Klimawandel-Prognose 2050: «Das Ende der menschlichen Zivilisation höchst wahrscheinlich»

Ein neuer Klima-Bericht warnt, dass der Klimawandel im Jahr 2050 «mit hoher Wahrscheinlichkeit» das Ende der menschlichen Zivilisation einleiten wird, sollten nicht umgehend wirksame Gegenmassnahmen eingeleitet werden und ein grundlegender Wendepunkt einsetzen. Das Ausmass der Zerstörungen auf der Erde aufgrund von Klimaveränderungen werde anders als von der Politik angenommen alle aktuellen Vorhersagen übertreffen, so die beiden Autoren David Spratt, Forschungsdirektor des Breakthrough National Centre for Climate Restoration in Melbourne, und Ian Dunlop, früher ein internationaler Manager der Öl-, Gas- und Kohleindustrie und Vorsitzender des australischen Kohle-Verbands Australian Coal Association. Der Bericht geht vom schlimmstmöglichen Szenario aus und zeigt mögliche Folgen auf.

Inhalte:

 


Klimawandel Prognose Folgen Erde

 

 

«Mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende der menschlichen Zivilisation»

Das Ausmass des Klimawandels könnte bereits in 30 Jahren das Ende der menschlichen Zivilisation einleiten, zu diesem Schluss kommt der Klima-Bericht «Existential climate-related security risk» (“Existentielle klimabedingte Sicherheitsrisiken“) des australischen Thinktanks «Breakthrough». «Dabei handelt es sich nicht um eine neue wissenschaftliche Studie, sondern um den Versuch, auf Basis vorhandener Studien mögliche Zukunftsszenarien aufzuzeigen», schreibt etwa «Utopia». Die Autoren des Klimaberichts schlussfolgern in ihrer Untersuchung, dass ein Grossteil der Klimawandel-Forschungsdaten, auf die sich die Politik stützt, viel zu «konservativ und zurückhaltend» sind. Die Politik müsse bei der Bewältigung der Klimakrise auch die deutlich schwieriger zu berechnenden Worst-Case-Szenarien miteinbeziehen. Entsprechend geht der Klima-Bericht in seinen Szenarien von den schlimmstmöglichen Entwicklungen aus und gibt keine wissenschaftliche Vorhersage ab. Die Folgen dieser Entwicklungen seien aber «so umfangreich und schrecklich, dass es wichtig ist, zu erwägen, was sie bedeuten würden und zu verstehen, dass wir jeden möglichen Schritt tun müssen, um sie zu vermeiden», erklären die beiden Autoren Spratt und Dunlop.


 

 

Grösste globale Bedrohung nach Atomkrieg

Admiral Chris Barri, AC RAN im Ruhestand, Honorarprofessor im Zentrum für Strategie- und Verteidigungsstudien an der Coral Bell School für Asien-Pazifik-Angelegenheiten der Australian National University in Canberra, zudem Mitglied des Global Military Advisory Council zum Klimawandel und von 1998 bis 2002 Chef der australischen Streitkräfte, berichtet:

«Der australische Senat erkundigte sich 2017/18 nach den Auswirkungen des Klimawandels auf die nationale Sicherheit Australiens. Die Untersuchung ergab, dass der Klimawandel ein "gegenwärtiges und existenzielles nationales Sicherheitsrisiko" ist, eines mit dem "das vorzeitige Aussterben von intelligentem Leben auf der Erde oder die dauerhafte und drastische Zerstörung seines Potenzials für eine wünschenswerte zukünftige Entwicklung“ droht», so Admiral Chris Barri in der Einleitung des Klimaberichts. Barri habe der Untersuchung seinerseits mitgeteilt, «dass die vom Menschen verursachte globale Erwärmung nach dem Atomkrieg die grösste Bedrohung für das menschliche Leben auf dem Planeten darstellt. Die heute 7,5 Milliarden Menschen sind bereits die räuberischste Spezies, die es je gegeben hat. Die Weltbevölkerung hat ihren Höchststand aber noch gar nicht erreicht und kann bis zu 10 Milliarden Menschen erreichen, mit fatalen Folgen, sollte sich das menschliche Verhalten nicht grundlegend verändern.»

 

 

Verzweifelte Klimaforscher

Klimawandel untergehende Erde


«In Australien haben wir kürzlich Signale gesehen und gehört, dass die Ernsthaftigkeit unserer Notlage immer deutlicher wird. Zum Beispiel junge Frauen, die von ihrer Entscheidung sprechen, keine Kinder zu haben, und von Klimaforschern, die Depressionen eingestehen, weil sie die „unvermeidliche“ Natur einer Weltuntergangszukunft beobachten und mehr über Familie und Umsiedlung an „sicherere“ Orte nachdenken als über Arbeiten für weitere Forschungen», berichtet der frühere Chef der australischen Streitkräfte.
 

