10’000 Coronavirus-Fälle in der Schweiz? - Eine neue Studie berechnet die Dunkelziffer

 


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3028 Coronavirus-Fälle gibt es in der Schweiz laut Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Dunkelziffer dürfte aber um ein Vielfaches höher sein als die offiziellen Zahlen. Das besagt eine kürzlich noch von vielen Seiten belächelte Studie und fordert konsequente Massnahmen, denn «Länder, die schnell handeln, können die Zahl der Todesfälle um den Faktor 10 reduzieren

Wie hoch genau ist die Dunkelziffer in der Schweiz? Eine Analyse von Pierre Dessemontet basierend auf einer Studie von Tomas Pueyo liefert Antworten und Prognosen: «Wenn wir von der Geschwindigkeit des Fortschritts ausgehen, hat die Schweiz in Wirklichkeit wahrscheinlich fast 10’000 Fälle.»  (Aussage vom 13.03.2020). Dies untermauert nun auch die jüngste Äusserung des BAG an der Pressekonferenz (vom 17.03.2020): «Die Lage in der Schweiz entwickelt sich so schnell und so gross, dass das BAG Mühe hat und wir nicht mehr nachkommen, die Fälle sofort zu erfassen und je nach Kanton einzeln auszuweisen. Es ist nicht so, dass wir etwas hinauszögern oder verheimlichen, sondern es geht einfach zu schnell.» Die Zahlen würden sich in den nächsten Tagen weiter erhöhen, auch seien die aktuellen Zahlen weit höher, als bisher bekannt, da das BAG «heute Fälle kommuniziert, die sich vor einer Woche angesteckt haben».

Inhalte:

Anzahl Infizierte seit Tag 1
Italien vs. Schweiz vs. Deutschland vs. Frankreich vs. Spanien

Coronavirus Infizierte im Vergleich: Italien, Schweiz, Deutschland, Frankreich
Quelle: Watson - «Wie sieht eigentlich jetzt der Vergleich mit Italien aus? Leider gar nicht gut.»

 

 

Hohe Coronavirus-Dunkelziffer in der Schweiz

Statt der mehr als 1000 infizierten Fällen dürften es in der Schweiz in Wirklichkeit derzeit rund 10‘000 Coronavirus-Fälle geben, erklärt der auf geographische Daten spezialisierte Analyst Pierre Dessemontet, der auch Leiter des Forschungsbüros Microgis in Yverdon ist, an der ETH Lausanne (EPFL) unterrichtet sowie Grossrat im Kanton Waadt, gegenüber der Tageszeitung «La Liberte». Weshalb es eine so hohe Diskrepanz zwischen den offiziellen BAG-Zahlen und der hohen Dunkelziffer an Coronavirus-Erkrankten gebe, erklärt Dessemontet grob zusammengefasst wie folgt: Viele erkrankte Personen würden sich gar nicht erst bei den Behörden melden, weil sie sich nicht bewusst seien, dass sie infiziert sind und auch andere Menschen ansteckten.

Coronavirus: Fälle nach Länder
Grafik-Quelle: Tomas Pueyo.

Seine Zahlen zur Dunkelziffer basieren auf einer neuen Studie. Unter dem Titel «Coronavirus: Warum Sie jetzt handeln müssen» versucht eine von Tomas Pueyo veröffentlichte Studie (auf englisch), ein französisch-spanischer Verhaltenspsychologe, der nach seinem Studium an der Stanford University in Kalifornien nun im Sillicon Valley arbeitet, ein realistischeres Bild der Coronavirus-Situation in der Welt zu zeichnen (hier gibt es die Studie in deutscher Sprache sowie auf italienisch - französisch - spanisch - serbisch - polnisch - russisch - türkisch - griechisch). Er kam zum Schluss, dass die Zahl der Fälle weit über den offiziellen Zahlen liege. Dazu analysierte er die verfügbaren Daten aus verschiedenen Ländern zum Coronavirus (bestätigte Fälle, Neuinfektionen, Todesfälle, Qualität der Gesundheitssysteme etc.).

Seine Schlussfolgerung anhand der Zahlen: «Es gibt Dutzende Länder mit exponentiellen Wachstumsraten. Die meisten von ihnen sind westlich


In China beispielsweise trafen die Behörden «die Entscheidung, eine ganze Stadt abzuriegeln - und das bei nur 400 neuen Fällen an einem Tag. In Wirklichkeit waren es 2’500 Neuinfektionen, davon wussten sie aber nichts


Von anderen Orten wisse man, dass die Sterberate bei 0,5% bis 5% liege. Wie konnte die Sterberate in Washington laut Behördenangaben gleich 33% betragen?

«Es stellte sich heraus, dass sich das Virus seit Wochen unbemerkt ausgebreitet hatte. Es gab nicht nur 3 Fälle. Die Behörden wussten aber nur von diesen dreien, denn je ernster der Krankheitsverlauf, desto wahrscheinlicher ist es, dass jemand auf das Virus getestet wird», erklärt Pueyo die hohe Dunkelziffer. Nur drei offizielle Fälle zu diesem Zeitpunkt, «in Wirklichkeit waren es bereits Hunderte, vielleicht Tausende Fälle».

Coronavirus: Neuinfektionen pro Tag nach Länder
Grafik-Quelle: Tomas Pueyo.

Pueyo kommt in seiner sehr aufschlussreichen und gut erklärten Studie zum Schluss: «Wir kennen die wahre Zahl der Fälle nicht, sie ist aber sehr viel höher als die offiziellen Zahlen. Es geht nicht um Hunderte. Es geht um Tausende, vielleicht mehr.»

