Coronavirus: Tod eines 16-jähriges Mädchens, eine traurige Premiere

Kerze Licht Flamme Abschied

«Diese Tragödie erinnert uns daran, dass das Coronavirus eine ernste Krankheit ist und dass Eindämmungsmassnahmen unerlässlich sind»

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Alle 4 Minuten ein Corona-Todesfall

In Frankreich verbreitet sich der Coronavirus explosionsartig. Der französische Generaldirektor für Gesundheit Jérôme Salomon meldete allein am 26.03.2020 in nur 24 Stunden insgesamt 365 neue Todesfälle in Frankreich, die durch die Coronavirus-Epidemie verursacht worden sind. Der franz. Gesundheitsminister Olivier Véran schätzte, dass die Covid-19-Krankheit jetzt alle 4 Minuten einen Patienten tötet, «was alles sagt». Unter den Todesopfern findet sich tragischerweise auch ein junges Mädchen aus der Île-de-France.

 

 

16-jähriges Mädchen stirbt am Coronavirus

Jérôme Salomon gab bei seiner täglichen Pressekonferenz den Tod eines 16-jährigen Mädchens aus einem Vorort von Paris bekannt. Es ist das erste Mal, dass ein so junger Patient in Frankreich an der Covid-19-Lungenkrankheit gestorben ist, und ähnliche Fälle sind in der Welt nach wie vor selten.

Auch Gesundheitsminister Olivier Véran nahm direkt Bezug zu dieser Tragödie: «Wir wissen über die Krankheit, dass sie in der überwiegenden Mehrheit der Fälle für die Jüngsten nicht ernsthaft ist. Aber ich bedauere heute Abend, und es ist äusserst traurig, den Tod eines jungen Mädchens, dessen Einzelheiten ich im Namen der ärztlichen Schweigepflicht geheim halten werde.»

Véran sprach von «einem Trauma für die Reanimationsteams, die sich um diesen jungen Patienten kümmerten». Für Véran «erinnert uns diese Tragödie daran, dass das Coronavirus eine ernste Krankheit ist und dass Eindämmungsmassnahmen unerlässlich sind».


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Coronavirus: Krankheit-Verlauf
Immer mehr junge Menschen schwer befallen in der Intensivpflege (Europa & USA)


Neue Erkenntnisse aus Europa und den USA deuten darauf hin, dass jüngere Erwachsene nicht so unempfindlich gegen das neue Coronavirus zu sein scheinen und dass anders als bisher weitläufig angenommen, eben nicht nur ältere Menschen wie Ü65-Jährige von schweren Krankheitsverläufen betroffen sein können. Es häufen sich Fälle von 30- bis 50-Jährigen die «mit allen Anzeichen und Symptomen einer COVID-19-Infektion in die Notfallambulanz» gekommen sind, von denen keiner zuvor Lungen- oder Herzprobleme gehabt habe ...



China: Eine im Februar veröffentlichte chinesische Studie, die auf mehr als 72'000 chinesischen Patienten basiert, ergab, dass 80% der Patienten, die an Covid-19 starben, über 60 Jahre alt waren. Bis zum Alter von 39 Jahren blieb die Sterblichkeitsrate mit 0,2% sehr niedrig, um dann mit zunehmendem Alter allmählich anzusteigen.


 

 

Der Krankheitsverlauf

Der französische Teenager Julie A. starb im Alter von 16 Jahren in Paris an der Lungenkrankheit Covid-19. Damit ist sie das jüngste französische Opfer von Coronavirus, von dem behauptet wird, dass es hauptsächlich ältere oder gefährdete Menschen betrifft. «Es ist unerträglich», klagt die Mutter des Mädchens telefonisch gegenüber der AFP, wie «24 heures» berichtet und schildert die Ereignisse. «Sie hatte gerade einen Husten», erzählt die Mutter. Ein kleiner, milder, scheinbar gutartiger Husten, der vor einer Woche auftrat und den sie mit Sirup, Kräutern und Inhalationen zu behandeln versucht hatte.

Am Samstag begann Julie dann, sich kurzatmig zu fühlen. «Es war nicht gravierend, aber sie hatte Schwierigkeiten, wieder zu Atem zu kommen», erinnert sie sich. Dann kamen die Hustenanfälle, die sie am Montag dazu veranlassten, ihre Tochter ohne besondere gesundheitliche Probleme zum Arzt zu fahren. Dort stellte der Allgemeinmediziner eine "akzeptable" Atemwegsinsuffizienz fest. Er beschliesst, die Sanität zu rufen, schliesslich trifft die Feuerwehr ein.

Geschützt mit Overalls, Masken und Handschuhen bringen sie das junge Mädchen, das mit einer Papiermaske unter der Sauerstoffmaske ausgestattet ist, in das nächstgelegene Krankenhaus in Longjumeau, in der Essonne. Die Mutter geht nach Hause. Als sie etwas später im Krankenhaus anruft, wurde ihr von einem CT-Scan, Lungentrübungen, «nichts Ernstes» berichtet. Ein Covid-19-Test sei im Gange. Doch in der Nacht wird Julie mit Ateminsuffizienz in das Necker-Kinderkrankenhaus für Kinder in Paris verlegt. Zwei weitere Covid-19-Tests werden durchgeführt.


