Radiologe scannte 350 Corona-Lungen: Das Ergebnis lässt aufhorchen

Coronavirus Covid-19 Sars-CoV-2

Über den Krankheitsverlauf von Covid-19 gab es bislang nur spärlich wissenschaftliche Daten. Ärzte des Klinikum Stuttgart bzw. der Radiologie hatten zu diesem Zweck vor rund zwei Monaten mit einer Studie von erkrankten Lungen auf Basis von hunderten Computertomographie-Aufnahmen begonnen, um den Verlauf und die Langzeitfolgen der Covid-19-Krankheit über alle Altersgruppen hinweg zu erforschen.

Dass Covid-19 nur für ältere Menschen und Risikopatienten gefährlich ist, ist ein Mythos. Radiologe Prof. Dr. Götz Martin Richter bilanziert denn auch, dem Virus sei das Alter eines Menschen egal. Bilder aus der Computertomographie zeigten das deutlich. Denn völlig egal wie alt ein Mensch ist - ist das Coronavirus einmal in der Lunge angekommen, kann es schwere Schäden hinterlassen. Das interdisziplinäre Ärzte-Team um Prof. Dr. Götz Martin Richter scannte mithilfe einer intelligenten Bilddatenbank 350 Corona-Lungen. Das ist das Ergebnis...

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Covid-19 Langzeitschäden an der Lunge: Nur zwei „normale“ Lungen

Der Radiologe Prof. Dr. Götz Martin Richter, seines Zeichens Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Stuttgart, untersucht mit einem interdisziplinären Ärzte-Team anhand hunderter Lungenscans von Covid-19-Patienten den Verlauf und die Langzeitfolgen des neuartigen Coronavirus. Die CT-Aufnahmen lassen aufhorchen.

Seit Beginn der globalen Corona-Pandemie hat das Klinikum Stuttgart wegen Verdacht auf eine Covid-19-Pneumonie von rund 350 Patienten eine Computertomographie der Lungen angefertigt. Die umfassende Studie ist auf mindestens eineinhalb Jahre ausgelegt. Covid-19-Patienten, die als geheilt gelten, werden auch danach noch ärztlich begleitet und kommen, einen sowie sechs Monate nachdem sie als „gesund“ entlassen wurden, wieder zur Nachsorgeuntersuchung. Inzwischen läuft die Studie bereits rund acht Wochen. 31 Patienten der 350 Patienten waren seither in der Nachsorgeuntersuchung. Prof. Dr. Götz Martin Richter wagt gegenüber «Focus» ein erstes vorsichtiges Zwischenergebnis:


«Wir haben bereits viel gelernt. Was mich etwas beunruhigt, ist, dass vier bis acht Wochen nach Entlassung nur zwei der 31 Patienten wieder eine normale Lunge haben. Viele Patienten klagen noch immer über Kurzatmigkeit oder Schmerzen beim Atmen. Einer weist aktuell sogar schwere Lungenveränderungen auf.»


Die gute Nachricht: Eine komplett zerstörte Lunge gebe es bislang nicht. «Zu dieser Studie motiviert haben uns Erkenntnisse aus der ersten Sars-Epidemie von 2002-2003. Die damaligen Patienten haben sehr schwere Lungenschäden davongetragen, manche Lungen waren komplett zerstört. Einen derartigen Fall konnten wir noch nicht beobachten.»


 

 

Viel gefährlicher als Grippe und Häufung von Lungenentzündungen

Das täuscht aber nicht darüber hinweg: Die Beobachtungen des Ärzte-Teams sind alarmierend. «Ich habe noch nie in meinem Leben eine so starke Häufung von Lungenentzündungen gesehen», konstatiert der 64-jährige Radiologe Prof. Dr. Götz Martin Richter. Im Vergleich zur grossen Grippewelle vor vier Jahren habe Prof. Dr. Richter pro Woche etwa einen Lungenentzündungs-Patienten gesehen. Jetzt aktuell während der Corona-Pandemie sehe er bis zu 20 Lungenentzündungs-Patienten an einem einzigen Tag. «Der Vergleich von Influenza und dem neuartigen Coronavirus ist also vollkommen irreführend. Influenza und Corona haben rein gar nichts miteinander zu tun!»


Ganz im Gegenteil: Das neuartige Sars-CoV-2 Coronavirus sei im Vergleich zur Influenza und allen anderen bislang bekannten Viren «besonders heimtückisch». Kein anderes bekanntes Virus sei bereits vor den ersten Symptomen ansteckend, wie mehrere Studien inzwischen belegen. Das ist mit aller Wahrscheinlichkeit ein Alleinstellungsmerkmal des neuen Sars-CoV-2-Virus.


Damit ist das neuartige Coronavirus sogar heimtückischer als die ebenfalls sehr aggressiven Masern: «Masern haben eine extrem hohe Ansteckungsrate, aber nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, den wir ganz genau kennen.» Aus diesem Grund betont der Radiologe Prof. Dr. Götz Martin Richter die Hoffnung, «dass die Menschen die Wichtigkeit und den Sinn der Abstandsregeln verstehen. So einfach sie sind - so hilfreich sind sie auch!»

Weiterführende Informationen:
Götz Martin Richter im Gespräch (Focus)
Lungenprobleme bei Covid-19: Radiologie Stuttgart erforscht die Folgen (Südwestrundfunk SWR 2)

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(Last updated: 31.05.2020, 19:50)