Social Distancing bis 2022 notwendig? Reist das Coronavirus künftig wie die Grippe saisonal um den Globus?

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Social Distancing wegen Coronavirus: Die aktuelle 2-Meter-Abstandsregel könnte unseren Alltag weltweit noch sehr lange begleiten. Harvard-Forscher gehen davon aus, dass das Coronavirus wie die Grippe künftig saisonal auftreten könnte, mit höheren Ansteckungsraten in den kälteren Monaten. Mit erheblichen Folgen für unseren Alltag.

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Social Distancing könnte bis 2022 notwendig sein

Menschen auf der ganzen Welt müssen möglicherweise noch Jahre ein gewisses Mass an sozialer Distanz wahren, um zu verhindern, dass sich das Coronavirus erneut ausbreitet und die Gesundheitssysteme überfordert. Forscher der Universität Harvard veröffentlichen eine neue Studie, derzufolge das Social Distancing bis ins Jahr 2022 andauern könnte, vorausgesetzt dass vorher kein Impfstoff gefunden wird.


Soziale Distanzierung sei «eine der mächtigsten Waffen» gegen COVID-19, erklärte Robert Redfield, Direktor der Centers for Disease Control and Prevention.


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Die Untersuchung der Harvard-Forscher basiert auf der Annahme, dass das neuartige Coronavirus genau wie die gewöhnliche Grippe künftig saisonal auftreten könnte. Dies führe dazu, dass es immer wieder viele Erkrankte gleichzeitig gebe, die die Spitäler an ihre Belastungsgrenzen bringen würden, so wie es derzeit in einigen Ländern der Fall ist. Aus diesem Grund seien Massnahmen wie die 2-Meter-Abstandsregel die einzige Möglichkeit, um die Kurve flach zu halten. Erst mit einer Impfung gegen das Coronavirus würde wieder Normalität einkehren.


Professor Marc Lipsitch, Co-Autor der Studie, sagt: «Solang dies nicht der Fall ist, müssen wir das Social Distancing in gewissen Phasen immer wieder einführen.»


Bis ein solcher Coronavirus-Impfstoff allerdings flächendeckend verfügbar ist, könnte es noch lange dauern. «Bis ins Jahr 2022 kann eine zeitweilige Distanzierung erforderlich sein, es sei denn, die Kapazität der Intensivpflege wird wesentlich erhöht oder eine Behandlung oder ein Impfstoff wird verfügbar», schreiben sie in ihrem Bericht. «Selbst im Falle einer scheinbaren Eliminierung sollte die Überwachung von SARS-CoV-2 aufrechterhalten werden, da ein Wiederaufflammen der Ansteckung noch 2024 möglich sein könnte».


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Risiko: Aufhebung von Social Distancing

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Die plötzliche Aufhebung sozial-distanzierender Massnahmen auf einen Schlag könnte das Risiko mit sich bringen, den Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie zu verzögern und sie möglicherweise gar zu verschlimmern, warnen die Harvard-Wissenschaftler in einem am Dienstag in der Zeitschrift «Science» veröffentlichten Artikel.

Der Verlauf der Pandemie werde von noch nicht beantworteten Fragen abhängen: Wird sich die Ausbreitung des Virus mit den Jahreszeiten ändern? Welche Immunität werden die Menschen haben, nachdem sie mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden sind? Gibt es einen zuverlässigen Test, mit dem in der breiten Bevölkerung festgestellt werden kann, wer Antikörper gegen das Coronavirus besitzt? Wie hoch das Immunitätsniveau, das durch frühere Infektionen verliehen wurde und wie lange dauert es an? Und bietet die Exposition gegenüber Coronaviren, die leichte Krankheiten verursachen, einen Schutz gegen den Erreger, der COVID-19 verursacht?

