Die Zucker-Lobby im Parlament und in der Gesundheitskommission diktiert Gesetze


Die Schweiz ist völlig überzuckert. Denn die Zucker-Lobby ist mächtig und einflussreich: Sie hockt mit dem unscheinbaren Namen «Informationsgruppe Erfrischungsgetränke» mitten im Bundeshaus - im Parlament und sogar in den wichtigen Gesundheitskommissionen. Mit Vertretern von Red Bull, Coca-Cola, Ramseyer und Rivella im Vorstand. Und sie verhindert erfolgreich griffige Gesetze.

Inhalt:

 


 

Die Schweiz ist überzuckert:

Zucker im Fanta Getränk Würfelzucker

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal 25 Gramm Zucker pro Tag (6 Würfelzucker). Das sind pro Jahr empfohlen maximal 9,12 kg Zucker.


Die Schweizerinen und Schweizer verbrauchen jedoch 110 Gramm Zucker pro Tag (28 Würfelzucker). Das sind pro Jahr 40,1 Kilogramm Zucker. Also mehr als vier Mal so viel, wie von der WHO empfohlen.
 

Das heisst: Ein Becher Früchtejoghurt (6 Würfelzucker) und der empfohlene Tagesbedarf an Zucker ist bereits erreicht. Drei Deziliter CocaCola sind bereits zu viel.

Weitere Beispiele:

  • 150 Gramm Gummibärchen enthalten 29 Würfelzucker.
  • 5 dl Fanta Lemon enthalten 14 Würfelzucker.
  • 5 dl Coca-Cola enthalten 13 Würfelzucker
  • 5 dl Rivella rot enthalten 11 Würfelzucker
  • Ein Becher Früchtejoghurt enthält 6 Stück Würfelzucker.
  • 30 Gramm Cornflakes enthalten 6 Würfelzucker.
  • Ein Glas Cola enthält 5,5 Würfelzucker.
  • Eine Tiefkühlpizza enthält 4,3 Würfelzucker.
  • 100 Gramm Beutelsuppe enthält 2,5 Würfelzucker.
  • 20 Gramm Ketchup enthalten 1,5 Stück Würfelzucker.
  • 200 Gramm Salami enthalten ein halber Würfelzucker.

Quellen: BZ. Ktipp.

Die Schweiz liegt in punkto Zuckerverbrauch pro Kopf auf Platz fünf der Weltrangliste. Der Verbrauch ist hierzulande sogar höher als in den USA.

 

Die Zucker-Lobby im Parlament:

Ein Fall für die (Gesundheits-)Politik. Doch alle Vorstösse für griffige Massnahmen, z.B. eine Zuckersteuer wie sie Grossbritannien und Irland kennen (siehe weiter unten), sind im Parlament chancenlos. Der mächtigen Zucker-Lobby sei dank.

Zucker Gesundheit

«Zucker ist sicher nicht ungesund. Zu viel Zucker ist ungesund», so FDP-Nationalrätin Isabelle Moret, «oberste Lebensmittelindustrie-Lobbyistin im Bundeshaus» gegenüber «srf». Als Präsidentin der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) repräsentiert die FDP-Nationalrätin die gesamte Schweizer Nahrungsmittel-Industrie.

Die Zucker-Lobbyorganisation «Informationsgruppe Erfrischungsgetränke» leistet derweil an den Schalthebeln der politischen Macht Widerstand gegen entsprechende Vorstösse. Mit Erfolg. Präsident der Lobbygruppe ist BDP-Nationalrat Lorenz Hess. Daneben umfasst die Zuckerlobbygruppe weitere 13 «Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus dem bürgerlichen Lager und der Mitte».


6 der 14 Zuckerlobby-Mitglieder sitzen in den wichtigen Gesundheitskommissionen von Nationalrat oder Ständerat.
 

 

Liste der Zuckerlobby-Politiker:

Gewählter Politiker-Lobbyist Partei
Lorenz Hess BDP-Nationalrat
Martin Landolt BDP-Nationalrat
Sebastian Frehner SVP-Nationalrat
Andrea Geissbühler SVP-Nationalrätin
Franz Ruppen SVP-Nationalrat
Jürg Stahl SVP-Nationalrat
Bruno Walliser SVP-Nationalrat
Brunno Pezatti FDP-Nationalrat
Isabelle Moret FDP-Nationalrätin
Ida Glanzmann CVP-Nationalrätin
Jakob Büchler CVP-Nationalrat
Alois Gmür CVP-Nationalrat
Konrad Graber CVP-Ständerat
Marco Romano CVP-Nationalrat

 

Die Zuckersteuer:


Zuckersteuer in Grossbritannien: Ab 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter müssen Süssgetränk-Hersteller in Grossbritannien 18 Pence Zuckersteuer bezahlen. Bei mehr als 8 Gramm Zucker erhöht sich die Zucker-Abgabe auf 27 Pence pro 100 Milliliter. Die britische Regierung rechnet mit Einnahmen von jährlich 240 Millionen Pfund (324 Millionen Franken). Die Einnahmen aus der Zuckersteuer sollen in die Prävention fliessen (z.B. Sportprogramme für Kinder sowie Schulessen). Grossbritannien folgt damit ähnlichen Modellen wie Frankreich, Mexiko und Norwegen.
 


Zuckersteuer in Irland: In Irland gilt seit April 2018 eine Zuckersteuer von 20 Cent pro Liter ab 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Bei mehr als 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter gilt eine Zuckersteuer von 30 Cent.
 


Zuckersteuer in der Schweiz? Die Schweiz hingegen kennt keine solche Regelung.
 

Zucker Lobby Würfelzucker Gesundheit


«Der Zucker hat im Parlament eine gute Lobby.» (Konsumentenschützerin und SP-Nationalrätin Prisca-Birrer-Heimo) - «Der übermässige Zuckerkonsum führt unter anderem dazu, dass in der Schweiz fast jedes fünfte Kind und fast jeder zweite Erwachsene übergewichtig ist.» (Ktipp)
 

Weiterführende Informationen:
Die Zuckerlobby im Parlament (SRF)
Die süsse Versuchung (Stiftung für Konsumentenschutz)

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(Last updated: 04.11.2018, 13:13)