Altersarmut: Ü50-jährige Arbeitslose wandern aus der CH aus

«Wenn die Leute wüssten, wie viele über 50 ohne Job sind, ginge ein Aufschrei durchs Land», ist sich der ausgewanderte Otto Bachmann sicher.

Im Jahr 2017 waren in der Schweiz insgesamt 54'615 Personen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren auf Sozialhilfe angewiesen. Tendenz massiv steigend. Denn die Anzahl der Ü50-Sozialhilfebeziehenden stieg zwischen 2011 und 2017 von 38'484 auf 54'615 Personen, also um satte +42% an, während die Schweizer Wohnbevölkerung in der gleichen Altersklasse und im gleichen Zeitraum lediglich um 14% zunahm.

Doch: «Das ist nur die Spitze des Eisbergs», erklärt Felix Wolffers, Co-Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos), im «Beobachter». Die folgenden Zahlen sprechen Bände - und sind alarmierend.

Inhalt:

Brot Brotkrümel Armut Essen

 


 

 

Es kann jeden treffen:

Gut qualifizierte Arbeitnehmer über 55 Jahre landen in der Schweiz immer öfter auf dem Sozialamt. Die Zahl würde eigentlich noch deutlich höher ausfallen, wenn nicht so viele dieser Personen Reissaus nehmen und aus dem System Schweiz aussteigen würden.


Dabei haben die meisten von ihnen in der Regel durchaus ein mustergültiges, gutbürgerliches Leben geführt: Regelmässig ein Leben lang gearbeitet, ein Leben lang Weiterbildungen absolviert und jeweils pflichtbewusst die Steuern einbezahlt. Nichts hätte auf die drohende Altersarmut hingedeutet. Und doch finden sie sich kurz vor dem Rentenalter «am Rand der Gesellschaft» wieder, wie der «Beobachter» schreibt.

Wenn über 55-Jährige in der Schweiz ihren Job verlieren, haben sie äusserst miese Chancen, überhaupt wieder eine feste Arbeit zu finden und sich in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren. Noch schlimmer steht es um Ausgesteuerte, die aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik „fallen“.


Von ihnen finden lediglich 14,3% zurück zu einer nachhaltigen Erwerbstätigkeit.
 


ATTACKE AUF BEHINDERTE & BETAGTE
durch die Parteien FDP+SVP


Alte Menschen Grossvater Kind Generationen


Die FDP und SVP kürzen über 700 Millionen Franken an Ergänzungsleistungen. 300‘000 betagte u. behinderte Menschen betroffen ...


 

 

Immer mehr Ü50 sind auf Sozialhilfe angewiesen:

Zwar liegt die Sozialhilfeempfängerquote bei über 55-Jährigen unter dem nationalen Durchschnitt. Allerdings beziehen gerade bei den über 55-Jährigen eben nicht alle Sozialhilfe - trotz Anrecht auf Sozialhilfe. Und leben beispielsweise von erspartem Geld oder vom Lohn des Partners.

Die Entwicklung lässt in der Tat aufhorchen. Bei den 50- bis 64-Jährigen zeigt sich in der Schweiz zwischen den Jahren 2011 und 2017 ein relativ starker Anstieg der Sozialhilfequote von 2,5 auf 3,2%, was einer Zunahme von +28% entspricht. Die entsprechende Entwicklung fällt bei den 18- bis 35-Jährigen mit 8% bzw. mit 12% bei den 36- bis 49-Jährigen deutlich geringer aus. Die Sozialhilfequote der Gesamtbevölkerung verzeichnet im selben Zeitraum einen Anstieg von 10%. Nirgends steigt die Sozialhilfequote rascher und stärker als bei den 50- bis 64-Jährigen - obwohl die Sozialhilfebeziehenden in dieser Altersklasse deutlich besser ausgebildet sind als die jüngeren Altersgruppen.

 

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit:

«Die verdeckte Arbeitslosigkeit ist in dieser Altersgruppe riesig», zitiert der «Beobachter» Daniel Neugart, Geschäftsführer des Schweizerischen Arbeitnehmer- und Arbeitslosenverbands Save 50Plus.

«Sie zeichnen ein Bild des faulen Arbeitslosen. Tatsache ist, dass die Leute alles tun, um wieder einen Job zu finden.» Neugart fordert daher den Verbleib in der Arbeitslosenkasse und eine faire Arbeitslosenstatistik.


«Das Problem betrifft bereits Leute ab Mitte 40. Lägen die realen Zahlen auf dem Tisch, wären Politik und Wirtschaft gezwungen, etwas zu tun.»
 

 

 

Arbeitslosigkeit verschärft sich:

Die Lage spitzt sich in den kommenden Jahren zu. Insbesondere die Automatisierung von Arbeitsprozessen schreitet weiter voran. Auch streichen zahlreiche Konzerne wie z.B. Pharmamulti Roche oder General Electric im Namen der "Renditemaximierung" Stellen im grossen Stil. «Dabei zeigt sich, dass systematisch ältere Arbeitskräfte entlassen werden», hält «srf» fest.


Kranke sollen Arztrechnungen und Spitalaufenthalte selber zahlen
Die Schweizerinnen und Schweizer sollen «mehr Eigenverantwortung übernehmen»

Krankenkasse Gesundheit Kosten Prämie


Die FDP hat bereits mehrere entsprechende Vorstösse im bürgerlich-rechts dominierten Parlament lanciert ...



 

 

Auswandern als letzter Ausweg:

Die Schere zwischen Arm und Reich wird unaufhörlich grösser. Die Löhne der einfachen Arbeitnehmer stagnieren, während die Lebenserhaltungskosten und Krankenkassenprämien weiter steigen. Das Leben in der Schweiz ist im weltweiten Vergleich von 93 Ländern am teuersten. Selbst wer über eine feste Anstellung verfügt, kann sich seines Jobs nicht zu 100% sicher sein. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen leider, Stellenstreichungen können jedem und jederzeit drohen - auch wenn es besagtem Unternehmen wirtschaftlich rund läuft ("Renditemaximierung"). Dazu gelten hierzulande 145’000 Menschen als Working Poors (arme Arbeitende), die zwar arbeiten - und trotzdem arm bleiben. Mittlerweile leben 7,5% der Schweizer Bevölkerung in Armut. Nach Sozialleistungen ist das Armutsrisiko in der Schweiz gar höher als in der Slowakei.

Wer mit 50Plus arbeitslos wird, der hat nurmehr geringe Chancen auf eine nachhaltige Reintegration in den hiesigen Arbeitsmarkt. Auswandern in einen Staat bzw. in eine Region, in der der Lebensunterhalt um ein Vielfaches tiefer liegt als in der Schweiz, ist deshalb für viele arbeitslose über 50-Jährige oftmals und zunehmend der letzte Ausweg, um noch irgendwie der drohenden Armut zu entfliehen.

Weiterführende Informationen:
Sozialhilfebeziehende 2017 (BfS)
Letzter Ausweg Ausland? (Beobachter)
Über 50 ohne Arbeit – unten durch in der Gesellschaft? (SRF)



Artikel zum Thema:



Vielleicht interessiert Dich auch:


Lokal. Regional. National. CH - www.ConvivaPlus.ch Autor: Schweiz - Redaktion

Die Schweiz kompakt - ConvivaPlus.ch
Lokales, regionales und nationales Wissen.

 

(Last updated: 02.03.2019, 08:56)