Diese Fragen werden von den Regierungschefs abgewogen werden müssen, die mit ansehen mussten, wie die Wirtschaft rund um den Globus wegen der sozialdistanzierenden Massnahmen weltweit zum Erliegen kam. Da global betrachtet nun Millionen von Menschen ohne Arbeit sind und zu Hause bleiben, wächst der Druck, die Beschränkungen wieder zu lockern. Dies, so meinen Experten, wird davon abhängen, ob Massnahmen zur Bekämpfung der Krankheit ergriffen werden, wie z.B. weit verbreitete Tests.

Das Forscher-Team der Harvard School of Public Health verwendete dabei basierend auf dem Wissen über Covid-19 und anderen Coronaviren Computermodelle, um zu simulieren, wie sich die aktuelle Coronavirus-Pandemie entwickeln könnte. Die Modelle der Harvard-Forscher deuten darauf hin, dass das Virus ziemlich schnell wieder auftauchen würde, sobald die Beschränkungen aufgehoben würden.

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Eine Möglichkeit wäre daher, dass eine strikte soziale Distanzierung, gefolgt von intensiver Detektivarbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit, das Virus aufspüren und ausrotten könnte. So geschehen bei SARS-CoV-1, das 2003 einen ausbrach. Doch angesichts der hohen Anzahl bestätigter Fälle des neuen Coronavirus-Erregers, die sich weltweit bald 2-Millionen-Grenze nähert, wird dieser Ausgang als immer unwahrscheinlicher angesehen, schreiben die Harvard-Forscher.

 

 

Saisonale Coronavirus-Krankheit?

Viel wahrscheinlicher ist, dass das Virus nicht wieder verschwindet und hier bleibt so wie die Grippe und dabei saisonal um den Globus reist. In einem Modell folgten auf 20 Wochen Massnahmen zur Begrenzung der Ausbreitung ein epidemischer Höhepunkt, der so gross war wie eine unkontrollierte Ausbreitung.

«Die soziale Distanzierung war so wirksam, dass praktisch keine Bevölkerungsimmunität aufgebaut wurde», so die Forscher zu diesem Szenario. Wenn das Virus in kälteren Monaten übertragbarer ist, könnte eine Verzögerung des Höhepunktes in den Herbst hinein die Belastung der Gesundheitssysteme noch verstärken, schrieben sie.

Um solche Folgen zu vermeiden, könnten bis 2022 immer wieder soziale Distanzierungsmassnahmen erforderlich sein, es sei denn, die Krankenhauskapazität wird erhöht oder es werden wirksame Impfstoffe oder Behandlungen entwickelt.


«Wenn man sich für eine intermittierende Distanzierung entscheidet, könnte es notwendig sein, dies über mehrere Jahre zu tun, was offensichtlich eine sehr lange Zeit ist», erklärt Dr. Marc Lipsitch, ein Autor der Studie und Professor für Epidemiologie an der Harvard School of Public Health, gegenüber Reportern.


 

 

Negative Folgen von Social Distancing

Die Autoren befürworten keinen bestimmten Weg, sagen aber, dass sie versuchten, «wahrscheinliche Verläufe der Epidemie unter alternativen Ansätzen zu identifizieren». Die Forscher der Studie sagen auch, sie seien sich bewusst, dass eine solche anhaltende Distanzierung, auch wenn sie nur zeitweise auftritt, wahrscheinlich «zutiefst negative wirtschaftliche, soziale und erzieherische Folgen» hätte.

Hinzu kommen die schwierigen sozialen Fragen im Zusammenhang mit Immunitätszertifikaten, die im Vereinigten Königreich als eine Möglichkeit in Umlauf gebracht wurden. Würden sie eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft schaffen, in der diejenigen, die sie haben, zu einem normaleren Leben zurückkehren können, während andere eingesperrt bleiben?

Weiterführende Informationen:
Projecting the transmission dynamics of SARS-CoV-2 through the postpandemic period (Science)

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(Last updated: 15.04.2020, 15:32)