Volksinitiative will Massentierhaltung in der Schweiz abschaffen

Die Massentierhaltung in der Schweiz soll abgeschafft werden, fordert die nationale Volksinitiative "Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)". Kein Tier soll künftig mehr unter solchen Bedingungen leben müssen.


«Die Massentierhaltung treibt die Klimaerwärmung voran, verschärft Welthunger und Wasserknappheit, verursacht Antibiotikaresistenzen und verletzt den Verfassungsgrundsatz des Tierschutzes.»
 

Inhalte:

Kühe in der Massentierhaltung

 




Die Massentierhaltungsinitiative

Die Tierrechts-Organisation Sentience Politics kritisiert zusammen mit weiteren Tierschutz- und Umweltorganisationen, dass ein grosser Teil der 50 Millionen in der Schweiz gezüchteten und geschlachteten Landtiere unter prekären Bedingungen gehalten wird, die selbst «ihre grundlegendsten Bedürfnisse missachten».

Die Eidgenössische Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)» fordert daher eine Verfassungsänderung zur landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die Initianten haben bis zum 12. Dezember 2019 Zeit, um die für Volksinitiativen notwendigen 100‘000 Unterschriften zu sammeln und bei der Bundeskanzlei einzureichen. Für die Umsetzung der Initiative sind maximale Übergangsfristen von 25 Jahren vorgesehen.


«Die Industrie verbreitet dabei absichtlich die Illusion, dass es in der Schweiz keine Massentierhaltung gebe – obwohl die meisten Schweizer „Nutztiere“ in ihrem Leben weder Gras noch Sonnenlicht sehen.»
 

 

Initiativtext:

Die Volksinitiative lautet:
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

80a Landwirtschaftliche Tierhaltung

1 Der Bund schützt die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die Tierwürde umfasst den Anspruch, nicht in Massentierhaltung zu leben.

2 Massentierhaltung bezeichnet die industrielle Tierhaltung zur möglichst effizienten Gewinnung tierischer Erzeugnisse, bei der das Tierwohl systematisch verletzt wird.

3 Der Bund legt Kriterien insbesondere für eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, den Zugang ins Freie, die Schlachtung und die maximale Gruppengrösse je Stall fest.

4 Er erlässt Vorschriften über die Einfuhr von Tieren und tierischen Erzeugnissen zu Ernährungszwecken, die diesem Artikel Rechnung tragen.

Art. 197 Ziff. 125

12. Übergangsbestimmungen zu Art. 80a (Landwirtschaftliche Tierhaltung)

1 Die Ausführungsbestimmungen zur landwirtschaftlichen Tierhaltung gemäss Artikel 80a können Übergangsfristen von maximal 25 Jahren vorsehen.

2 Die Ausführungsgesetzgebung muss bezüglich Würde des Tiers Anforderungen festlegen, die mindestens den Anforderungen der Bio-Suisse-Richtlinien 20186 entsprechen.

3 Ist die Ausführungsgesetzgebung zu Artikel 80a nach dessen Annahme nicht innert drei Jahren in Kraft getreten, so erlässt der Bundesrat die Ausführungsbestimmungen vorübergehend auf dem Verordnungsweg.

 

Treibhausgasemissionen:

Die immensen Treibhausgasemissionen und die Rodung riesiger Waldflächen sind für den Klimawandel mitverantwortlich.


«Die Welternährungsorganisation der UNO (Food and Agriculture Organisation, FAO) schätzt, dass die Massentierhaltung für 14,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Dies entspricht ungefähr den Gesamtemissionen des weltweiten Verkehrs. [...] Für die Schweiz haben Forscher der ETH ermittelt, dass die Verkleinerung der Tierbestände die Potenteste aller Massnahmen zur Reduktion der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen ist.»
 


 

Wasserverschmutzung:

Die Massentierhaltung nutzt die natürlichen Ressourcen der Erde sehr ineffizient und verschmutzt Wasser und Atmosphäre.


«Die Überdüngung mit phosphorhaltigen Düngemitteln führte in verschiedenen Schweizer Seen zu einer starken Algenbildung und infolgedessen zum Tod vieler Fische aufgrund Sauerstoffmangels (“Fischsterben”). Zudem stammen die Hälfte aller Antibiotikarückstände und 37% der giftigen Schwermetalle aus der Nutztierhaltung. Die Wasserverschmutzung wird ausserdem durch die Futtermittelproduktion verursacht. Mehr als ein Drittel der Pestizide, die im Wasserhaushalt enden, kommen aus der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.»
 

 

Wasserverbrauch:


«Die Produktion tierischer Produkte ist erheblich wasserintensiver als die Herstellung pflanzlicher Nahrungsmittel. Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch werden im globalen Durchschnitt mehr als 15’000 l Wasser benötigt. Das entspricht fast 100 Badewannen. In niederschlagsarmen Regionen wird die Wasserknappheit durch die Produktion von Fleisch und Futtermitteln signifikant verschärft. Die Schweiz importiert pro Jahr rund eine Million Futtermittel und verschärft damit indirekt die Wasserknappheit in Entwicklungsländern.»
 

Weiterführende Informationen:
Unterschriftenbogen (Volksinitiative)
Argumentarium (Sentience Politics)
Bundesblatt (Bundeskanzlei)
Massentierhaltung.ch (Sentience Politics)

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(Last updated: 14.06.2018, 21:09)