Auf Ländernachbar Frankreich angewendet: «Frankreich sprach bis zum 9. März von 1’400 Fällen und 30 Toten. Mit den 2 ausgeführten Methoden dürfte die tatsächliche Zahl der Coronavirus-Infizierten zwischen 24’000 und 140’000 liegen

Oder für Madrid, der Hauptstadt in Spanien: «In der Region Madrid liegt die wahre Zahl der Infizierten bei 600 offiziellen Fällen und 17 Toten wahrscheinlich zwischen 10’000 und 60’000

In der Schweiz sind nach diesen Erkenntnissen bereits über 10‘000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, fasst es Dessemontet auf die Schweiz adaptiert zusammen. «Diese Schlussfolgerung ist das Ergebnis echter statistischer Arbeit. Sie basiert auf der Anzahl der Todesfälle, wobei die Bedingungen und die Qualität der Gesundheitssysteme in jedem Land berücksichtigt werden, die je nach Qualität der Reaktion der Behörden von einem bis drei oder von einem bis vier variieren können», kommentiert Pierre Dessemontet die Studie und die vermutlich hohe Dunkelziffer für die Schweiz.

 

 

Prognostizierte Coronavirus-Todesfälle


«Das Coronavirus ist also schon da. Es ist unsichtbar und wächst exponentiell. Was wird in unseren Ländern passieren, wenn es zuschlägt?», fragt Tomas Pueyo.


Um die Antwort gleich selber zu geben. Pueyos Studie prognostiziert folgende Sterberate:

«Länder, die vorbereitet sind, werden eine Sterblichkeitsrate zwischen ca. 0,5% (Südkorea) und 0,9% (China ausserhalb der Region Hubei) aufweisen.

Länder, die überfordert sind, werden eine Sterblichkeitsrate zwischen ca. 3% und 5% haben.»


«Anders gesagt: Länder, die schnell handeln, können die Zahl der Todesfälle um den Faktor 10 reduzieren. Und das ist nur die Sterblichkeitsrate. Schnelles Handeln reduziert auch die Gesamtzahl der Fälle.»



Coronavirus Schweiz Pandemie Virus

Experten warnen: «Wir brauchen sofort drastische Massnahmen», sonst drohe uns in der Schweiz das Coronavirus-Italien-Szenario
- Wissenschaftler warnen -


Schweizer Ärzte und Professoren fordern die sofortige Schliessung aller Schulen in der Schweiz und die Ausrufung der «ausserordentlichen Lage» durch den Bundesrat. Ansonsten drohe hier dieselbe Situation wie in Italien. «Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist die Schweiz auf dem genau gleichen Kurs wie Italien vor rund einer Woche» ...




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Jeder muss Verantwortung übernehmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen

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Die Zunahme der Krankheitsfälle hänge also von den getroffenen Massnahmen und von der Robustheit des Gesundheitssystem ab. Pierre Dessemontets Warnung zur Lage in der Schweiz: «Das Unsere ist gut organisiert und sollte nicht überfordert werden.»


Folglich lässt sich ableiten, dass in der Tat rigorose Massnahmen à la China und Italien erforderlich sind, um die Ausbreitung einzudämmen. Und dass die Bevölkerung bzw. jede/r Einzelne/r mit seinem Handeln grosse Verantwortung trägt.



Coronavirus Notstand Lockdown

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SCHWEIZ RUFT NOTSTAND AUS!

- Landesweiter Lockdown -


Der Bundesrat hat für die gesamte Schweiz den nationalen Notstand ausgerufen und wechselt in den Krisenmodus «ausserordentliche Lage», um das exponen­tielle Wachstum der Coronavirus-Ansteckungen abzuschwächen. Die Landesregierung hat zudem die grösste Mobilmachung der Schweizer Armee seit dem 2. Weltkrieg angeordnet ...



Schweiz Coronavirus Notstand Offen Geschlossen

CORONAVIRUS NOTSTAND
Aktuelle Liste: Was bleibt offen, was geschlossen? (LISTE)

Hier gibt es die detaillierte Liste


Folgendes bleibt in der Schweiz trotz Lockdown offen und folgendes ist ab sofort geschlossen ...


Auf die Frage von «Le Nouvelliste» nach der Entwicklung des Virus in der Schweiz meint nämlich auch Eric Bonvin, Direktor des Walliser Spitals, dass die Botschaft des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) klar ist: «Wir haben die Infektionsfälle nicht mehr unter Kontrolle, aber wir haben noch die Möglichkeit, sie einzudämmen

Dazu betont der Arzt immer wieder, dass die «Disziplin der Bevölkerung» gegenüber den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden von grösster Bedeutung ist. Wenn jeder die Verantwortung übernimmt, kann die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt werden und die Notfall- und Intensivpflegedienste werden auf diese Weise nicht überlastet, fügt er hinzu. «Jeder von uns ist die Grenze», fasst es Pierre Dessemontet gegenüber «Le Courrier» zusammen.

Die gleiche Beobachtung machte der Infektiologe Philippe Eggimann, der in «La Liberté» und «Arcinfo» interviewt wurde. Seiner Meinung nach sollten Menschen mit Symptomen (Husten, Fieber, Atembeschwerden) zu Hause bleiben und von ihrem Arzt beobachtet werden. «Dies würde helfen, die Epidemiekurve zu senken

Quelle & weiterführende Informationen:

UNBEDINGT LESEN:
Coronavirus: Why you must act now (Studie von Tomas Pueyo)
Coronavirus: Warum du jetzt handeln musst! (Pueyos Studie auf deutsch)
La Suisse pourrair comoter pres de 10000 cas selon un analyste (La Liberte)


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(Last updated: 17.03.2020, 14:32)