die Frage, wer bereits geimpft sei und wer noch nicht. Das ist Wasser auf die Mühlen der Impfgegner.

Und das wirft Fragen auf:

  • 1.) Der Impfstoff ist knapp. «Der Bund» stellt deshalb die Frage in den Raum: Halten sich die Bundesräte für «derart unersetzlich», dass für sie die Ü75-Regel nicht gilt?

  • 2.) Weshalb geschah die Impfung-Aktion klammheimlich, anstatt öffentlichkeitswirksam und beispielhaft die Bevölkerung motivierend voranzugehen? Da die Impfskepsis nach wie vor hoch ist im Land, ist das eine grosse, verpasste Chance - und womöglich kontraproduktiv.

Man hätte keine unnötige Show bieten wollen, so heisst es diversen Medienberichten zufolge aus dem Bundesratszimmer.


«Unbequeme Fragen klären und sich vielleicht in einem unvorteilhaften Moment ablichten lassen, das ist kein Bühnenstück – sondern wäre die richtige Antwort gewesen, um der verunsicherten Bevölkerung Halt zu geben.»
Quelle: Treffender Kommentar im «Der Bund»

 

Weiterführende Informationen:
Bundesrat lässt sich im Stillen impfen (Tagesanzeiger)

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Autor: INFO Schweiz - Redaktion

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(Last updated: 16.01.2021, 15:57)