Halal-Würste an der Fasnacht in Wohlen - SVP flippt aus: Das sei die «Kapitulation vor der Islamisierung»

Der nächste Wahnsinn geht los: SVPler und Wutbürger flippen aus, weil die Fasnacht in Wohlen AG nur noch Poulet-Würste (Halal) statt wie bisher Wienerli aus Schweinefleisch verteilt, um auf diese Weise auch Muslime für die Fasnacht zu begeistern.

 


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Die Kommentarspalten rechtslastiger Seiten sind bereits voller hochroter Köpfe. Die lautstarke Empörung geht regelrecht viral. "Diskriminierung!" - "Unterwerfung!" - "Fremde Richter!" - "Islamisierung!" sind nur einige Beispiele. Es geht schliesslich um die Wurst: Ein Heiligtum (auf)rechter Schweizer, die sich durch den Verzicht auf Schweinefleisch und der Umstellung auf Pouletwürste offenbar tatsächlich in ihrer kulturellen Identität bedroht zu fühlen scheinen. Dabei stammen die Wienerlis ursprünglich nicht einmal aus der Schweiz. Doch der Reihe nach.

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Schweinefleisch-Wienerli werden durch Poulet-Würste ersetzt

Es ist beschlossene Sache, es gibt nichts zu rütteln: An der nächsten Fasnacht wird es keine traditionellen Wienerli mehr geben. Nach der Wohler Badi öffnet sich neu am schmutzigen Donnerstag mit der Fasnacht in Wohlen im Kanton Aargau (AG) eine weitere Institution für die Musliminnen und Muslime. Man will die fasnächtlichen Feierlichkeiten auch für die Bevölkerung muslimischen Glaubens zugänglich machen und entsprechend attraktiver gestalten. Die Fasnachts-Würste haben hier eine lange Tradition. Bereits seit den 60er-Jahren verteilt die Organisatorin Kammergesellschaft Wohlen AG jeweils kostenlos Wienerli an die Besucherinnen und Besucher der Feier. Ab dem Februar 2019 werden jetzt aber dem «Blick» zufolge die Würste aus Schweinefleisch definitiv durch Würste aus Poulet ersetzt.


«Uns fällt kein Zacken aus der Krone, wenn wir auf Poulet umstellen. Die schmecken genau so gut», erklärt Vorstandspräsident Peter Michel.
 

Die neuen Poulet-Würste würden dabei vor Ort bei einer lokalen Metzgerei produziert. Zwar weiss Michel, dass die Umstellung auf Pouletfleisch sicherlich nicht alle goutieren werden, erklärt aber im «Blick», dass der Verzicht auf Schweinefleisch dazu diene, die Fasnachtstradition trotz Besucherrückgangs weiter fortführen zu können: «Wir wollen die Fasnachts-Tradition am Leben halten und möglichst viele Leute ansprechen.» Andererseits habe der Verzicht vor allem praktische Gründe. Es gehe darum, Verwechslungen vorzubeugen, zwei verschiedene Fleisch-Sorten anzubieten, sei zudem mit deutlich mehr Aufwand verbunden.

Vor allem die Jüngsten hätten «eine Riesenfreude am Wienerli-Brauch. Lassen wir die Kinder also Kinder sein. Der Rest ist wurst.»

 

 

SVP dreht an der Wurst: «Kapitulation vor der Islamisierung!»

Die ersten Reaktionen von rechts-nationaler Seite liessen nicht lange auf sich warten. Wenn es um die Wurst geht, versteht die SVP keinen Spass, dies offenbarte bereits das sogenannte Cervelat-Gate um SVP-Nationalrat Andreas Glarner vor wenigen Monaten (siehe Video unten). Laut «Blick» bezeichnete nun SVP-Fraktionspräsident Jean-Pierre Gallati im Aargauer Grossen Rat den fasnächtlichen Wurstaustausch als «Kapitulation vor der Islamisierung».


Wer Islamisierung fürchtet, kann nicht rechnen

Wir haben nachgerechnet. Eine Pflichtlektüre für Angsthasen ...



«Die Selbstunterwerfung greift um sich», warnt der SVP-Fraktionschef. «Dass man sich wegen des Besucherrückgangs jetzt den Muslimen anbiedert, ist dumm
 

Das könne nicht die Lösung sein, so SVP-Grossrat Gallati weiter und zieht derweil alle Register, indem er betont, dass die Fasnacht ganz klar einen christlichen Hintergrund habe.


Evangelisch.de weiss aber um den heidnischen Ursprung der Fasnacht: «Sicher ist, dass die „tollen Tage“ im Spätmittelalter der offiziellen Kirche ein Dorn im Auge waren. Sie sah in den sexuellen Ausschweifungen, der Völlerei, den Wettkämpfen und Spielen, den Besäufnissen und derben Schauspielen geradezu eine „civitas diaboli“, eine Gegenwelt zum Paradies, eine Hingabe an die Welt, nicht zu Gott. Deshalb verdammte sie die Faschingzeit als widergöttlich.»
 

Das ist mittlerweile schon der zweite „Wurst-Skandal“ innerhalb weniger Wochen, den die SVP politisch auszuschlachten versucht. Im Sommer gab SVP-Asylchef Andreas Glarner federführend den Empörten und Entrechteten beim Cervelat-Gate und sorgte so im Sommerloch schweizweit für Kopfschütteln und hitzige Debatten.


Cervelat-Gate: Glarner missbraucht Kinder für SVP-Propaganda [video]:


 

Dann sorgte wenige Tage vor Weihnachten die Ankündigung der Halal-Toblerone-Schokolade für neuerliche Schnappatmung. Und nun ... auch noch die Wohler Fasnachts-Halal-Wurst! Zuviel des Guten für manch einen rechten Hanswurst. Nicht wenige Personen fühlen sich, diversen Kommentaren nach zu beurteilen, aufgrund einer Wurst ihrer kulturellen Identität beraubt. Realsatire vom feinsten.

Weiterführende Informationen:
Wienerli-Wirbel in Wohlen AG (Blick)

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(Last updated: 29.12.2018, 07:51)