Südafrika-Mutation noch gefährlicher als Corona-Mutation aus Grossbritannien

Forscher schlagen Alarm! Wissenschaftler gewinnen neue Erkenntnisse über die neu aufgetauchte Grossbritannien-Mutation «N501Y» und über die noch unbekanntere Südafrika-Mutation «E484K». Klar ist: Die englische Variante ist ansteckender als die bisher bekannte Form. Mehr Sorgen bereitet den Forschern momentan jedoch die südafrikanische Mutations-Variante, denn diese könnte demnach die Corona-Impfung beeinträchtigen. Beide Virusvarianten sind bereits in der Schweiz aufgetaucht.

Die Forschung über mutierte Coronavirus-Formen läuft weltweit auf Hochtouren. Aktuell konzentrieren sich die Studien und Analysen insbesondere auf die neuen Corona-Varianten aus Grossbritannien und Südafrika.

Bekannt ist: Die Grossbritannien-Mutation scheint zwar bislang keine schwereren Krankheitsverläufe auszulösen und auch nicht tödlicher zu verlaufen, sie scheint dafür aber 40-80 Prozent ansteckender zu sein als die bisher bekannte Virusform.


«Es ist nun klar, dass die neue Variante wesentlich übertragbarer ist als frühere Varianten, und zwar um 40–80%.»
«independent SAGE», unabhängige Gruppe von Wissenschaftlern


Für grössere Sorgenfalten sorgt aber die Südafrika-Mutation «E484K». Laut einer Studie soll der BioNTech-Impfstoff zwar auch gegen die Coronavirus-Mutation schützen, die aktuell in Grossbritannien grassiert, sowie gegen 15 weitere mögliche Mutationen - doch die südafrikanische «E484K»-Mutation war nicht unter den untersuchten.

Sandra Ciesek, Professorin für Virologie sowie Direktorin des Instituts für Virologie an der Goethe-Universität in Frankfurt, stellte aber fest:


«Vergleich der Mutationen aus GB und Südafrika: Die in Südafrika auftretende Mutation E484K scheint grösseren (negativen) Effekt auf AK-Bindung und Neutralisation zu haben als die Mutation N501Y aus GB.»
Prof. Sandra Ciesek

«Die Mutation betrifft den Rezeptor-bindenden Bereich: den Teil der markante Stacheln, der für die Erkennung des Virus ist», fasst es «nau» zusammen. Das kann potentiell zu einem ernsthaften Problem führen: Verändert sich nämlich besagter Teil, können die vom Körper gebildeten Antikörper das Sars-CoV-2 weniger gut erkennen und entsprechend weniger gut neutralisieren. Das heisst: der Impfschutz sinkt.

Das europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) erklärte hingegen, noch könne nicht beurteilt werden, ob die neuen Mutationen die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinträchtigen. Die Spike-Protein-Mutation der südafrikanischen Variante helfe dem Coronavirus, den Immunschutz durch eine Infektion oder Impfung zu umgehen, erklärt wiederum der Londoner Epidemiologe François Balloux.

Um diesbezüglich aussagekräftigere Analysen machen zu können, ob der Impfstoff auch gegen die Südafrika-Mutation erfolgreich wirkt, braucht es eine grössere Datengrundlage, sprich mehr geimpfte Menschen. Die bisherigen Erkenntnisse deuten allerdings darauf hin, dass die erste Impfstoff-Generation eine Ablaufzeit hat und nicht dafür gewappnet ist, alle künftigen Varianten zu bekämpfen. Die gute Nachricht: neue angepasste Impfstoffe sind relativ rasch entwickelt und neu hergestellt.

Falls das Virus irgendwann so stark mutiert, dass der Impfstoff angepasst werden muss, werde das bei dem von Pfizer mitentwickelten Vakzin und ähnlichen Mitteln nicht schwierig sein, bestätigt auch Philip Dormitzer von Pfizer. Der deutsche Impfstoffentwickler BioNTech kündigte an, bei Bedarf innerhalb von sechs Wochen einen neuen Impfstoff entwickeln zu können, der gegen die mutierten Varianten wirkt.

Die Forscher werden die neu gewonnenen Erkenntnisse in den Prozess der Herstellung der zweiten Impfstoff-Generation einfliessen lassen. Gut möglich, dass der nächste Impfstoff resistenter ist und auch gleich gegen deutlich mehr Corona-Mutationen schützt.

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Autor: INFO Schweiz - Redaktion

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(Last updated: 10.01.2021, 20:52)