«Der Islam ist böse, Muslime sind gefährlich»

Dank unzähliger Informationen im Internet wissen wir Nicht-Muslime bestens über den Islam Bescheid. Und wie gefährlich er ist.

Tatsächlich aber kennen wir lediglich die Diskurse einer Hand voll religiöser Führer und einflussreicher muslimischer Intellektueller. Weil ihnen selektive Medienpräsenz gewährt wird. Andernfalls würden wir sie kaum wahrnehmen. Manch einer gräbt möglicherweise etwas tiefer und liest differenziertere Studien zum Islam. Diese Studien befassen sich aber lediglich «aus historischer, theologischer und rechtlicher Sicht» mit dem Islam. Genau da beginnt der rigorose Denkfehler vermeintlicher Islamkenner.

Anschauungsbeispiel: Die kommunistische Volksrepublik China.

Fast jeder kennt die Grundpfeiler des Kommunismus in der Theorie.

In der Praxis könnte das kommunistische China aber kapitalistischer nicht sein.

Nirgendwo auf der Erde leben mehr Dollarmilliardäre als in China. Trotzdem wird die Doktrin des Kommunismus nach Aussen hin gelebt und hochgehalten.

Inhalte:

Bitte teilen :-)

 


 


Der Islam ist gefährlich!

Wir glauben, Bescheid zu wissen über den Islam. Und wahrscheinlich kennen einige den Islam richtig gut. In der Debatte wird jedoch ausser Acht gelassen, dass es auf die Islamkenntnisse nicht wirklich ankommt. Im Fokus steht der «gewöhnliche» Muslim. Von dem wir weit weniger wissen. Obschon er ja eigentlich die grosse Mehrheit bildet.

Medial erhält der «gewöhnliche» Muslim aber kaum Medienpräsenz - und bleibt daher unscheinbar. Der «gewöhnliche» Muslim verkauft sich schlecht. Er bringt keine Klicks. Keine Likes. Keine Kommentare. Doch auf ihn kommt es an.

«Die Berichterstattung ist generell sehr konfliktorientiert. Das heißt, berichtet wird nur, wenn es politische oder sogar gewaltförmige Konflikte gibt. Auch das ist in anderen Regionen anders, wenn wir uns beispielsweise Asien oder Lateinamerika ansehen.» [Quelle: Telepolis]

 

So ist der Muslim:

Muslime in der Schweiz

Das in der westlichen Berichterstattung verbreitete Islambild deckt sich nicht mit dem Glauben, den gewöhnliche Muslime hier in der Schweiz leben und praktizieren.

«Hier findet also eine Verschiebung von Realität statt.» [Quelle: Telepolis]

«Ein großer Teil der aktuellen Probleme lässt sich darauf zurückführen, dass der Islam [...] gar nicht mehr als Religion betrachtet, sondern auf das Politische reduziert wird. Das führt natürlich zwangsläufig zu Konflikten.» Dabei ist unser Allgemeinwissen über religiöse Doktrinen einiger weniger islamischer «Führer» alles andere als repräsentativ. Viele behaupten dennoch steif und fest, den Islam und seine Gefahren genaustens zu kennen. Obschon unsere Vorstellungen über die Muslime «mehr auf Eindrücken, Vorurteilen und Klischees als auf objektiven Kenntnissen einzelner Personen» beruhen. Sollte nun einer einwenden, durchaus einzelne muslimische Personen gut zu kennen, so praktizieren diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen gemässigten resp. eben einen "gewöhnlichen" Islam.

 

Islamisierung der Schweiz?

Es gibt weder den Islam, den Muslim oder die islamische Religionsgemeinschaft.

Die Frage muss also erlaubt sein: Müssen wir unser kolportiertes Islambild noch einmal von Grund auf überdenken?

