Schweizer Bestatter wegen Corona-Toten und Übersterblichkeit am Limit: «Wir sind völlig überfordert»



«Ich blicke auf 50 Jahre Erfahrung zurück und habe so etwas noch nie gesehen».
 

Jean Murith, Inhaber des Bestattungsunternehmens Murith SA, gegenüber «SRF»


Aufgrund der prekären Corona-Lage stossen die Bestattungsunternehmen in der Westschweiz laut mehreren Medienberichten zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen und sind total ausgelastet. Die Corona-Sterbe-Zahlen unter den Senioren über 65 haben sich in den Westschweizer Kantonen teilweise verdoppelt. In Genf und Freiburg kommen die Städte kaum mehr mit dem Bestatten nach.

Die Öfen des Genfer Krematoriums laufen auf Hochtouren. Mittlerweile müssen Beerdigungen verschoben werden, denn die Zahl der täglichen Bestattungen verdoppelt sich. In der Stadt Genf sind die Kühlräume auf den Friedhöfen von Saint-Georges und des Rois inzwischen besetzt. Leichen mussten deshalb in die Leichenhalle des Universitätsspitals Genf (HUG) überführt werden. Derzeit führe das Krematorium 18 Einäscherungen täglich durch, das sei die maximale Kapazität der drei Öfen, erklärt Manuelle Pasquali de Weck, von der Medienstelle der Sozialdienste der Stadt Genf. Dem Inhaber des Bestattungsunternehmens Murith zufolge hat sich die Sterblichkeit derzeit mehr als verdoppelt. In seiner Bestattungsfirma stieg die Anzahl an Bestattungen von drei auf sieben Bestattungen pro Tag. Gemäss Murith liegt der Anteil der mit dem Coronavirus infizierten Verstorbenen immer noch bei etwa 70 Prozent.


Sollte die Kapazität nicht mehr ausreichen, will der Kanton Freiburg als letztes Mittel die Eishalle in Saint-Léonard zur Leichenhalle umfunktionieren und für die Lagerung der Särge nutzen. «Ein Ausnahmefall? Mitnichten. Ähnliche Pläne gibt es im Wallis, in Neuenburg und in Genf», berichtet «SRF».


Auch im Kanton Wallis sorgen die hohen Zahlen an Corona-Toten bei den Bestattern für einen Notstand. «Wir sind völlig überfordert», erklärt Patrick Quarroz, Präsident des Walliser Verbandes der Bestattungsunternehmen, gegenüber «Blick». Insgesamt 59 Tote forderte die Coronavirus-Pandemie im Wallis allein in der letzten Woche. Das macht von Montag bis Freitag durchschnittlich mehr als zehn Verstorbene pro Tag. Noch nie lag der Wert im Wallis so hoch seit Ausbruch der Pandemie. «Wir wissen bald nicht mehr, wohin mit den Toten», so Éric Pagliotti, der ein Bestattungsunternehmen in Martigny VS führt. Eine Trendwende und Entspannung der Lage ist aktuell nicht in Sicht.


Laut Statistik liegt die Übersterblichkeit bei den über 65-Jährigen im Wallis zurzeit bei +100% gegenüber dem Vorjahr.



Bestatter: «So kann es nicht weitergehen» [video]:


 

In Genf kämpfen die Bestatter mit der angespannten Lage. «Wir machen nun auch am Wochenende Einäscherungen und organisieren unter der Woche jeden Tag Abdankungen. Wir haben jeden Tag bis zu 18 Einäscherungen – so versuchen wir die Wartezeit für Familien zu reduzieren», erklärt Christina Kitsos, Stadträtin in Genf. Zwischen dem Todeszeitpunkt und der Beerdigung dauere es momentan etwa zehn Tage. Zum Vergleich: in «normalen Zeiten» dauert es vier bis fünf Tage.


«Normalerweise organisieren wir 200 Beerdigungen pro Jahr. Doch wenn die Sterberate weiter so hoch bleibt, dann wären es innerhalb eines Jahres 800. Das muss wirklich ein Ende haben. So können wir nicht weiterarbeiten.»
Eric Conus, Direktor eines Freiburger Bestattungsunternehmens, gegenüber «SRF»


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Weiterführende Informationen:
Westschweizer Bestatter am Limit (SRF)

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(Last updated: 17.11.2020, 10:40)