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Coronavirus-Komplikationen ohne Vorerkankung
30-Jährige in der Schweiz ohne Vorerkrankung auf Intensivstation


«Wir haben einzelne junge Patienten im Alter von 30 bis 35 Jahren mit schweren Verläufen. Ein rund 30-jähriger Patient hatte keine Vorerkrankungen, ein anderer leichtes Asthma, jetzt werden beide künstlich beatmet auf der Intensivstation» ...


 

 

Auf der Intensivstation

Julie wird am Dienstag auf die Intensivstation eingeliefert. Sie ist in einem kleinen Raum mit blauen Wänden und Teddybären untergebracht. «Mit 16 Jahren ist es immer noch Pädiatrie (Anm.: Kinderheilkunde), sie ist jung», sagt die Mutter. Als sie nachmittags ihre Tochter besucht, ist sie besorgt, sie redet, wird aber schnell müde: «Mein Herz tut weh», sagt sie.

Die Ergebnisse der letzten beiden Covid-19-Tests bringen jedoch gute Nachrichten: negativ. «Wir öffnen die Zimmertür, die Krankenschwestern tragen keine Kittel mehr, der Arzt hebt den Daumen hoch, um mir zu sagen, dass es in Ordnung ist», sagt erzählt die Mutter. Julie scheint das Schlimmste überstanden zu haben. Es ist spät, die Mutter kehrt nach Hause zurück und verspricht, dass sie am nächsten Tag wiederkommen wird.

Spät am Abend kommt ein Telefonanruf: Das Ergebnis des ersten Tests im Longjumeau-Krankenhaus ist gerade eingetroffen, Julie ist positiv für Covid-19 und ihr Zustand verschlechtert sich. Sie muss intubiert werden.

«Wir glauben es nicht. Wir sagen uns, dass sie sich geirrt haben. Und warum kommen diese Ergebnisse so spät», fragt sich die Mutter erneut. «Von Anfang an wurde uns gesagt, dass das Virus keine jungen Menschen befällt. Wir haben es geglaubt, wie alle anderen auch», sagt Julies ältere Schwester Manon.

Gegen 00:30 Uhr ein weiterer Anruf: «Komm, schnell!». «Da geriet ich in Panik. Es gibt Worte, die einen verstehen lassen», erklärt die Mutter. Dem Generaldirektor für Gesundheit Prof. Jérôme Salomon zufolge, der am Donnerstagabend den Tod des Mädchens bekannt gab, war Julie das Opfer einer schweren Form des Virus, die bei jungen Menschen "extrem selten" ist.


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Ein Schweizer Immunologe testet Coronavirus-Impfstoff an sich selber, um wertvolle Zeit zu sparen


Hat ein Schweizer Immunologe den Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden? Die Entwicklung einer Impfung gegen das Corona-Virus ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Deshalb greift ein Forscher aus der Schweiz zu drastischen Mitteln und stellt sich selbst als Versuchskaninchen zur Verfügung ...


 

 

Der letzte Abschied

Als die Mutter am Mittwoch gegen 1 Uhr morgens mit ihrer ältesten Tochter im Krankenhaus eintraf, starb Julie. Sie berührte ihre Hand, «ihre Haut war noch warm», erinnert sie sich. Ihre Schwester streichelte ihre Stirn. Sie hatten eine Stunde, danach sehen sie sie nie wieder. Es ist auch unmöglich, die persönlichen Sachen des Mädchens zurückzubekommen, alles muss verbrannt werden. Es gelingt ihnen immerhin noch, eine Taufkette, ein Armband, zu behalten.

Julies Leiche liegt im Leichenschauhaus des Necker-Krankenhauses. Sie wird da erst bei der Beerdigung, die in einigen Tagen stattfinden soll, rauskommen. Als Vorsichtsmassnahme wird es jedoch keine Zeremonie geben, nur zehn Personen werden auf dem Friedhof anwesend sein. «Wir mussten uns unter unseren Verwandten entscheiden, die anwesend sein werden», sagt Manon. «Am Tag ihres Todes mussten wir bereits einen Sarg für sie aussuchen». Dieser Sarg muss geschlossen bleiben, und Julie «wird weder geschminkt noch angezogen, das ist nicht erlaubt», erklärt ihre Schwester. «Es ist schwierig, damit umzugehen», sagen sie und ihre Mutter.

Nach den neuesten Zahlen wurden in Frankreich seit Beginn der Epidemie in den Krankenhäusern Frankreichs über 1696 Todesfälle durch Covid-19 registriert. Seit Donnerstagabend wird in den Fernsehbannern wiederholt darauf hingewiesen, dass ein 16-jähriges Mädchen an dem Coronavirus gestorben ist. «Es ist schrecklich, weil ich weiss, dass es meins ist», sagt die Mutter.

Weiterführende Informationen:
A 16 ans, une ado succombe au coronavirus (24 heures)

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(Last updated: 27.03.2020, 15:19)