Corona-Impfung im August

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Seit Dienstag wird ein Impfstoff gegen das Coronavirus grossflächig an Menschen getestet. Indien will bald mit der Corona-Impfung der Bevölkerung beginnen. In nur sechs Wochen soll das Serum, das sich Covaxin nennt, für den allgemeinen Gebrauch zur Verfügung stehen.

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Corona-Zahlen explodieren

Die Corona-Zahlen explodieren förmlich. Das Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern zählt mittlerweile über 720’000 Corona-Infizierte. Nur die beiden Länder USA und Brasilien weisen mehr Infektionen als Indien auf - trotz ausserordentlich strengem, mehrmonatigem indischem Lockdown.

Obschon Indien in etwa eine ähnliche hohe Einwohnerzahl wie China hat, werden in Indien offiziell achtmal mehr Erkrankungen gemeldet. Seit Beginn der Pandemie sind bereits 20’000 Inderinnen und Inder an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Nur sieben andere Länder haben mehr Covid-19-Tote zu verzeichnen. Indien befürchtet vor allem aber, dass mit dem Anstieg der Corona-Fälle die Krankenhäuser überlastet werden und das Gesundheitssystem kollabiert. In der indischen Hauptstadt Delhi werden Medienberichten zufolge bereits «Kranke von einem Krankenhaus zum anderen geschickt, weil es angeblich keine freien Betten gebe oder sie keinen negativen Coronavirus-Test vorzeigen können», berichtet «orf».

 

 

Corona-Impfung im August

Letzten Dienstag hat der indische Konzern Bharat Biotech die klinischen Tests mit einem Coronavirus-Impfstoff namens Covaxin begonnen. Bereits am 15. August - just am indischen Unabhängigkeitstag - soll der Impfstoff auf den Markt kommen und für die Verwendung im öffentlichen Gesundheitssystem zur Verfügung stehen.

Dies kündigte Balram Bhargava, der Direktor des Indian Council of Medical Research (ICMR), an. «Angesichts der noch nie vorgekommenen Art der Covid-19-Pandemie werden auch allen andere Impfstoffkandidaten rund um die Erde entsprechend schnell getestet», begründet das ICMR das Vorgehen in einer öffentlich gewordenen Erklärung. Die „höchste Ebene“ Indiens beobachte die auf 30 Tage angesetzten Tests.

Der einheimische COVID-19-Impfstoff Covaxin hatte vom DCGI (Drug Controller General of India) eine positive Bewertung zur Durchführung von klinischen Tests erhalten. Die Regierung Indiens hat der indischen Firma Bharat Biotech nun grünes Licht gegeben, um Phase 1 und 2 der Studie zu lancieren. Die klinischen Impfstoff-Tests sollen gerade mal rund sechs Wochen dauern - ein Rekord. Der Impfstoff wird in Phase 1 an 375 Personen und in der darauf folgenden Phase an 750 Personen getestet. Insgesamt wird der Impfstoff an mehr als 1000 Menschen getestet werden.

Laut Bharat Biotech-Chef Krishna Ella, ein ehemaliger Mitarbeiter von Bayer, will das Unternehmen bis zu 300 Millionen Impfdosen pro Jahr herstellen, sofern die klinischen Tests von Erfolg gekrönt sind. Es hänge letztlich von den Behörden ab. «Viele Länder nehmen die Abkürzung. Wenn Phase I und II erfolgreich sind, können die Behörden genehmigen, die Impfung auf den Markt zu lassen.»

 

 

Kritik: Impfung gefährlich?

Der Impf-Plan der Regierung Indiens sieht sich indes auch massiver Kritik ausgesetzt, wird angesichts der steigenden Zahlen grossteils aber auch als alternativlos angesehen.

«Es ist schlicht unmöglich, die Phasen I bis II einer Covid-19-Impfung in sechs Wochen zu komplettieren», mahnt etwa die Gründerin und Chefin des indischen Biotech-Konzerns Biocon, Kiran Mazumdar Shaw laut der «Time of India». Die Indische Akademie der Wissenschaften warnte vor «überstürzten Lösungen, die wissenschaftliche Standards untergraben». «Ein derart beschleunigtes Entwicklungsverfahren hat es bei noch keinem einzigen Impfstoff gegeben«, schrieb Anant Bhan, Bioethik-Experte an der Manipal-Universität in Südindien, auf Twitter. Der Impfplan der indischen Regierung erscheint übereilt und birgt Risiken.

 

 

16 Impfstoffe: mehr als vier Milliarden Impfdosen weltweit ausgeliefert

Kritikern hält Bharat Biotech-Chef seine Erfahrung entgegen. «Seit der Gründung seines Unternehmens Bharat Biotech vor zweieinhalb Jahrzehnten hat er 16 Impfstoffe auf den Markt gebracht – etwa gegen das Rotavirus sowie das Influenza-Virus H1N1 – und nach eigenen Angaben mehr als vier Milliarden Impfdosen weltweit ausgeliefert», berichtet das «Handelsblatt». «Einige Impfstoffe waren brandneu. Wir haben eine sehr hohe Expertise», so der Biotech-Chef in einem indischen Fernsehinterview. Bei der Entwicklung des Anti-Corona-Mittels sei seine Priorität klar: «Wir wollen einen sicheren Impfstoff herstellen.»

Die ermutigende Nachricht ist, dass der Impfstoff die Phase der Tierversuche erfolgreich durchlaufen hat und nun in die Phase der Humanversuche eingetreten ist. Während in der ersten Phase 1000 Menschen getestet werden sollen, wird die zweite Phase der Studie eine grössere Anzahl von Menschen umfassen, was letztlich vom Endergebnis der Studie abhängt. Der geschätzte Zeitrahmen für klinische Studien wird voraussichtlich 6-8 Monate betragen.

Um schnellere Ergebnisse zu gewährleisten, wurden die ausgewählten medizinischen Institute gebeten, ihre klinischen Studien zügig durchzuführen und zu ihrem Projekt mit höchster Priorität zu machen.

Die Versuche werden an gesunden Personen im Alter zwischen 22 und 50 Jahren durchgeführt. Sogar weltweite klinische Studien wählen ungefähr die gleiche Altersgruppe für die Prüfung ihrer Impfstoffe aus, was Anlass zur Besorgnis geben kann, weil wir möglicherweise nicht wissen, ob die entwickelten Impfstoffe tatsächlich denjenigen in den 70er und 80er Jahren helfen werden, die die gefährdete Gruppe darstellen. Es bleibt abzuwarten, ob die entwickelte Behandlung auch den älteren Menschen zugute kommt oder ob der gleiche Impfstoff, der bei den jüngeren Patienten wirkt, auch bei der älteren Bevölkerung wirkt.

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(Last updated: 09.07.2020, 11:02)