 

 

Der Wendepunkt Weltuntergangszukunft

«Wie mein Kollege Professor Will Steffen über die Klimaherausforderung gesagt hat: „Es ist kein technologisches oder wissenschaftliches Problem, es ist eine Frage der gesellschaftspolitischen Werte der Menschheit ... Wir brauchen einen sozialen Wendepunkt, der unser Denken umdreht, bevor wir zu einem Wendepunkt gelangen im Klimasystem." Eine Weltuntergangszukunft ist nicht unvermeidlich! Aber ohne sofortige drastische Massnahmen sind unsere Aussichten schlecht. Wir müssen gemeinsam handeln. Wir brauchen eine starke, entschlossene Führung in der Regierung, in der Wirtschaft und in unseren Gemeinden, um eine nachhaltige Zukunft für die Menschheit zu gewährleisten. Insbesondere unsere Nachrichtendienste und Sicherheitsdienste spielen eine entscheidende Rolle und tragen die treuhänderische Verantwortung, um diese existenzielle Klimabedrohung zu akzeptieren, und die Notwendigkeit eines grundlegend anderen Ansatzes für das Risikomanagement, der für ihre Überlegungen und ihre Beratung der Regierung von zentraler Bedeutung ist. Die Auswirkungen überwiegen bei weitem die konventionellen geopolitischen Bedrohungen», heisst es von Admiral Barri in dessen Analyse.

 

 

Erderwärmung bedroht unsere Spezies existenziell

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Die Klimaprognose kommt in ihren Szenarien zu folgenden, mahnenden Schlüssen:

• «In Anbetracht der Verpflichtungen der Nationen zum Pariser Übereinkommen von 2015 beträgt der derzeitige Erwärmungspfad 3 ° C oder mehr bis 2100.» Rückkopplungseffekte noch nicht einberechnet. «Aufgrund der beispiellosen Geschwindigkeit, mit der menschliche Aktivitäten das Klimasystem stören», würde der Pariser Weg «bis 2100 zu einer Erwärmung um 5 ° C führen


«Wissenschaftler warnen, dass eine Erwärmung von 4 ° C nicht mit einer organisierten globalen Gemeinschaft vereinbar ist, für die Mehrheit der Ökosysteme verheerende Folgen hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht stabil ist.» Die Weltbank sagt, «es könnte jedoch auch eine existenzielle Bedrohung für viele Völker und Regionen mit einem deutlich geringeren Erwärmungsgrad bestehen.»
 

• Der emeritierte Direktor des Potsdamer Instituts, Prof. Hans Joachim Schellnhuber, warnt: «Der Klimawandel ist jetzt am Ende, wo die Menschheit sehr bald wählen muss, ob sie beispiellose Massnahmen ergreifen oder akzeptieren will, dass dieser Weg zu spät verlassen wurde und das entsprechende Konsequenzen zeitigt.» Schellnhuber erklärt, dass, wenn wir den gegenwärtigen Weg fortsetzen, «das Risiko sehr gross ist, dass wir unsere Zivilisation beenden.» Die menschliche Spezies werde zwar irgendwie überleben, «aber wir werden fast alles zerstören, was wir in den letzten zweitausend Jahren aufgebaut haben.»

• Zudem erinnert uns Prof. Schellnhuber daran, dass wir niemals vergessen dürfen, in welcher einzigartigen Situation wir uns befinden, «in der es kein genaues historisches Analogon gibt. Das Niveau der Treibhausgase in der Atmosphäre ist jetzt höher und die Erde wärmer als je zuvor. Und jetzt leben fast acht Milliarden von uns auf diesem Planeten.»

 

 

Die Klimawandel-Prognose bis 2050

Sollten Politik und Entscheidungsträger die Erkenntnisse und Empfehlungen des Pariser Klimaabkommens ignorieren, könnte sich die Erde demnach bis ins Jahr 2030 bereits um 1,6 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erwärmen. «Erst ab 2030 würden die Emissionen beginnen zu sinken. Daraus – und aus durch die Erwärmung angestossenen Rückkopplungseffekten – würde eine Erwärmung von 3 Grad Celsius resultieren und aufgrund noch immer hoher Emissionswerte die Temperatur weiter ansteigen», fasst es «Utopia» zusammen.

 

Klimawandel-Folgen:

Erde Fünf vor Zwölf Klimawandel

Die Folgen wären gemäss Klimabericht gelinde gesagt verheerend.

  • «Während der Meeresspiegel bis 2050 um 0,5 Meter angestiegen ist, kann er bis 2100 um 2 bis 3 Meter ansteigen, und aus historischen Analogien geht hervor, dass die Meere letztendlich um mehr als 25 Meter ansteigen können.»

