Coronavirus: Banknoten könnten laut WHO das Virus verbreiten - FAKTENCHECK

Banknoten könnten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Coronavirus verbreiten, wenn sie in der Hand eines Infizierten waren. Die WHO empfiehlt (The Telegraph) am 02. März 2020, nach Berührung mit Geldnoten die Hände zu waschen, da infektiöses Covid-19 möglicherweise einige Tage an der Oberfläche haften bleibe. Oder wenn möglich stattdessen bargeldlose, kontaktlose Bezahlung zu verwenden.

China desinfiziert derweil grossflächig Geldscheine (CNBC) und isoliert das Bargeld für 14 Tage in Quarantäne. Auch Südkorea (Central Banking) und auch der Iran (BBC) drängen auf eine Vermeidung von Bargeld. Doch wie gross ist die Gefahr tatsächlich, dass man sich durch Geldnoten mit dem Coronavirus infizieren kann? Hier gibt es nüchterne, wissenschaftliche Antworten im Faktencheck (alle Quellen am Artikelende).

Inhalte:

 

 

Coronavirus auf Banknoten?

Mitte Februar informierte die WHO zwar noch, dass das Risiko sich mit dem Coronavirus zu infizieren sehr gering sei, wenn man mit Münzen, Banknoten, Kreditkarte und andere Objekten in Kontakt kommt. Nun hat die WHO ihre Warnung am Montagabend 02.03.2020 offenbar geändert und warnt auf die Frage, ob Banknoten das Coronavirus verbreiten könnten:


«Ja, das ist möglich und eine gute Frage. Wir wissen, dass Geld häufig den Besitzer wechselt und alle möglichen Arten von Bakterien und Viren und solche Dinge aufsaugen kann», antwortete ein WHO-Sprecher dem «The Telegraph».


«Wir raten den Menschen, sich nach dem Umgang mit Banknoten die Hände zu waschen und die Berührung des Gesichts zu vermeiden», zitiert auch «The Guardian». Um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, sollten Menschen, die mit Bargeld in Kontakt kommen, die Hände waschen und nach Möglichkeit kontaktlose Technologie zur Bezahlung verwenden, so der Sprecher der WHO.


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Wie lange überlebt Coronavirus auf Oberflächen?


Wie lange genau das neue Coronavirus ausserhalb des menschlichen Körpers und auf Banknoten überleben kann, ist noch nicht abschliessend bewiesen.


«Der primäre Übertragungsweg erfolgt über Tröpfchen», klärt Prof. Jürgen Haas, Leiter der Infektionsmedizin an der Universität Edinburgh, auf. «Diese Tröpfchen entstehen durch Husten und können eine andere Person direkt über die Luft oder durch die Übertragung über Hände oder andere Oberflächen infizieren.» Haas erklärt weiter, dass das Coronavirus "ziemlich lange" auf unbelebten Oberflächen persistieren kann, obwohl noch niemand genau weiss, wie lange, da Covid-19 so neu ist. «Die Überlebenszeit des Virus hängt von der Oberfläche und den Bedingungen ab», so Prof. Haas. «Je niedriger die Temperatur, desto länger die Überlebenszeit. Wenn die Temperatur wärmer ist, sinkt die Überlebenszeit des Virus.» Die Lebensfähigkeit des Virus wird in dieser Zeit abnehmen, wodurch das Übertragungsrisiko verringert wird.

Eine Analyse von 22 früheren Studien über ähnliche Coronaviren, darunter das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (Sars) und das Respiratorische Syndrom des Nahen Ostens (Mers), die diesen Monat online im Journal of Hospital Infection veröffentlicht wurden, kam zum Schluss, dass menschliche Coronaviren auf unbelebten Oberflächen bis zu neun Tage bei Raumtemperatur infektiös bleiben können. Sie können jedoch durch die Verwendung üblicher Desinfektionsmittel schnell inaktiv werden und sich auch bei höheren Temperaturen auflösen, schrieben die Autoren.

