«Die Frauen in der Schweiz arbeiten ab 22. Oktober gratis»

Frauen würden im Privatsektor mit knapp durchschnittlich -20% so viel weniger Lohn als die Männer verdienen, dass sie aufgrund der Lohndifferenz ab dem 22. Oktober eigentlich gratis arbeiten.

«600 Franken pro Monat, 10 Milliarden Franken im Jahr, werden auf dem Buckel der Frauen gespart.» Ein Skandal.

Es gebe keinen Weg vorbei an höheren Frauenlöhnen, sonst könnten die Frauen nach dem 21. Oktober aufhören zu arbeiten und die Arbeit niederlegen. «Es könnte sein, dass die Frauen am 22. Oktober nicht mehr arbeiten kommen», sagt Unia-Präsidentin Alleva gegenüber «Nau». «Der Frauenstreik war nur der Anfang.»

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Frauenstreik Schweiz Lohngleichheit Gleichberechtigung


13‘100 Fr. statt 4'000 Fr. Mindestlohn

Schweizer Franken CHF Banknote


Ein Arbeitnehmer mit «3500 Fr. Lohn im Jahr 1989 müsste heute 13‘100 Fr. verdienen» ...


 

 

Frauenzahltag am 22. Oktober 2019

«Der Frauenstreik war nur der Anfang», kündigt die Präsidentin der Gewerkschaft Unia verheissungsvoll an. «Bis zum 21. Oktober sind die Frauen aufgrund der Lohndifferenz bezahlt. Danach arbeiten die Frauen im Erwerbsleben gratis. Es braucht dann einen Frauenzahltag und für alle darauffolgenden Tage auch.» Sie hoffe, die Arbeitgeber würden das Signal verstehen und gäben konkrete Antworten bezüglich Lohn in diesem Herbst. «Die skandalöse Lohndiskriminierung der Frauen erfordert zusätzliche Massnahmen in Form von Lohnerhöhungen», so Unia-Präsidentin Alleva (Quelle). Insbesondere in sämtlichen Berufen, die mit der Betreuung von Kindern, Kranken, Betagten und Hilfsbedürftigen beauftragt sind. Auch die SGB stellt unmissverständlich klar: «Die Schweiz muss in der Gleichstellung endlich vorwärtsmachen.»


Gleichstellung Frau/Mann:
Seit 37 Jahren verstösst die Schweiz gegen die eigene Verfassung

Gleichberechtigung Frauen Männer


«Man kann nicht nur "es bitzeli" gleichberechtigt sein. Entweder man ist es oder man ist es nicht» ...


 

 

Lohnverhandlungen 2019

Rund anderthalb Monate nach dem historischen Frauenstreik, der gemäss Schweizerischem Gewerkschaftsbund (SGB) «grössten politischen Mobilisierung» der Schweizer Geschichte seit dem Landesstreik, erhöhen die Frauen zusammen mit den Gewerkschaften SGB, Unia, VPOD, SEV und Syndicom den Druck. Sie tragen die Streikforderungen «nun mit Nachdruck in die Lohn- und GAV-Verhandlungen» im Herbst des wegweisenden Wahljahres 2019. Aus der Wut des Frauenstreiks solle konstruktive Kraft werden. Das heisst, die Frauen nutzen das neu geknüpfte und gut verzweigte Netzwerk aus der Frauenstreik-Mobilisierung, um sich weiter und schlagkräftiger zu organisieren.

Dementsprechend wird die Unia «im kommenden Lohnherbst neben Mindestlöhnen von 4000 Franken (mal 13) in Branchen mit hohem Frauenanteil generell faire Löhne für Frauen fordern», kündigt der SGB an. Auch VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz-Huber betont, dass es namentlich «im Gesundheitswesen bessere Löhne und Arbeitsbedingungen braucht, wie «die Umsetzung der Vorschrift 'Umkleidezeit ist Arbeitszeit’, Frühpensionierungsmöglicheiten ab 60 bei voller Rente und GAV in der privaten Pflege».» Aber auch in anderen Branchen und Berufszweigen soll der Druck erhöht werden. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) setzt sich für einen 18-wöchigen Mutterschaftsurlaub und einen zehn- bis 20-tägigen Vaterschaftsurlaub ein. Der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) fordert etwa in sämtlichen öffentlichen und subventionierten Betrieben «regelmässige Lohnüberprüfungen. Für gleiche Funktionen bei gleichen Voraussetzungen müsse eine “Toleranzschwelle 0” gelten. Die Unternehmen müssten regelmässige Analysen durchführen und Diskriminierungen ausmerzen», berichtet «telebasel».


SVP: «Wir lehnen Gleichstellung ab,
denn wir mögen die Unterschiede zwischen Mann und Frau»

SVP Logo Sonne Kopfschmerzen


Frauen seien gar besser gestellt als Männer. Der Beweis: «Ich war der beste Kandidat für den Verwaltungsratsposten - und ging wegen einer Frau leer aus» ...



 

 

Neuer Frauenstreik?

Droht eine neuerliche Arbeitsniederlegung der Frauen? Wirtschaft und Politik täten gut daran, auf die Zeichen des Frauenstreiks mit über einer halben Million Frauen auf den Strassen sowie auf deren Forderungen einzugehen. Es brauche jetzt konkrete Schritte, was Frauenlöhne, Elternurlaub, Kinderbetreuung, Diskriminierung am Arbeitsplatz sowie Massnahmen gegen sexuelle Belästigung angehe, sonst sei klar, dass sich die Frauen weiter mobilisieren werden, erklärt Gewerkschaftspräsidentin Alleva.

Der Frauenstreik habe gezeigt, «dass Diskriminierungen und Sexismus nicht mehr akzeptiert werden und es ein Umdenken braucht.» Die Gewerkschaften würden ihren Teil dazu beitragen, so der «SGB». Man darf also gespannt sein, wie die Frauenstreikbewegung ihren Anliegen ein besseres Gehör verschaffen wird. Wir halten Euch hier auf dem Laufenden.

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(Last updated: 02.08.2019, 21:07)