Altersarmut: Ü50-jährige Arbeitslose wandern aus der CH aus


«Wenn die Leute wüssten, wie viele über 50 ohne Job sind, ginge ein Aufschrei durchs Land», ist sich der ausgewanderte Otto Bachmann sicher.


Im Jahr 2016 waren in der Schweiz insgesamt 30'110 Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren auf Sozialhilfe angewiesen: +50% mehr als noch im Jahr 2011.
 

Doch: «Das ist nur die Spitze des Eisbergs», erklärt Felix Wolffers, Co-Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos), im «Beobachter».

Inhalt:

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Es kann jeden treffen:

Gut qualifizierte Arbeitnehmer über 55 Jahre landen in der Schweiz immer öfter auf dem Sozialamt. Die Zahl würde eigentlich noch deutlich höher ausfallen, wenn nicht so viele dieser Personen Reissaus nehmen und aus dem System Schweiz aussteigen würden.

Dabei haben die meisten von ihnen in der Regel durchaus ein mustergültiges, gutbürgerliches Leben geführt: Regelmässig ein Leben lang gearbeitet, ein Leben lang Weiterbildungen absolviert und jeweils pflichtbewusst die Steuern einbezahlt. Nichts hätte auf die drohende Altersarmut hingedeutet. Und doch finden sie sich kurz vor dem Rentenalter «am Rand der Gesellschaft» wieder, wie der «Beobachter» schreibt.

Wenn über 55-Jährige in der Schweiz ihren Job verlieren, haben sie äusserst miese Chancen, überhaupt wieder eine feste Arbeit zu finden und sich in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren. Noch schlimmer steht es um Ausgesteuerte, die aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik „fallen“.


Von ihnen finden lediglich 14,3% zurück zu einer nachhaltigen Erwerbstätigkeit.
 

Sozialhilfe: Zwar liegt die Sozialhilfeempfängerquote bei über 55-Jährigen unter dem nationalen Durchschnitt. Allerdings beziehen gerade bei den über 55-Jährigen eben nicht alle Sozialhilfe - trotz Anrecht auf Sozialhilfe. Und leben beispielsweise von erspartem Geld oder vom Lohn des Partners.

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit:

«Die verdeckte Arbeitslosigkeit ist in dieser Altersgruppe riesig», zitiert der «Beobachter» Daniel Neugart, Geschäftsführer des Schweizerischen Arbeitnehmer- und Arbeitslosenverbands Save 50Plus.

«Sie zeichnen ein Bild des faulen Arbeitslosen. Tatsache ist, dass die Leute alles tun, um wieder einen Job zu finden.» Neugart fordert daher den Verbleib in der Arbeitslosenkasse und eine faire Arbeitslosenstatistik.


«Das Problem betrifft bereits Leute ab Mitte 40. Lägen die realen Zahlen auf dem Tisch, wären Politik und Wirtschaft gezwungen, etwas zu tun.»
 

 

Arbeitslosigkeit verschärft sich:

Die Lage spitzt sich in den kommenden Jahren zu. Insbesondere die Automatisierung von Arbeitsprozessen schreitet weiter voran. Auch streichen zahlreiche Konzerne wie z.B. Pharmamulti Roche oder General Electric im Namen der "Renditemaximierung" Stellen im grossen Stil. «Dabei zeigt sich, dass systematisch ältere Arbeitskräfte entlassen werden», hält «srf» fest.

 

Auswandern als letzter Ausweg:

Die Schere zwischen Arm und Reich wird unaufhörlich grösser. Die Löhne der einfachen Arbeitnehmer stagnieren, während die Lebenserhaltungskosten und Krankenkassenprämien weiter steigen. Das Leben in der Schweiz ist im weltweiten Vergleich von 93 Ländern am teuersten. Selbst wer über eine feste Anstellung verfügt, kann sich seines Jobs nicht zu 100% sicher sein. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen leider, Stellenstreichungen können jedem und jederzeit drohen - auch wenn es besagtem Unternehmen wirtschaftlich rund läuft ("Renditemaximierung"). Dazu gelten hierzulande 145’000 Menschen als Working Poors (arme Arbeitende), die zwar arbeiten - und trotzdem arm bleiben. Mittlerweile leben 7,5% der Schweizer Bevölkerung in Armut. Nach Sozialleistungen ist das Armutsrisiko in der Schweiz gar höher als in der Slowakei.

Wer mit 50Plus arbeitslos wird, der hat nurmehr geringe Chancen auf eine nachhaltige Reintegration in den hiesigen Arbeitsmarkt. Auswandern in einen Staat bzw. in eine Region, in der der Lebensunterhalt um ein Vielfaches tiefer liegt als in der Schweiz, ist deshalb für viele arbeitslose über 50-Jährige oftmals und zunehmend der letzte Ausweg, um noch irgendwie der drohenden Armut zu entfliehen.

Weiterführende Informationen:
Letzter Ausweg Ausland? (Beobachter)
Über 50 ohne Arbeit – unten durch in der Gesellschaft? (SRF)


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(Last updated: 22.10.2018, 19:50)