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1:12-Initiative - Pro Contra Argumente - Abstimmung: 1zu12

Der Schweiz steht ein heisser Abstimmungskampf bevor. Am 24.11.2013 steht die nächste brisante Eidgenössische Abstimmung auf dem Programm - nur wenige Monate nach der überwältigenden JA-Stimmenmehrheit von 67.9% zur Abzocker-Initiative.

Das Wichtigste zur 1:12 Initiative Abstimmung:

1:12-Initiative: Manager Lähne explodieren - Abstimmung SchweizErklärtes Ziel dieser 1:12-Initiative sind gerechtere und faire Löhne in der Schweiz. Doch was heisst fair genau? Fakt ist, die Managerlöhne in der Schweiz explodieren förmlich.

Entwicklung Managerlöhne
von 1984 bis 2011:

  • 1984: 1:6
  • 1998: 1:13
  • 2011: 1:43


Insofern ist das beliebte Contra-Argument schlichtweg falsch, dass der Erfolg der heutigen Schweiz nur darauf basiert, dass dank Millionen-Gehältern die weltweit besten Führungsleute angelockt werden konnten.

Oder wie es der Wirtschaftsexperte Heiner Flassbeck treffend formuliert:

Die Drohung, dass Unternehmen abwandern würden, sei beliebt – und geeignet, die Arbeitnehmer gefügig zu machen. Doch: «Es ist eine leere Drohung», sagt Flassbeck. Es seien nämlich nicht die Manager, die Schweizer Produkte zu hervorragenden Produkten machten, sondern die qualifizierten Arbeitnehmenden.


Sollte am 24. November 2013 bei der Abstimmung ein JA resultieren, darf in Zukunft kein Manager, kein CEO, kein Verwaltungsrat und kein anderer in einer leitenden Führungsposition eines Unternehmens mehr Geld im Monat verdienen, als seine Angestellten in einem Jahr verdienen.

Die Gegner sprechen dem Staat das Recht ab, direkte Eingriffe in die Entlöhnung von Unternehmen zu vollziehen. Vergessen dabei aber gerne:

  • dass die betroffenen Unternehmen in der Schweiz von der fast perfekten Infrastruktur profitieren - finanziert von allen Steuerzahlern gemeinsam.

  • dass die betroffenen Firmen hier in der Schweiz von derart tiefen Unternehmenssteuern profitieren, die weltweit ihresgleichen suchen.

Auch wenn ein leitender Angestellter eines Unternehmens "nur" noch den Jahreslohn seiner Mitarbeiter pro Monat erhält, kann sachlich betrachtet von einer fairen Entlöhnung wohl kaum die Rede sein. Zumindest ist für ein solches Lohnverhältnis keine Arbeitsleistung nachvollziehbar.

1:12 auf den Punkt gebracht: maximal möglicher Chef-Monatslohn = Ihr Jahreslohn.
Sofern Sie sich zum unteren Lohnsegment des Unternehmens zählen.

Die 1 zu 12 Volksinitiative fordert einen maximalen Monatslohn, so dass dieser den Jahreslohn eines anderen Angestellten nicht übersteigen darf. Die Abstimmung findet am 24. November 2013 statt.

Inhalt:



1:12-Initiative will 1:12-Löhne in der Schweiz


Die 1zu12-Volksinitiative "Für gerechte Löhne" ist in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften von der Jungsozialistischen Partei (Juso) lanciert worden. Die Gesetzestext-Vorlage fordert ausdrücklich, dass keine leitenden Angestellten, keine Manager, keine CEOs und Verwaltungsräte mehr als zwölfmal soviel verdienen dürfen wie der am schlechtesten bezahlte Mitarbeiter im selben Unternehmen.

Das Verhältnis der geforderten Lohndeckelung beträgt genau 1:12 (analog der zwölf Monate im Jahreskalender).

Das Verhältnis des staatlich verordneten 1:12-Lohndeckels kann unter Umständen aber auch bis zu 1:20 reichen, sofern die Manager entsprechende Überstunden leisten.

Um eine 1:12-Lohnbegrenzung umsetzen zu können, müsste die Schweizerische Bundesverfassung geändert werden - falls am 24. November 2013 an der Abstimmungsurne ein JA resultiert.
 

Fahrplan zur Verfassungsänderung

Damit eine Volksinitiative vor die Abstimmungsurne kommt, müssen während eines Zeitraums von 18 Monaten mindestens 100'000 Unterschriften zur Unterstützung der Initiative gesammelt werden.

Im Mai 2011 wurden der Schweizerischen Bundeskanzlei, der Exekutive, mehr als 113'000 gültige Unterschriften zur Vorprüfung der 1:12-Initiative überreicht. Die Initiative ist offiziell zustande gekommen.

