Landesweiter Frauenstreik: Der grösste Streik der Schweiz

«Wenn Frau will, steht alles still!» Auf den Tag genau 28 Jahre nach dem ersten und bislang einzigen Frauenstreik in der Schweiz, an dem über eine halbe Million Menschen teilnahmen und ihre Arbeit niederlegten (viel grösser als der Landesstreik von 1918), kommt es nun zum zweiten landesweiten Frauenstreik. In fast allen Kantonen haben sich bereits eigene Streikkomitees gebildet, von Zürich, Bern, Basel, über Genf, Lausanne, Tessin bis hin ins Wallis.


«Wir werden überall streiken: nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch zu Hause. Je nachdem wo wir sind und wie wir leben, werden wir unterschiedlich streiken: Arme verschränken, während ein paar Momenten oder während des ganzen Tages, stören statt aufzuräumen, am Tag und in der Nacht unsere Strassen und den öffentlichen Raum für uns besetzen. Unser Streik richtet sich nicht gegen die Männer, sondern gegen das Patriarchat, das ausgedient hat!»
 

Frauenstreik Schweiz Lohngleichheit Gleichberechtigung

Inhalte:

 




 

Der grösste Streik der Schweiz:

Nächstes Jahr kommt es zum schweizweiten Frauenstreik. Frauen und solidarische Männer legen ihre Arbeit nieder. Die Vorbereitungen für den Streiktag laufen in allen Landesteilen auf Hochtouren. Bereits haben sich Frauenstreik-Komitees in Zürich, Bern, Basel, Genf, Lausanne, Tessin und im Wallis gebildet.

Dass die Forderungen berechtigt sind, ist unbestritten. Dass ein Streik Wirkung zeigen kann ebenso. Auf den ersten Frauenstreik am 14. Juni 1991 mit über 500'000 streikenden Menschen folgte 1996 ein Gesetz über die Gleichstellung von Männern und Frauen.


Es war dies in der Schweizer Geschichte die Streikaktion mit der grössten Beteiligung; am Landesstreik vom November 1918 hatten sich rund 250’000 Personen beteiligt.
 

Aufgerufen hatte damals der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB). Anlass war das zehnjährige Bestehen des Verfassungsartikels «Gleiche Rechte für Mann und Frau» von 1980, auf den aber keine gesetzliche Umsetzung folgte. «Im ganzen Land beteiligten sich am 14. Juni Frauen an vielfältigen Streikaktionen und tauchten Strassen und Plätze in ein Meer von Lila. In Bern wurde mit Trillerpfeifen der abgesperrte Bundesplatz gestürmt, auf dem sich politische Prominenz zu einer Feier der 700-jährigen Eidgenossenschaft versammelt hatte», berichtet das «Sozialarchiv» über den Frauenstreik.

 

 

Zweiter Frauenstreik 2019:


Frauen*streik – grève féministe 14.6.2019

Gleichberechtigung. Punkt. Schluss!
Egalité. Point final!
 

«Es ist ein gesellschaftlicher Streik. Und weil die Gesellschaft Frauen grundsätzlich unterdrückt, sind davon auch alle in der einen oder anderen Form betroffen», erklärt die Journalistin Itziar Maranon in der «work». In fast allen Kantonen haben sich bereits eigene Streikkomitees gebildet. Verschiedene Arbeitsgruppen in Bern koordinieren, kommunizieren und unterstützen derweil die Streikgruppen in allen Landesteilen.


Schweizerische Volkspartei (SVP):
«Wir lehnen die Gleichstellung ab. Wir mögen die Unterschiede zwischen Mann und Frau»

«Eine weitergehende Gleichstellung, zumindest eine staatlich geförderte, lehnen wir von der SVP ab. Wir mögen die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau» ...


«Die Lohngleichheit muss endlich umgesetzt, die alltägliche Arbeit von Frauen anerkannt und die Gewalt an Frauen gestoppt werden. Doch mit der bürgerlichen Mehrheit in Bern sind wir weit davon entfernt, dass diese Forderungen erfüllt werden», warnen SP und Juso. Auch der Frauenkongress des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) hat im Januar 2018 beschlossen, für den 14. Juni 2019 zum Frauenstreik aufzurufen. Dass es zu einem Streik kommen wird, steht also mittlerweile fest. Dass mit landesweiter Unterstützung und einer hohen Zahl an Streik-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern gerechnet werden kann, ebenfalls. Darauf deutet die Teilnahme der 20‘000 Menschen starken Lohngleichheit-Demo, die mit ihrer Präsenz auf den Strassen Berns am 22. September 2018 ein lautstarkes Zeichen gesetzt haben.


Für einen schweizweiten Frauen*streik 2019! [video]:


 


Aufruf an alle Frauen*
«Wir warten nicht mehr länger! Vor 37 Jahren hat die Bevölkerung einen Verfassungsartikel zur Gleichstellung von Männern und Frauen angenommen. Vor 22 Jahren trat das Gleichstellungsgesetz in Kraft. Dennoch sind unsere Löhne und Renten immer noch tiefer. Wir arbeiten Teilzeit, weil wir zwei Drittel der Hausarbeit wie Haushalt, Küche, Wäsche sowie die Betreuung und Pflege für Kinder, Grosskinder, kranke und pflegebedürftige Angehörige bewerkstelligen. Ohne diese unbezahlte Arbeit, die zum Wohlstand bedeutend beiträgt, würde die Schweiz ganz einfach nicht funktionieren. Diese Arbeit muss endlich besser anerkannt werden!

Wir haben genug von Sexismus und von allen anderen Formen der Gewalt. Gleichstellung heisst: leben ohne Angst vor Angriffen, arbeiten ohne Angst vor Belästigung, nach Hause zu gehen ohne Angst vor Schlägen und Misshandlungen. Wir fordern Respekt für unseren Körper und unser Leben! Alle Formen der Gewalt gegen Frauen* müssen aufhören. Unser Recht auf Selbstbestimmung muss anerkannt werden.

Wir wollen eine Gesellschaft, die auf Gleichstellung und Solidarität beruht: ohne Diskriminierung, ohne Sexismus und ohne Gewalt gegen Frauen*. Dies soll für alle, unabhängig von unserer Hautfarbe, Kultur, Herkunft, Religion, Nationalität, unserer sexuellen Orientierung, Geschlechteridentität, Alter oder unserer sozialen Stellung!»
 


Alle Infos und News gibt es auf der offiziellen Webseite des Frauenstreiks 2019.
 


Frauenstreik 14. Juni 1991: Der Aufstand gilt dem Patriarchat [video]:


 

Weiterführende Informationen:
Warum ein Frauen*streik? (BfS)
«Wir haben schon entschieden: Der Streik wird stattfinden» (WoZ)
«Es braucht einen neuen Frauenstreik, damit die Gesellschaft den Frauen endlich mal zuhört» (Tageswoche)
Vor 25 Jahren: Der Frauenstreiktag vom 14. Juni 1991 (Sozialarchiv)


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(Last updated: 05.12.2018, 13:06)