Auch Wissenschaftler der Universität Greifswald und Ruhr-Universität Bochum veröffentlichten laut «Tagesspiegel» Anfang Februar ihre Erkenntnisse, «wonach sich Coronaviren bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben können. Im Schnitt überleben sie demnach zwischen vier und fünf Tagen, Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigerten ihre Lebensdauer.» Hierbei handelt es sich allerdings um Coronaviren wie Sars oder Mers.


Es ist bis heute noch nicht klar, ob sich das neue Coronavirus in ähnlicher Weise verhält. «Die Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass die Ergebnisse auf COVID-19 übertragbar sind.»



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Übersicht: Coronavirus-Tote vs. Grippetote vs. Sars vs. Mers vs. Masern vs. Schweinegrippe vs. Tuberkulose im Vergleich


KEINE ANDERE INFEKTION TÖTET MEHR MENSCHEN PRO TAG UND PRO JAHR ...
(*nicht die Grippe und nicht der Coronavirus)


 

 

Wissenschaftlerin gibt Entwarnung

Obwohl also das Coronavirus über leblose Objekte übertragen werden kann, sind die Chancen, sich auf diese Weise anzustecken, gering, erklärt Dr. Christine Tait-Burkard, Expertin für Infektion und Immunität am Roslin-Institut der Universität Edinburgh: «Die Menge des Virus, die sich potenziell auf einem leblosen Gegenstand befindet, ist normalerweise sehr gering.» Sie betont, dass an den Fingerspitzen einer Person in der Regel nicht viel Coronavirus vorhanden ist und es immer noch an den Atemwegen vorbeigehen müsste, um Sie zu infizieren. «Ihr Atmungssystem ist sehr gut darin, Viren herauszufiltern», so Tait-Burkard.

Obschon das Risiko also gering ist, sei es aber sinnvoll, Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Der offizielle Rat des National Health Service (NHS) lautet, sich regelmässig die Hände zu waschen (oder ein Handdesinfektionsmittel mit mindestens 60% Alkoholgehalt zu verwenden, wenn man gerade nicht in der Lage sind, zu einem Waschbecken zu gelangen), in den Ellenbogen zu husten und gebrauchte Papiertücher sofort zu entsorgen.

Coronavirus BAG Hände Schutz Massnahmen


 

 

Sind Banknoten gefährlich?

Doch stellen Gegenstände wie Banknoten nun tatsächlich eine Gefahr einer Coronavirus-Übertragung dar oder nicht? Banknoten können zwar das Coronavirus tragen. Aber man sollte deswegen nicht allzu sehr beunruhigt zu sein: das Risiko ist gering, eine Infektion eher unwahrscheinlich. «Es sei denn, jemand niest auf eine Banknote», erklärt Dr. Tait-Burkard. Dann bestehe unmittelbar danach kurz die temporäre Gefahr der Schmiereninfektion. Man sollte sich aber nicht allzu sehr vor der Benützung von Geldnoten und Kleingeld sorgen: Denn zum Beispiel «Münzen sind eigentlich eine sehr schlechte Umgebung für Viren, um zu überleben», erklärt sie im «The Guardian».

Auch das Robert Koch Institut (RKI) erklärt auf Anfrage des «Tagesspiegel», dass eine Übertragung des Coronavirus über unbelebte Oberflächen bisher nicht dokumentiert sei: «Eine Infektion mit SARS-CoV-2 über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie zum Beispiel importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, erscheint daher unwahrscheinlich.»

Theoretisch seien Übertragungen des Coronavirus über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, zwar durch Schmierinfektionen denkbar. «Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich», erklärt das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

 

 

China desinfiziert Banknoten


Derweil in China schickt die Regierung neuerdings nicht mehr nur Menschen in Quarantäne, sondern auch Geldscheine.


