Italien riegelt das ganze Land ab in Quarantäne

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Ganz Italien wird wegen des Coronavirus zur roten Sperrzone: Italien riegelt das Land ab und weitet die Quarantäne auf die gesamte Bevölkerung mit über 60 Millionen Einwohnern aus. Dies verkündete Ministerpräsident Giuseppe Conte.

Kein Land in Europa geht so drastisch vor im Kampf gegen Covid-19 wie Italien. Es ist das Epizentrum des Coronavirus in Europa. Das Land kämpft gegen eine rapide steigende Zahl von Infizierten und Toten durch die Covid-19-Lungenkrankheit - mit Abstand am meisten in Europa. Mittlerweile haben sich fast 10'000 Menschen in Italien mit dem Virus angesteckt, mehr als 460 Personen sind gestorben. Mit dem landesweiten Reiseverbot und der Stilllegung des öffentlichen Lebens wurde ein Defacto-Ausnahmezustand ausgerufen.

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Ganz Italien wird zur Sperrzone

«Ganz Italien wird eine Schutzzone sein», eine „zona protetta“, kündigte der italienische Regierungschef Giuseppe Conte bei der Medienkonferenz in seinem Amtssitz, dem Palazzo Chigi, an. Die Regierung dehnt ab Dienstag 10. März 2020 und mindestens bis zum 3. April 2020 die bereits in der Lombardei und 14 anderen Provinzen aktiven Massnahmen zur Abriegelung im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Notstand landesweit auf alle italienischen Regionen aus.

Das heisst: Einreisen und Ausreisen sind verboten bzw. die Reisefreiheit innerhalb des Landes wird eingeschränkt. Es soll nur noch reisen dürfen, wer einen wichtigen Grund hat. Sprich, wer im Ausland arbeitet sowie medizinische und familiäre Notfälle erhalten eine Sondergenehmigung. Dafür muss man zwingend ein Formular ausfüllen (man kann das Formular hier herunterladen), um bei der Kontrolle durch die Polizei eine Genehmigung vorweisen zu können.

«Unsere Zukunft und die Zukunft Italiens liegt in unseren Händen. Heute mehr denn je», erklärte Ministerpräsident Conte. «Wir haben keine Zeit mehr», dem Fortschreiten des Virus entgegenzuwirken. «Wir müssen alle etwas aufgeben, um die Gesundheit der Bürger zu schützen. Heute ist die Zeit für Verantwortung. Wir dürfen unsere Wachsamkeit nicht nachlassen.» Auch die Versammlungsfreiheit wird drastisch eingeschränkt. Das Schengen-Abkommen soll aber nicht ausgesetzt werden. «Es ändert sich nichts. Die Einschränkungen betreffen die Reisen der Italiener. Wir werden auf jeden Fall die Einreisen nach Italien kontrollieren», erklärte der Premier. Die Grenzen des Landes sollen aber offen bleiben.

 

 

Ein Land in Quarantäne

Der Text des Dekrets - der am Montagabend 09.03.2020 im Amtsblatt veröffentlicht wird und ab Dienstag früh 10.03.2020 in Kraft ist - dehnt die zuletzt eingeleiteten Massnahmen auf die gesamte Halbinsel aus und setzt Italien unter Quarantäne. Mit den bisherigen Vorkehrungen sei es nicht gelungen, die täglichen Neuansteckungen zu bremsen. Diese steigen stetig. «Wir haben keine Zeit», sagt Conte.


«Die Zahlen zeigen uns, dass wir eine deutliche Zunahme von Ansteckungen haben, von Menschen auf der Intensivstation und leider auch von Menschen, die gestorben sind. Unsere Lebensgewohnheiten müssen daher geändert werden. Sie müssen jetzt geändert werden. Ich habe beschlossen, jetzt noch strengere, stärkere Massnahmen zu ergreifen», sagte Conte. «Ich bin dabei, eine Massnahme zu unterzeichnen, die wir als "Ich bleibe zu Hause" zusammenfassen können. Es wird keine rote Zone mehr auf der Halbinsel geben. Sondern ganz Italien wird zu einer einzigen Schutzzone», zitiert «Corriere della Serra» den italienischen Ministerpräsidenten.

 

 

Das wird alles geschlossen

Alle Schulen, Universitäten und Kindergärten bleiben mindestens bis zum 3. April 2020 geschlossen, die Fussballmeisterschaft wird unterbrochen. Verboten werden auch sämtliche öffentlichen Versammlungen. Alle Einwohner Italiens sollen möglichst zu Hause in Quarantäne bleiben, sofern sie nicht zur Arbeit müssten oder dringende Angelegenheiten zu erledigen haben.

«Bewegungen sind nur aus nachgewiesenen gesundheitlichen oder beruflichen Gründen erlaubt.» Bars und Restaurants in ganz Italien müssen nach 18 Uhr schliessen. Während den Öffnungszeiten müssen die Gäste mindestens einen Meter Abstand halten, andernfalls wird das Lokal geschlossen. Pubs, Diskotheken, Spiel- und Bingohallen werden gleich ganz geschlossen. Verboten wurden auch alle Feierlichkeiten, einschliesslich Hochzeiten und Beerdigungen, sowie alle Gottesdienste. Museen, Theater und Kinos werden ebenfalls geschlossen.

 

 

Öffentlicher Verkehr bleibt in Betrieb

Ausgenommen vom Verbot ist die Mobilität, der öffentliche Verkehr soll weiterhin in Betrieb bleiben. Conte präzisierte, dass «eine Beschränkung des öffentlichen Verkehrs nicht auf der Tagesordnung steht, um die Kontinuität des Produktionssystems zu gewährleisten und den Menschen den Weg zur Arbeit zu ermöglichen».

Italienischen Medienberichten zufolge ordnete das Innenministerium in Rom aber verschärfte Kontrollen auf Busstationen, Bahnhöfen und Flughäfen an. Auch Strassen und Autobahnen werden verstärkt kontrolliert. Auf den Bahnhöfen des Landes kann zudem die Temperatur der Reisenden mit Thermoscannern kontrolliert werden.

 

 

Wirtschaft liegt brach

Das Dekret kommt nach einem aus wirtschaftlicher Sicht dramatischen Tag: Die Mailänder Börse verlor mehr als 11 Punkte, der schlechteste Tag seit dem Brexit-Referendum. Conte erklärte auch, dass die Regierung die Einführung wirtschaftlicher Massnahmen erwägt, die zu einer noch grösseren Abweichung von dem führen würden, was für die Defizit-/BIP-Quote veranschlagt wurde (von 2,2% auf 2,5%).

 

 

Touristen sollen nach Hause

Unklar bleibt momentan noch, was die landesweite Ausdehnung der Sperrzone für Touristen und für die Nachbarländer Italiens bedeutet. Für Touristen gilt die Heimreise aus dieser Zone als dringender Grund. Italien hat die Touristen offiziell zum Verlassen der Sperrgebiete aufgefordert.

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(Last updated: 10.03.2020, 08:05)