  • «35 Prozent der globalen Landfläche und 55 Prozent der Weltbevölkerung sind mehr als 20 Tagen im Jahr tödlichen Hitzebedingungen ausgesetzt, die über die Schwelle der menschlichen Überlebensfähigkeit hinausgehen.»

  • «Die Destabilisierung des Jet Streams hat die Intensität und die geografische Verteilung des asiatischen und westafrikanischen Monsuns erheblich beeinflusst und wirkt sich zusammen mit der weiteren Verlangsamung des Golfstroms auf die Lebenserhaltungssysteme in Europa aus.»

  • «Nordamerika leidet unter verheerenden Wetterextremen wie Waldbränden, Hitzewellen, Dürre und Überflutung. Der Sommermonsun in China ist gescheitert, und die Wasserflüsse in die großen Flüsse Asiens werden durch den Verlust von mehr als einem Drittel des Himalaya-Eises stark gemindert. In den Anden beträgt der Gletscherverlust 70 Prozent, und in Mexiko und Mittelamerika sinkt der Niederschlag um die Hälfte. Es herrschen semipermanente El Nino-Bedingungen

  • «Über 30 Prozent der Landfläche der Welt sind trocken. Die Wüstenbildung ist im südlichen Afrika, im südlichen Mittelmeerraum, in Westasien, im Nahen Osten, im australischen Inland und im Südwesten der Vereinigten Staaten stark.»

  • «Auswirkungen: Eine Reihe von Ökosystemen bricht zusammen, darunter Korallenriffsysteme, der Amazonas-Regenwald und die Arktis.»

  • «Einige ärmere Nationen und Regionen, denen es an Kapazität mangelt, ihre Bevölkerung mit künstlich gekühlten Umgebungen zu versorgen, sind nicht mehr lebensfähig. In Westafrika, dem tropischen Südamerika, dem Nahen Osten und Südostasien herrschen mehr als 100 Tage im Jahr tödliche Hitzebedingungen, die zusammen mit der Verschlechterung des Bodens und dem Anstieg des Meeresspiegels dazu beitragen, dass möglicherweise eine Milliarde Menschen vertrieben werden.“

  • «Die Wasserverfügbarkeit nimmt in den am stärksten betroffenen Regionen in niedrigeren Breiten (trockene Tropen und Subtropen) stark ab und betrifft weltweit etwa zwei Milliarden Menschen. In den trockenen Subtropen ist die Landwirtschaft nicht mehr lebensfähig.»

  • «In den meisten Regionen der Welt ist ein erheblicher Rückgang der Nahrungsmittelproduktion und eine zunehmende Anzahl extremer Wetterereignisse zu verzeichnen, darunter Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme. Die Nahrungsmittelproduktion reicht nicht aus, um die Weltbevölkerung zu ernähren, und die Nahrungsmittelpreise steigen sprunghaft an, was auf einen Rückgang der Ernteerträge um ein Fünftel, einen Rückgang des Nährstoffgehalts von Nahrungspflanzen, einen katastrophalen Rückgang der Insektenpopulationen, Wüstenbildung, Monsunversagen und chronische Krankheiten zurückzuführen ist  Wasserknappheit und zu heisse Bedingungen für den menschlichen Lebensraum in wichtigen Anbaugebieten.»

  • «Die Unterläufe der landwirtschaftlich wichtigen Flussdeltas wie der Mekong, der Ganges und der Nil sind überflutet, und bedeutende Sektoren einiger der bevölkerungsreichsten Städte der Welt - darunter Chennai, Mumbai, Jakarta, Guangzhou, Tianjin, Hongkong, Ho-Chi-Minh  Stadt, Shanghai, Lagos, Bangkok und Manila - werden aufgegeben

  • «Einige kleine Inseln werden unbewohnbar.»

  • «Zehn Prozent von Bangladesch sind überflutet und vertreiben 15 Millionen Menschen.»

  • «Laut dem Bericht der Global Catastrophic Risks 2018 der Global Challenges Foundation müssen trotz einer Erwärmung von 2 ° C möglicherweise mehr als eine Milliarde Menschen aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels umgesiedelt werden.»

  • «Die Überschwemmung von Küstengemeinden auf der ganzen Welt, insbesondere in den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Südasien und China, kann regionale und sogar nationale Identitäten in Frage stellen

 

Wie in Kriegszeiten:


«Um solche Risiken zu verringern oder zu vermeiden und die menschliche Zivilisation zu erhalten, ist es unerlässlich, in kürzester Zeit ein emissionsfreies Industriesystem aufzubauen.» Das erfordere «die weltweite Mobilisierung von Ressourcen im auf Grundlage eines Notfalls, ähnlich wie in Kriegszeiten», schlussfolgert und warnt der Klimabericht.
 

Quellen & weiterführende Informationen:
• Klima-Bericht «Existential climate-related security risk» (Breakthrough)

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(Last updated: 08.07.2019, 19:25)