Die Banken im ganzen Land seien Mitte Februar angewiesen worden, potenziell infiziertes Bargeld (gebrauchte Banknoten) aus dem Verkehr zu ziehen und es entweder durch Ultraviolett- oder Hitzebehandlung zu desinfizieren, dies kündigte der Vize-Chef der Zentralbank, Fan Yifei, an. Dabei verwendeten die Beamten ultraviolettes Licht oder hohe Temperaturen, um die Geldscheine zu sterilisieren. Sie brachten das dekontaminierte Bargeld laut «CNBC» erst wieder auf den Markt und in den Umlauf, nachdem die Banknoten versiegelt und bis zu 14 Tagen gelagert worden waren. Geld, das von risikoreichen Orten wie Krankenhäusern und Märkten entfernt wird, würde zuerst versiegelt und speziell behandelt, und dann von der People's Bank of China (PBOC) aufbewahrt, anstatt wieder in den Umlauf zu gelangen. Auch die Geldtransfers zwischen den chinesischen Provinzen seien ausgesetzt worden. Ausserdem gaben die Behörden in Wuhan 4 Milliarden Yuan (knapp 530 Millionen Euro) in neuen, „nicht infizierten“ Banknoten heraus, berichtet «ORF». Auch Südkorea und neuerdings der Iran drängen vorsichtshalber auf Vermeidung von Bargeld.

 

 

Was sagen die Banken in Europa?

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht hingegen nicht davon aus, dass bei einem Kontakt mit Bargeld wie Geldscheine und Münzen die Gefahr eine Infizierung mit dem Coronavirus besonders gross ist. «Bislang gibt es keinerlei Belege dafür, dass das Coronavirus über Banknoten übertragen wurde», teilte eine EZB-Sprecherin auf Tagesspiegel-Anfrage mit. «Für den Bürger werden im Umgang mit Banknoten und Münzen die gleichen Massnahmen bezüglich der Handhygiene empfohlen wie bei allen anderen Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs auch, wie zum Beispiel Türklinken, Einkaufswagen oder Zahlungsterminals», heisst es vonseiten der deutschen Bundesbank. Die Verantwortung liegt also beim Kunden.

Auch bei der Bank of England gebe es zur Zeit keine solchen Pläne wie in China. Ein Sprecher der Bank of England sagte, es sei noch nicht klar, ob sich das neue Coronavirus ähnlich verhält wie Sars und Mers: «Wie jede andere Oberfläche, mit der eine grosse Anzahl von Menschen in Kontakt kommt, können Banknoten Bakterien oder Viren tragen. Das Risiko bei der Handhabung einer Polymernote ist jedoch nicht grösser als bei der Berührung einer anderen üblichen Oberfläche, wie Handläufe, Türgriffe oder Kreditkarten.» Auch Dr. Muhammad Munir, ein Virologe an der Universität Lancaster in England, relativierte gegenüber «CNBC», dass die Bemühungen Chinas, das Bargeld zu dekontaminieren, nur minimale Auswirkungen auf die Eindämmung des Coronavirus haben würden: «Während sich COVID-19 durch kontaminierte Gegenstände verbreiten kann, ist die Dauer des Überlebens des Virus auf Geldscheinen nicht festgelegt.» Die Aufrechterhaltung einer guten Handhygiene sei noch immer der beste Weg, das Risiko der Übertragung des Virus zu verringern.


Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt trotzdem, dass die Öffentlichkeit beim Umgang mit potenziell infektiösen Banknoten Vorsicht walten lassen sollte und regelmässig die Hände zu waschen.


Weiterführende Informationen:
Dirty banknotes may be spreading the coronavirus, WHO suggests (The Telegraph)
From banknotes to handrails: 10 objects that help spread coronavirus (The Guardian)
China is sterilizing cash in an attempt to stop the coronavirus spreading (CNBC)
China zieht wegen COVID-19 Geldscheine ein (Tagesspiegel)
Quarantäne für chinesische Banknoten (ORF)
Coronavirus: Iran limits travel and urges banknote avoidance (BBC)

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(Last updated: 06.03.2020, 12:47)