Nestlé will Wasser aus Naturparadies abpumpen und als Trinkwasser verkaufen

Der milliardenschwere Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé hat in Florida eine Fabrik gekauft und hochgerüstet. Das Wasser soll aus einem Naturparadies und einzigartigem Ökosystem abgepumpt werden - gratis - und der Öffentlichkeit in abgefüllten Trinkwasser-Flaschen zurückverkauft und zu viel Geld gemacht werden.

Zahlreiche Schildkröten-Arten am Ufer des Santa Fe Rivers, einem ökologisch fragilen Zufluchtsort, sind dadurch unmittelbar bedroht - elf einheimische Schildkrötenarten und vier nicht einheimische Arten, die auf einen starken Wasserfluss und Flusspegel angewiesen sind.

Ein Viertel aller nordamerikanischen Süsswasserschildkrötenarten leben in diesem kleinen Flusssystem, das nun in Gefahr ist.

 



Inhalte:

Wasser Trinkwasser Flasche Glas

 

 

Nestlés Trinkwasser-Geschäfte bedrohen Naturparadies

4,4 Millionen Liter kristallblaues Wasser pro Tag will der Schweizer Grosskonzern Nestlé aus den natürlichen Quellen und Lagunen im Ginnie-Springs-Park abpumpen, um sie als abgefülltes Wasser an die Öffentlichkeit zurückzuverkaufen. «Die Anlage ist dabei, die Abfüllkapazität zu erhöhen und erwartet eine signifikante Steigerung der Produktionsmengen in Höhe des geforderten durchschnittlichen täglichen Abfüllvolumens von ca. 1.152 Mio. Gallonen pro Jahr» (umgerechnet rund 4,36 Millionen Liter), so George Ring, Manager bei Nestlé Waters North America.


Nestle seeks to extract millions of liters of water from Florida’s ‘fragile’ Santa Fe river [video]:


 

 

Nestlé: «Quellwasser ist eine schnell erneuerbare Ressource»

Kritiker und Umweltschützer bezeichnen Nestlés neuste skrupellose Geschäftemacherei als umweltschädlich, es verstosse zudem gegen das öffentliche Interesse. Das Abpumpen von Wasser führe zu irreparablen Schäden am Ökosystem und bedrohe viele Tierarten. Nestlé hingegen wiegelt ab und besteht darauf, dass das Quellwasser eine schnell erneuerbare Ressource ist und verspricht einen "robusten" Bewirtschaftungsplan in Zusammenarbeit mit ihren lokalen Vertretern für eine langfristige Nachhaltigkeit seiner Wasserquellen, wie «The Guardian» berichtet. Gemeint ist die lokale Firma Seven Springs, der Nestlé die Lizenz für die Ginnie Springs abkaufte. Nestlé pocht auf eine Lizenzverlängerung. «Es macht keinen Sinn, Millionen von Dollar in lokale Aktivitäten zu investieren, nur um die natürlichen Ressourcen zu erschöpfen, auf die sich unser Geschäft stützt. Dies würde den Erfolg unseres Geschäfts untergraben und jedem Wert, den wir als Mensch und als Unternehmen haben, widersprechen.» Die Sorgen von Umweltschützer und Behörden seien daher unbegründet, meint Nestlé zynisch.

Dem widersprechen die Umweltschützer vehement, denn die durch Nestlé geplante Wasserentnahme ist mehr als vier Mal so gross wie die Menge an Wasser, die Seven Springs bisher abpumpte. «Der Santa Fe River ist bereits im Niedergang und es kommt nicht genug Wasser aus dem Grundwasserleiter selbst, um diese schönen, erstaunlichen Quellen wieder aufzuladen, die von Kultstatus und kulturellem Wert sind und für natürliche Systeme und die Lebensräume immens wichtig», warnt derweil Merrillee Malwitz-Jipson, Direktorin der gemeinnützigen Organisation Our Santa Fe River.


«Es ist unmöglich, Millionen von Gallonen Wasser zu entnehmen, ohne Auswirkungen zu haben. Wenn Sie eine beliebige Menge Wasser aus einem Glas entnehmen, haben Sie immer weniger.»
 


 

Nestlé ist eine Gefahr für viele Schildkröten-Populationen


«Nur an wenigen Orten auf der Erde leben so viele Schildkrötenarten zusammen, und etwa ein Viertel aller nordamerikanischen Süsswasserschildkrötenarten leben in diesem kleinen Flusssystem. Eine grosse Bedrohung für diese Vielfalt ist die Verschlechterung der Lebensräume, die mit verringerten Abflüssen einhergehen wird.»
 

Der Santa Fe Rivers und seine damit verbundenen Quellhabitate beherbergen elf einheimische Schildkrötenarten und vier nicht einheimische Arten, die allesamt auf einen starken Wasserfluss und Flusspegel angewiesen sind.

Weiterführende Informationen:
Nestlé plan to take 1.1m gallons of water a day from natural springs sparks outcry (The Guardian)
Nestlé will Wasser aus Naturparadies in Florida abpumpen – Umweltschützer laufen Sturm (Watson)

Vielleicht interessiert Dich auch:


Lokal. Regional. National. CH - www.ConvivaPlus.ch Autor: Schweiz - Redaktion

Die Schweiz kompakt - ConvivaPlus.ch
Lokales, regionales und nationales Wissen.

 

(Last updated: 31.08.2019, 11:26)