Angestellte in der Schweiz sollen 7 Tage durchgehend arbeiten - auch Sonntag, Feiertage und Nacht

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Die selbsternannte rechts-bürgerliche "Denkfabrik“ Avenir Suisse fordert, dass die Supermärkte in der Schweiz auch am Sonntag, an Ruhetagen und gesetzlichen Feiertagen offen bleiben, dass Lastwagen 24 Stunden fahren, dasselbe auch für die Post- und Paketzustellung gilt und das Arbeitsgesetz entsprechend gelockert wird, damit sieben Tage die Woche und das Tag und Nacht gearbeitet werden kann - auf Kosten der Angestellten.

Als ob die Verkäuferinnen und Verkäufer und weiteres Personal im Detailhandel und in der Logistikbranche nicht jetzt schon Unglaubliches für die Gesellschaft leisten (und dafür meist nicht viel mehr als einen Mindestlohn erhalten). Jetzt soll noch das Arbeitsgesetz quasi ausgesetzt werden. Gerade in der Corona-Krise zeigen die Rechten ihre wahre Fratze.

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7-Tage-Woche ohne fixe Tages- oder Nachtzeit

An sieben Tagen die Woche arbeiten und konsumieren - «und das zu keiner fixen Tages- oder Nachtzeit», fasst «20 Minuten» die Forderung von Avenir Suisse zusammen. Diese selbsternannte "Denkfabrik“ will das Arbeitsgesetz aushebeln und nennt das höhnisch «notwendige regulative Entschlackungen im Arbeitsgesetz».

Damit spielt Avenir Suisse insbesondere der rechtsnationalen SVP in die Hände, die lautstark eine landesweite Öffnung der Läden und Schulen ab 19. April fordert, während sich die SVP-Milliardäre selber nicht mal ins Parlament wagen. Als Begründung beruft sich Avenir Suisse darauf, dass auf diese Weise die Abstandsregeln besser eingehalten werden können. So könne das Coronavirus besser eingedämmt werden, ohne die Wirtschaft lahmzulegen.

 

 

Freie Ladenöffnungszeiten

Avenir Suisse fordert den Abbau sämtlicher Einschränkungen der Ladenöffnungszeiten von Montag bis Samstag zwischen 6 und 23 Uhr. Ausserdem müsse die Nachtarbeit rascher und einfacher bewilligt werden.


Zudem fordert die rechtsliberale Propagandadabrik Avenir Suisse eine temporäre Aufhebung des Verbots, dass die Läden an Sonntagen, öffentlichen Ruhetagen und offiziellen gesetzlichen Feiertagen nicht öffnen dürfen.


Diese Massnahme müsse für Lebensmittelläden (Supermärkte) und Tankstellen gelten. Aber auch andere Branchen wären von dieser Forderung betroffen ...

 

 

24 Stunden an 7 Tagen die Woche


Doch damit nicht genug: Lastwagen (Lieferanten, aber auch Post- und Paketzustellung) sollen die ganze Nacht über fahren.


«Wenn Arbeitsabläufe und Kundenströme stärker auf alle 24 Stunden des Tages und sieben Tage der Woche verteilt werden, sollte auch die Logistik die gleichen Möglichkeiten haben», so die Forderung der Avenir Suisse. Sie fordert deshalb die Aufhebung des Sonntags- und Nachtfahrverbots für Lastwagen ab 3,5 Tonnen.

 

 

Arbeitsgesetz bei Ärzten und Pflegekräften bereits ausgesetzt

Die Gewerkschaften wehren sich gegen diese Aushebelung der Arbeitsgesetze. Wie rasch das nämlich gehen kann, zeigt das Beispiel der Ärzte und Pflegekräfte. Der rechts-nationale Bundesrat (2xSVP + 2xFDP = absolute Mehrheit) hat kurzerhand und klammheimlich die minimalen Gesundheitsschutz-Bestimmungen fürs Spitalpersonal betreffend Pausen und Ruhezeiten aufgehoben!

Jene, die sich tagtäglich den Gesundheitsrisiken aussetzen, sollen als Arbeitnehmende 2. Klasse behandelt werden, die selber keinen Anspruch auf Schutz ihrer eigenen Gesundheit mehr haben. Genau jetzt aber brauchen wir Spitalpersonal, das den Kopf bei der Sache hat. Das hat auch viel mit Respekt vor dieser Arbeit zu tun.

Die Gewerkschaft Syna hat bereits den Bundesrat dafür kritisiert, dass er die Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen für das Spitalpersonal ausgesetzt hat: «Die momentanen Herausforderungen im Gesundheitswesen müssen gemeistert werden, aber nicht auf Kosten der Gesundheit der Angestellten», kritisiert die Syna in einer Stellungnahme.


«Dies gilt auch in der Verkaufsbranche», so die Syna. «Auch das Personal im Detailhandel sieht sich im Moment einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt und riskiert im Einsatz oft seine Gesundheit.»


Die Gewerkschaft lehnt jegliche arbeitsrechtliche Lockerungen ab. «Das geltende Arbeitsgesetz gibt den Detailhändlern genügend Möglichkeiten, eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen und gleichzeitig den Gesundheitsschutz für das Personal zu gewährleisten.»

Weiterführende Informationen:
Supermärkte sollen auch am Sonntag öffnen (20 Minuten)
Migros und Copp sollen mehr Flexibilität erhalten (Blick)

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(Last updated: 02.04.2020, 16:02)