Weltweite Übersterblichkeit durch Corona


«Von Mitte Februar bis Ende Mai 2020 starben in 21 Industrieländern schätzungsweise 206'000 mehr Menschen als ohne die Pandemie zu erwarten gewesen wäre.

Diese Zahl ist ähnlich hoch wie die Zahl der Todesfälle durch Lungenkrebs in diesen Ländern in einem ganzen Jahr und mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der Todesfälle durch Diabetes oder Brustkrebs in einem ganzen Jahr


In 21 Industrieländern gab es von Mitte Februar bis Mai 206’000 Tote (95% glaubwürdiges Intervall 178'100-231'000) mehr als statistisch erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift «Nature Medicine» erschienen ist. Die Studie zeigt, dass in vielen Industrieländern eine hohe Übersterblichkeit während der Zeit der "ersten Corona-Welle" auftrat. Das heisst, dass Corona vermutlich hunderttausende Todesfälle verursachte. Das widerlegt Verschwörungsmythen, die behaupten, es gäbe keine Übersterblichkeit durch Corona.

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Das heisst zum Beispiel, ein Anstieg von +38% in Spanien, +37% in England und Wales - im Vergleich zur erwarteten Zahl von Todesfällen.


Die Forscher haben hierfür eigens die Totenzahlen von 2010 bis Anfang 2020 analysiert. Daraus haben sie abgeleitet, wie viele Tote statistisch für dieses Jahr in den jeweiligen Ländern unter normalen Umständen zu erwarten wären, und diese mit den tatsächlich aufgetretenen Todeszahlen verglichen. Dabei kommen die Forscherinnen und Forscher zu dem Ergebnis, dass Corona offenbar Übersterblichkeit verursacht hat. «Die Todesfälle in all diesen Ländern lagen im Februar auf dem Niveau, das ohne die Pandemie zu erwarten wäre, begannen jedoch in einigen Ländern zu verschiedenen Zeiten im März auf höhere Werte abzuweichen.» Wie stark ist von Land zu Land unterschiedlich. Die Schweiz zählte in diesem Zeitraum zu den weniger stark betroffenen Ländern (siehe unten).


In der Schweiz gab es im März und April eine Übersterblichkeit, hier in der Studie zu sehen. Das bestätigt auch das Bundesamt für Statistik (BfS). In der Sterblichkeitsstatistik der Schweiz heisst es: «Vom 16.3 (Woche 12) bis 19.4. (Woche 16) war in der Schweiz aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie eine statistisch signifikante Übersterblichkeit zu beobachten. In Woche 14 zwischen 30. März und 5. April starben 39% mehr Personen als erwartet. Die Übersterblichkeit entwickelte sich nicht in allen Regionen der Schweiz gleich.»


«Die Auswirkungen der Pandemie auf die Gesamtmortalität waren von Land zu Land sehr unterschiedlich. Bulgarien, Neuseeland, die Slowakei, Australien, Tschechien, Ungarn, Polen, Norwegen, Dänemark und Finnland vermieden einen spürbaren Anstieg der Gesamtmortalität, im Gegensatz zu England und Wales und Spanien, gefolgt von Italien, Schottland und Belgien, wo die Gesamtmortalität sehr hoch war.»

Die Forscher haben vier Gruppen von Ländern identifiziert: In der ersten Gruppe (u.a. Neuseeland) gab es kaum Auswirkungen auf die Sterblichkeit. In der vierten Gruppe zeigte sich eine deutliche Übersterblichkeit durch Corona - in Belgien, Italien, Schottland, Spanien sowie England und Wales.

Interessant: Schweden wird oft als ein Land beschrieben, das einen Sonderweg ohne Einschränkungen des Alltags eingegangen ist. In der Studie gehören Finnland, Norwegen und Dänemark der ersten Gruppe an. Schweden hingegen wurde von den ForscherInnen in Gruppe drei eingeordnet - war also deutlich stärker von Übersterblichkeit betroffen als die anderen skandinavischen Länder.

Die komplette Studie gibt es hier nachzulesen:
Magnitude, demographics and dynamics of the effect of the first wave of the COVID-19 pandemic on all-cause mortality in 21 industrialized countries (Nature Medicine)

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(Last updated: 16.11.2020, 00:57)

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