Coronavirus: Schweden ist gescheitert - mehr Tote pro Kopf als Schweiz, 7x mehr als Finnland, Wirtschaft am Boden

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Der lockere Coronavirus-Sonderweg in Schweden ist zum Scheitern verurteilt. Trotz fehlenden Lockdown-Massnahmen bricht die Wirtschaft Schwedens ein. Die Zahl der offiziellen Covid-19-Toten pro Kopf ist inzwischen höher als jene der Schweiz, sowie um ein Vielfaches höher als in Norwegen, Finnland und Deutschland. Doch es kommt noch weit schlimmer.


«Wir haben die Entwicklung der Todeszahlen unterschätzt.»
Schwedens Chef- und Star-Epidemiologe Andres Tegnell


Inhalte:

 

 

Schwedens Sonderweg - Ein Land ohne Lockdown

Anfangs war Schwedens Sonderweg Wasser auf die Mühlen aller Corona-Verharmloser: Keine Lockdown-Massnahmen, lediglich einige Empfehlungen von Regierungsseite, die grösstenteils auf Freiwilligkeit beruhten - und es schien sich tatsächlich vergleichsweise harmlos zu entwickeln. Doch die letzten Tage zeigen, Schweden stehen schlimme Tage bevor. Während die Kurve der neuinfizierten Coronavirus-Fälle sowohl in der Schweiz wie auch in anderen europäischen Ländern sinkt oder zumindest deutlich langsamer zunimmt, steigt die Kurve der Neuinfizierten in Schweden von bislang 500 auf 600 Neuinfizierte pro Tag.

Täglich bestätigte COVID-19-Fälle pro Million: Biegen wir die Kurve?

Die Zahl der Neuinfizierten sowie die tragische Entwicklung bei den Todeszahlen bringen die schwedische Regierung ins Zweifeln: sie erwägt den riskanten Sonderweg zu verlassen und verschärfte Massnahmen zu erlassen. Aus gutem Grund wie die Todeszahlen schonungslos aufdecken.

 

 

Steigende Zahl von Covid-19-Toten

Die negative Entwicklung spitzt sich in den letzten Tagen gefährlich zu, die schwedische Kurve zeigt anders als in anderen Ländern steil nach oben. Die Moral in der Bevölkerung sinkt. Die Zahl der Covid-19-Toten in Schweden stieg am 27. April auf 2'274.

Zum Länder-Vergleich am selben Tag:

  • Dänemark 427 Coronavirus-Tote
  • Norwegen 205 Coronavirus-Tote
  • Finnland 193 Coronavirus-Tote

Die Zahl der Covid-19-Toten in Schweden ist «pro Kopf höher als jene der Schweiz, fünfmal so hoch wie in Norwegen», rund siebenmal so hoch wie in Finnland und mehr als dreimal höher als in Dänemark und in Deutschland.
Quelle: Tagesanzeiger


Land Corona-Tote pro 100'000 Einwohner Bevölkerungsdichte pro km2
Belgien 67.44 373,6
Spanien 52.53 92,7
Italien 46.72 203,3
Grossbritannien 41.49 272,4
Frankreich 36.77 105,5
Niederlande 28.49 501,1
Irland 26.06 70
Schweden 26.05 24,7
Schweiz 20.6 212,1
USA 19.85 35,77
Portugal 9.79 113,2
Kanada 9.54 4,02
Deutschland 8.12 234
Dänemark 7.93 137,3
Iran 7.45 49,53
Österreich 6.66 106,8
Ecuador 6.22 67,58
Slowenien 4.45 102,59
Türkei 3.96 105,38
Finnland 3.95 18,1

Stand 2. Mai 2020 - Quelle: Johns-Hopkins-Univeristät

Und die Zahl der Toten wächst unaufhaltbar weiter. Jede Woche sterben in Schweden weitere rund 500 Menschen, die nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert sind.


International kommt Schweden auf die achthöchste Sterberate, gemessen an der Einwohnerzahl. Berücksichtigt man die Bevölkerungsdichte, steht Schweden wahrlich am schlechtesten da.


Täglich bestätigte COVID-19-Todesfälle pro Million: Biegen wir die Kurve?


Lasst die Fakten sprechen:
Case-Fatality-Rate (der Anteil der tödlichen Verläufe einer Erkrankung).

Germany - case-fatality ratio: 4,06%
New York - case-fatality ratio: 7,75%
Sweden - case-fatality ratio: 12,26%
U. Kingdom - case-fatality ratio: 15,56%

Quelle: COVID-19 Dashboard by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University (JHU) - Stand 01.05.2020


 

 

Hohe Dunkelziffer bei den Coronavirus-Toten

Die tatsächliche Zahl der Coronavirus-Toten in Schweden dürfte sogar einiges höher liegen. Denn in Schweden gibt es keine post-mortem Tests.


Das heisst, als Corona-Toter gilt in Schweden nur, wer bereits vor seinem Ableben positiv auf das Virus getestet wurde.


