«Covid-19? Na und? An der normalen Grippe sterben jedes Jahr viel viel mehr Menschen!»

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Falls ihr Leute kennt, die das Problem einfach nicht visualisieren können:

Influenza Grippe Covid-19 Coronavirus

Das geht an alle Wald- und Wiesen-Experten da draussen, die das Ausmass der Coronavirus-Pandemie nach wie vor relativieren und Covid-19 mit der Grippe vergleichen, weil sie immer noch nichts verstanden haben ...

Inhalte:

 

 

Grippe

In einem typischen Winter stecken sich 10 bis 15 Prozent aller Menschen mit dem Grippevirus an (die WHO geht gar von 10-20% aus). Rund ein Prozent der Grippe-Kranken muss hospitalisiert werden (Quelle) und etwa einer von 1000 Infizierten stirbt. Je nach Grippesaison sind es manchmal mehr, manchmal weniger. Das können dann tatsächlich auch Tausende sein, oder wie in der Schweiz jährlich zwischen 300 und 2500 Grippetote. Allerdings - und das ist der entscheidende Unterschied - sind die Opferzahlen bei der Grippe gleichmässig über mehrere Monate verteilt.

 

 

Covid-19

Bei Covid-19 dagegen gibt es deutlich mehr schwere Verläufe als bei der Grippe. Etwa 15 Prozent aller positiv getesteten Personen müssen hospitalisiert und benötigen eine Sauerstofftherapie im Krankenhaus, weitere 5 Prozent müssen auf die Intensivstation und maschinell beatmet werden. Nach bisherigen Erfahrungen verläuft die Krankheit bei etwa mindestes einem Prozent der Infizierten tödlich (Quelle). Diese Rate hängt aber entscheidend davon ab, wie gut ein Gesundheitssystem vorbereitet ist. Wachsen die Fälle rasant an, kann dies die intensivmedizinische Versorgung überfordern, was zur Folge hat, dass noch mehr Menschen sterben. Auch Menschen, die kein Covid-19 haben und gar nicht so schrecklich krank sind (z.B. ein geplatzter Blinddarm) sterben dann, ganz einfach weil sie keine Hilfe mehr bekommen können.

 

 

Die Gefahr

Und genau da liegt die Gefahr! Es tut absolut nichts zur Sache, dass die Grippe oder Krankheit XY tödlicher ist - es geht bei Covid-19 um den schnellen Anstieg der Infizierten, die innerhalb kurzer Zeit die Kliniken zum Kollaps bringen können. Und wenn das passiert, steigt die Sterberate erst recht. Und das nicht nur für Covid19-Patienten. Denn wenn die Gesundheitsversorgung kollabiert, verlieren alle...

(Credits: → Professor Schwurbelstein)


... der verunfallte Autolenker, der gestürzte Radfahrer, die junge Mutter mit unvorhergesehenen Komplikationen bei der Schwangerschaft, der 10-jährige an Krebs erkrankte Knirps, der nicht operiert bzw. behandelt werden kann, der 20-Jährige mit der Blutvergiftung, der 30-Jährige mit der unbehandelten Thrombose und daraus folgenden Lungenembolie, der 50-Jährige mit dem Schlaganfall, der 60-Jährige mit dem Herzinfarkt und und und... vermeidbare Tode.
 

 

 

Übrigens ...

Das Bundesamt für Statistik berechnete für die Schweiz in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 eine Übersterblichkeit von 2200 Todesfällen oder 17 Prozent, die es auf die gleichzeitig in der Schweiz ablaufende Grippewelle zurückführte. Diese Berechnungen stellen Schätzungen dar. Sie differenzieren nicht zwischen Todesfällen infolge von Grippe, von grippeähnlichen Viruserkrankungen oder wegen sekundärer Lungenentzündungen.


Die in der Todesursachenstatistik direkt gezählten Influenzatodesfälle sind dagegen völlig unerheblich. In der Schweiz wurden zwischen 1998 und 2006 zwischen 8 und 129 Menschen direkte Grippetodesfälle gezählt. 2017 waren es 126 Todesfälle.
Quelle: Bundesamt für Statistik (BfS)


Weiterführende Informationen:
Bericht zur Grippesaison 2018/19 (Infovac.ch)
Sterbefälle und Sterbeziffern wichtiger Todesursachen, nach Alter, Männer (Bundesamt für Statistik)
Estimating the risk of COVID-19 death during the course of the outbreak in Korea, February-March, 2020 (medrxiv.org)
Estimating the infection and case fatality ratio for COVID-19 using age-adjusted data from the outbreak on the Diamond Princess cruise ship (Centre for Mathematical Modelling of Infectious Diseases)
The Coronavirus, by the Numbers (New York Times)

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(Last updated: 07.04.2020, 09:42)