1 zu 12 Initiative - AbstimmungNach der dem Einreichen von Unterschriften kommt es in der Regel etwa drei Jahre später zu einer schweizweiten Abstimmung -  die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben die Wahl zwischen JA, NEIN gegebenfalls Ja zum Gegenvorschlag oder ENTHALTUNG.

Die Legislative, genauer gesagt der Nationalrat (grosse Kammer) und der Ständerat (kleine Kammer) als gesetzliche Vertreter der Schweizer Kantone, hat die 1:12-Initiative zurückgewiesen (im September 2012 bzw. im März 2013) und mit deutlicher Parlamentsmehrheit eine Ablehnung des Anliegens empfohlen. Wie bereits der Bundesrat zuvor lehnt also auch das Eidgenössische Parlament die 1:12-Lösung ab.

Nun entscheidet allein das stimmberechtigte Schweizer Volk an der Eidgenössischen Abstimmungsurne über das Befinden der 1:12-Initiative.

Die Abstimmung zur 1:12 Volksinitiative findet am Sonntag, dem 24. November 2013 statt.

 

Pro und Contra 1:12 - Befürworter und Gegner der Initiative

PRO - 1:12 Initiative

In der Schweiz unterstützen in erster Linie die politische Linke, die Gewerkschaften und der hohen Millionenlöhne überdrüssige Menschen. Hinter der Initiative stehen unter anderem die Jungsozialisten (Juso), die Sozialdemokratische Partei (SP), die Grüne Partei Schweiz, die Alternative Liste (AL), der VPOD und der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) - für gerechtere Löhne mit Hilfe der Umrechnung "1:12".

Kritisiert werden hierbei insbesondere die extrem hohen Managergehälter. Und stösst auf erheblichen Widerstand der wirtschaftsfreundlichen Parteien.

Denn: Anders als die eher symbolträchtige Abstimmung zur Abzocker-Initiative verspricht die 1:12 Initiative griffige Massnahmen, um den hiesigen Lohnexzessen endgültig Einhalt zu gebieten.

Das Ziel: Mithilfe der 1:12-Regel den Millionen-Gehältern einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben.

 

CONTRA - 1:12 Initiative

Abgelehnt wird die Initiative von der Economiesuisse (mehr zum Thema: Die Mächtigste Schweizer Lobby im Parlament - mit 50% aller Nationalräte und Ständeräte als Mitglieder), vom Arbeitgeberverband und den wirtschaftsliberalen, eher rechteren Parteien wie der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) und der Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Die Vertreter des NEIN-Lagers befürchten bei einer Annahme der 1:12-Initiative unter anderem:

  • eine Abwanderung multinationaler Unternehmen
  • aufgrund dessen insgesamt eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes Schweiz.


Also dasselbe Argument wie im Vorfeld der unterlegenen Abstimmung zur Abzocker-Initiative.
Passiert ist seither nichts wie die Zahlen der Orell Füssli Wirtschaftsinformation belegen:

«Die Abzocker-Initiative hat kaum ausländische Manager und Verwaltungsräte zum Wegzug aus der Schweiz bewegt. Der relative Anteil hat sogar von 28% auf 29% zugenommen.»

Hier geht es direkt zur Studie von infocube - Ausländische Manager bleiben der Schweiz treu.

Trotz Drohungen ist kein Unternehmen weggezogen oder hat seinen Hauptsitz ins Ausland verlegt. Ein medialer Bluff.

Die Gegner der 1:12-Volksinitiative führen ins Feld, dass eine Annahme in erster Linie die Inhaber kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) treffen würde. Sie behaupten also, dass die Lohnunterschiede bei mittelständischen Firmen grösser sind als bei den Global-Players in der Schweiz - wie dies Novartis, Nestlé, Roche, Glencore, Lindt & Sprüngli, UBS, Crédit Suisse und viele weitere Konzerne, Multis und Banken sind. Siehe dazu auch die 10 krassesten Lohnunterschiede bei Schweizer Konzernen (mehr zum Thema: Gehälter und Schweizer Lohnunterschiede).

Rein sachlich betrachtet nach Abwägung der Pro und Contra Argumente macht die Grundforderung - eine gesetzliche Eindämmung unruhestiftender Millionen-Jahressaläre - durchaus auch wirtschaftlich Sinn. Millionensäläre - ohne nachvollziehbare Leistung - stossen in der Schweiz auf immer mehr Kritik.

Hier geht es direkt zur offiziellen Webseite der 1:12-Initiative «Für gerechte Löhne».

Mehr zum Thema:

Wojtek Bernet   Autor: Wojtek Bernet auf ConvivaPlus.ch
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