Auslandreisen & Ferien für Schweizer nur noch mit Corona-Impfung erlaubt?


«Auslandreisen per Flugzeug, Reisebus oder Kreuzfahrten sollen nur noch Personen erlaubt sein, die geimpft sind oder vor jeder Reise einen aktuellen negativen Test vorweisen können. Impfen ist Ausdruck der Solidarität mit der Gesellschaft, und dafür braucht es ein individuelles und kleines Opfer.»
Andreas Widmer, Swissnoso-Präsident im «Tagesanzeiger»


Bald schon soll eine Corona-Impfung erhältlich sein, die eine Schutzwirkung von 90 Prozent verspricht und so gut wie keine schweren Nebenwirkungen hat. Doch die Impfskepsis in der Schweiz ist gross. Der Bund hat bereits 13 Millionen Impfdosen bestellt, «Messehallen werden gebucht, Impfzentren eingerichtet, mobile Equipen ausgebildet», wie der «Blick» zu berichten weiss. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt auf Freiwilligkeit und will deshalb entsprechende Aufklärungskampagnen lancieren, um die Impfbereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer zu erhöhen. Doch das sorgt auch für Kritik. Der Präsident der Vereinigung der Fachleute für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene (Swissnoso) bezweifelt, dass die BAG-Strategie mit Aufklärungskampagnen ausreicht, um die Impfbereitschaft im Land zu erhöhen und setzt deshalb vielmehr auf Anreize: Nur noch Corona-Geimpfte sollen ins Ausland reisen dürfen - so wie das für Gelbfieber, Tetanus, Hepatitis und weitere Impfungen in vielen Ländern bereits üblich ist.

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Bild: Symbolbild

Denn die Skepsis gegenüber Impfungen ist hierzulande ziemlich gross, die Impfgegnerschaft zahlreich und teilweise radikal. Gemäss einer kürzlich vom «Tagesanzeiger» durchgeführten Umfrage will sich hierzulande nur jeder Zweite gegen Corona immunisieren lassen. Lediglich 16 Prozent der Befragten erklärten sich bereit, sich vorbehaltslos gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Zum Vergleich: 28 Prozent der Umfrageteilnehmer lehnten eine Impfung dezidiert ab. Zwischen dem Lager der Befürworter und der Impfgegner liegt eine noch viel grössere Gruppe der Unentschlossenen.

Viele Menschen in der Schweiz planen nämlich erst einmal die Entwicklung bis auf Weiteres abzuwarten, sich mit einer Impfung Zeit zu lassen und/oder sich frühestens dann gegen das Coronavirus zu impfen, wenn sich auch tatsächlich herausstellen sollte, dass der zugelassene Impfstoff keinerlei Nebenwirkungen nach sich zieht.


Das sind erstaunlich tiefe Werte im internationalen Vergleich, wenn man die Impfbereitschaft in anderen Ländern betrachtet. Eine vom WEF durchgeführte Umfrage zeigt: In Deutschland, Italien, Schweden und Spanien wollen sich mindestens zwei von drei Bürgerinnen und Bürgern gegen COVID-19 impfen lassen.


Swissnoso-Präsident Widmer findet es deshalb wichtig, die Debatte jetzt zu führen. Er befürwortet die Impfpflicht insbesondere auch für das Pflegepersonal in Spitälern, Altersheimen und Pflegeheimen. «Die Corona-Impfung ist angesichts der aktuellen Situation in den Alters- und Pflegeheimen dort besonders wichtig.» Denn da werde das Coronavirus häufig vom Personal eingeschleppt. «Impft man keine dieser Mitarbeiter, muss man mit weiteren Todesfällen rechnen.» Aus diesem Grund gehöre eine Impfung zum Schutz der BewohnerInnen dazu - auch als Zeichen der Solidarität. «Die Verantwortlichen in den Heimen haben ja auch eine Fürsorgepflicht.»


Wie eine Leserin folgerichtig kommentierte: «Kann ja jede machen, wie sie will. Es gibt Länder, die verlangen Gelbfieber, Tetanus, Hepatitis und weitere Impfungen. Da wird auch nicht hinterfragt. Es ist jedem selber überlassen, ob er/sie in diese Länder reisen und impfen will oder zu Hause bleiben möchte.»


Und was sagt der Bundesrat zu einer möglichen Impfpflicht?

Weiterführende Informationen:
Auslandreisen nur für Geimpfte? (SonntagsZeitung)

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(Last updated: 15.11.2020, 08:51)