Schulen wahrscheinlich bis Sommer geschlossen

Schule Schulzimmer Unterricht Klasse Schüler Bildung

Politik und Wirtschaft drängen auf eine baldige Laden- und Schulöffnung. Doch die Realität sieht wohl anders aus. Diverse Schulen bereiten sich bereits vorsorglich auf eine Verlängerung der Schulschliessungen vor. In den letzten Tagen geht in der Debatte oft vergessen: eine Pandemie lässt sich nicht mit ökonomischem Wunschdenken aufhalten. Eine Pandemie ist eingedämmt, wenn sie eingedämmt ist. Nicht eher, und schon gar nicht an einem Datum, das die SVP aufs geratewohl aussucht. Dass es zumindest für die Schulen einiges länger dauern dürfte, bis wieder Normalbetrieb herrscht, darauf deuten die verstärkten Anstrengungen und Vorbereitungen in mehreren Kantonen hin. Eine Übersicht.

Inhalte:

 

 

Schulen erst im Juni wieder offen?

Der Bundesrat hatte in einem ersten Schritt den schulischen Lockdown bzw. die Schliessung aller Schulen für den Präsenzunterricht bis zum 19. April beschlossen. Nun deutet vieles auf eine Verlängerung hin, möglicherweise gar bis Juni. Auch Gesundheitsminister Bundesrat Alain Berset kündigte an einer Pressekonferenz an: «Es ist illusorisch zu glauben, nach dem 20. April werde alles wieder zur Normalität zurückfinden.»


«Da die Wissenschaft damit rechnet, dass es drei bis vier Monate dauert, bis die Epidemie abflacht, müssen wir auch mit Schulschliessungen für diesen Zeitraum rechnen.»
Silvia Steiner, oberste Bildungsdirektorin der Schweiz

Quelle: «NZZ» - "Die Schulen in der Schweiz könnten bis vier Monate zu bleiben, sagt die oberste Bildungsdirektorin"


Auch BAG-Leiter Daniel Koch erklärte an der Fachexperten-Medienkonferenz vom 2. April: «Es ist noch zu früh, die Massnahmen zu lockern.» Die Zunahme der bestätigten Coronavirus-Neuinfizierten schwanke um die etwa 1000 Fälle pro Tag. «Es ist kein steiler Anstieg mehr, aber immer noch eine beträchtliche Menge», so Koch. «Wir haben mit Sicherheit noch nicht den Höhepunkt der Epidemie erreicht.»


Die Kantone verstärken deshalb bereits ihre Bemühungen um Fernunterricht.


 

 

Schulen bereiten sich auf Verlängerung vor

Schule Bildung Stifte Bleistifte Unterricht

Die aktuelle Krisenlage führt dazu, dass sich mehrere Schulen bereits für eine Verlängerung der Lockdown-Massnahmen über den 19. April hinaus rüsten. Auch die oberste Bildungsdirektorin der Schweiz Silvia Steiner erklärt gegenüber dem «Tagesanzeiger»:


«Ich empfehle allen, sich mental auf den schlechtesten Fall vorzubereiten. Sonst ist man nur enttäuscht, wenns nicht schneller gegangen ist.»
Silvia Steiner, oberste Bildungsdirektorin der Schweiz

Quelle: «Tagesanzeiger» - "Es gibt auch Eltern, die dringend eine Pause brauchen"



Kanton Solothurn
Im Kanton Solothurn beispielsweise starten ab nächste Woche die Frühlingsferien, der Fernuntericht soll nach den Ferien jedoch nahtlos wieder anknüpfen. Einzelne Gemeinden wie z.Bsp. Olten (SO) planen laut «Blick» sicherheitshalber bereits bis Ende Mai. In einem Elternbrief zu den Rahmenbedingungen des Fernunterrichts heisst es, nach den Ferien «werden die Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung erhöht». Olten erweitert die bisherige Vertiefung des Lernstoffs zusätzlich auch um die Vermittlung von neuem Wissen nach den Frühlingsferien. Geplant ist offenbar ein virtuelles Klassenzimmer.


Kanton St. Gallen
Auch im Kanton St. Gallen planen die Schulen über den 19. April hinaus und hoffen auf einen Normalbetrieb ab dem Monat Juni. «Wie lange die ausserordentliche Lage noch andauert, ist derzeit noch offen», schreibt die St. Galler Kantonsregierung in einer Mitteilung. Der Regierungsrat hat die Schulen aber angewiesen, den Fernunterricht nach den Frühlingsferien «bis Ende April zu planen». Nach den Ferien solle «überall konsequenter auf das Vermitteln neuer Lerninhalte» gesetzt werden. Trotzdem sollten die Schulen so rasch wie möglich wieder geöffnet werden mittels eines schrittweisen Herauffahren des Präsenzunterrichts. «Ziel soll es sein, ab Mai teilweise etwa für die Benachteiligten in Kleingruppen und spätestens ab Juni vollständig im Normalbetrieb für Präsenzunterricht gerüstet zu sein.»

Kanton Aargau
Auch der Kanton Aargau verstärkt die Bestrebungen des Fernunterrichts. Anfangs untersagte der Kanton bzw. die Bildungsdirektion den Lehrern, ihren Schülern Aufgaben für zuhause aufzugeben, hob die Weisung dann aber schnell wieder auf, als der zeitliche Rahmen klarer wurde. «Ab 20. April soll es nun auch im Aargau richtigen Fernunterricht geben, der sich am Lehrplan orientiert. Noten gibts allerdings nicht», weiss der «Blick» zu berichten.


Weitere Kantone
In anderen Schweizer Kantonen sind die Vorbereitungen noch etwas vager. Es ist unklar, wie die Planungen für die Zeit nach den Frühlingsferien aussehen.


«Ich stelle mich darauf ein, dass wir noch über die Frühlingsferien hinaus beim Fernunterricht bleiben müssen.»
Filippo Leutenegger, Zürcher Stadtrat & Schulvorsteher

Quelle: «NZZ» - "Die Schulen in der Schweiz könnten bis vier Monate zu bleiben, sagt die oberste Bildungsdirektorin"


Entscheidend wird allein der Bundesrat-Entscheid sein, ob sich die Schulschliessungen über das Datum des 19. April hinaus verlängern. Es deutet aber vieles darauf hin, sowohl die Äusserungen des Bundesrates, als auch von BAG-Leiter Koch und der obersten Bildungsdirektorin. Die nächsten Tage mit den warmen frühlingshaften Temperaturen und das Verhalten der Bevölkerung am Osternwochenende dürften dabei massgeblich dazu beitragen.

Vielleicht interessiert Dich auch:


Lokal. Regional. National. CH - www.ConvivaPlus.ch Autor: Schweiz - Redaktion

Die Schweiz kompakt - ConvivaPlus.ch
Lokales, regionales und nationales Wissen.

 

(Last updated: 03.04.2020, 12:42)