Oder anders gesagt: Schweden zählt in der Statistik nur diejenigen, «die in einem Krankenhaus positiv auf den Erreger getestet worden und dann verstorben sind. Bereits Verstorbene werden nicht auf das Virus überprüft.» Somit fällt ein vermutlich grosser Teil der Covid-19-Todesfälle durch die Statistik und wird nicht registriert. «Zudem zeigen Erhebungen des Projekts Euromomo, dass in Schweden derzeit deutlich mehr Menschen sterben als im Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass die Dunkelziffer der Coronavirus-Toten hoch sein dürfte», berichtet «Watson». Siehe nächster Punkt.
 

 

 

Übersterblichkeit in Schweden

Die prekäre, sich zuspitzende Situation in Schweden verdeutlicht sich gut verständlich anhand der Übersterblichkeit. Ein besonders zuverlässiger Indikator. Die Übersterblichkeit zeigt das Plus an Todesfällen an, «das sich in einem Zeitraum im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt ereignet».

In Schweden starben wochenlang rund 1800 Menschen pro Woche. Inzwischen sterben 2500 Menschen pro Woche. Also 700 Tote mehr als gewöhnlich pro Woche. «Das Forschernetzwerk Euromomo, das Sterblichkeiten in ganz Europa ermittelt, hat den besonders stark von der Pandemie betroffenen Ländern Italien, Frankreich und Spanien zwar eine «extrem hohe Übersterblichkeit» attestiert - die höchste Stufe. Aber gleich dahinter folgt Schweden mit der Stufe «sehr hoch»», schreibt der «Tagesanzeiger».

 

 

Schwedens Wirtschaft bricht trotzdem ein

Als das Land ohne Lockdown wird Schweden häufig dafür angepriesen, «nicht durch Überreaktion und Hysterie die Wirtschaft zu ruinieren». Ein Mythos. Schwedens Wirtschaft bricht trotz fehlender Lockdown-Massnahmen trotzdem ein. Und beklagt gleichzeitig immer mehr Tote. Eine Lose-Lose-Situation also, auf ganzer Linie.


Schweden : 10,5 Mio. Einwohner, 2600 Tote.
Deutschland : 83 Mio. Einwohner, 6500 Tote.
Beide Wirtschaften am Boden.

«Wer hat nun das bessere Krisenmanagement gehabt? Ich bin froh, dass ich das ganze bei mir zu Hause erleben konnte, statt tot in der Eisdiele.» (Leserkommentar)


Handydaten zeigen, dass die Schweden die Innenstädte verstärkt gemieden haben. Der inländische Tourismus ist ebenfalls in sich zusammengesackt. Und auch die Industrie in Schweden läuft keineswegs auf Hochtouren. Der schwedische Autobauer Volvo hat zum Beispiel temporär sämtliche Fabriken in Europa stillgelegt und die schwedische Belegschaft (20‘000 Mitarbeiter) beurlaubt. Ein weiteres Beispiel ist die schwedische Modekette H&M, welche in Deutschland viermal so viel Umsatz erzielt wie in Schweden selber. In Deutschland jedoch waren die Läden bis kürzlich geschlossen. Beide, sowohl Volvo als auch H&M sind im Leitindex OMX Stockholm notiert. Schweden kann sich trotz riskantem Sonderweg nicht der Globalisierung entziehen. Die wirtschaftlichen Aussichten Schwedens sind also trotz Sonderweg alles andere als rosig.


Das prognostiziert auch der Internationale Währungsfonds (IWF): Für das laufende Jahr rechnet er für Schweden mit einem BIP-Verlust von -6,8 Prozent. Das sind gerade mal 0,2 Prozent niedriger als für Deutschland - mit Lockdown-Massnahmen.


Ebenfalls in besagtem Kontext: Im Jahr 2019 betrug das Wirtschaftswachstum Schwedens noch +1,2 Prozent, währenddessen die Wirtschaft Deutschlands nur ein Wachstum von 0,5 Prozent verzeichnete.

Auch andere Wirtschaftsdaten belegen die düsteren Aussichten für Schwedens Sonderweg: Laut einer IWF-Prognose wird die Arbeitslosigkeit in Schweden im Jahr 2020 von 6,7 Prozent auf 10 Prozent steigen.

Das Haushaltsdefizit Schwedens wird für das Jahr 2020 derweil auf -5,3 Prozent prognostiziert. Zum Vergleich Deutschland: -5,5 Prozent. Aber mit prozentual dreimal weniger Toten.


WHO: Kein Beweis für Immunität nach Coronavirus-Infektion.
Durchseuchung und Herdenimmunität gescheitert? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt die Staaten, dass eine Immunität nach einer überwundenen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nicht erwiesen sei: Es gebe «aktuell keinen Beweis, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt haben und die Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind», erklärte die Weltgesundheitsorganisation am Samstag in Genf. Die Ausgabe von «Immunitäts-Bescheinigungen» könne sogar eine weitere Ausbreitung der Pandemie begünstigen, warnte die Organisation.


Weiterführende Informationen:
Der Sonderweg fordert viele Todesopfer (Tagesanzeiger)
Das schwedische Modell bröckelt (Watson / T-Online)
Schweden wählt in Corona-Krise Sonderweg - die Wirtschaft bricht trotzdem ein (Focus)
So läuft es in Schweden im Vergleich zur Schweiz (Nau)

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(Last updated: 02.05.2020, 14:28)