Die ehrliche Antwort lautet: Ja. Immer wenn wir von "den Muslimen" reden, unterstellen wir leichtfertig 1,6 Millarden Menschen verteilt auf dem ganzen Globus angebliche gruppeneigene Besonderheiten. Unfundierter ist kaum möglich. Kulturelle Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum sind selbstredend nicht von der Hand zu weisen. Vermeintliche Islamkenner erliegen hierbei aber einem weiteren Denkfehler.

«Der Islam ist für Musliminnen und Muslime heute offensichtlich nicht mehr das wesentliche Element gesellschaftlicher Einordnung. Er ist ein Element unter vielen für eine schweizerische oder auch europäische islamische Identität.» [Quelle: EKM]

Für die überwiegende Mehrheit der Schweizer Muslime ist die «Integration als Bürger» wichtiger.

«Sie respektieren den gültigen Referenzrahmen (die Verfassung, die individuellen Freiheiten, die Gleichheit der Geschlechter, den Säkularismus, die Menschenrechte), ja, sie machen sich gar spezifisch schweizerische Bürgertugenden wie Fleiss, Pünktlichkeit oder Abfallsortierung zu eigen.» [Quelle: EKM]

→ Siehe auch →
Albanische Muslime setzen ein Zeichen:
Charta zum Islam & Schweizer Rechtsstaat

Die grösste muslimische Gemeinschaft der Schweiz

Wie Angehörige anderer Religionsgemeinschaften auch, genau so wie Katholiken oder Protestanten, weisen Musliminnen und Muslime in der Schweiz ein sehr heterogenes und laizistischorientiertes Profil auf.

«Sie verstehen sich als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, arbeiten in unterschiedlichsten Berufen, haben verschiedenste nationale Hintergründe und kulturelle Traditionen, gehören unterschiedlichen sozialen Schichten an. Das Bekenntnis zum Islam nimmt verschiedene Formen an, und die damit verbundenen religiösen Praktiken weisen eine grosse Palette individuell gefärbter Ausprägungen auf.» [Quelle: EKM]


Bibel vs. Koran = Gut vs. Böse?
Der Koran sei grausam. Und die Bibel?

Streng Praktizierende sind lediglich eine kleine Minderheit. Wie im Christentum.

Droht eine Islamisierung der Schweiz?


Wer nun - unter Berücksichtigung der tatsächlichen Anzahl Muslime in der Schweiz - weiterhin allen Ernstes von einer "drohenden Islamisierung" faselt, ist zweifelsohne selber ein religiöser Eiferer von der fundamentalistischen Sorte.

 

Der Feind:

Die Muslime sind eine gesellschaftliche Realität. Eine kleine Minderheit im Land (4.15% der Bevölkerung), so wie andere Teile der Schweizer Bevölkerung auch. Sie haben ihren festen Platz in der Gemeinschaft. Doch Medien, ausländerphobe und rechtsnationale Kreise jagen eine Sau nach dem anderen durchs Dorf. Früher waren es die Italiener. Später die Jugoslawen. Anfangs beschimpft. Dann gesellschaftlich anerkannt und geschätzt, als der nächste "Feind" in die allgemeine Wahrnehmung drängte. Dieser heisst heute "Muslim". Genauer gesagt "der nicht-repräsentative Muslim". Auf ihn schiesst sich die geballte Kraft der vereinten westlichen Medienaufmerksamkeit ein. Auf der nimmersatten Jagd nach mehr Klicks.

Muslim soll er sein, aber bitte nicht langweilig.

Kein Wunder zählen Artikel über "schlechte" und "fehlbare" Muslime zu den meist geklickten Artikeln im Netz. Sie sind Unterhaltung in ihrer kostengünstigsten Form. Ohne Substanz blenden sie die Sicht auf das grosse Ganze. Sie empören den seichten Geist, sie wecken Emotionen, sie verstärken die Aufregung, sie schüren Hass(kommentare). Kurz: Sie beleben das Geschäft.

Tief verankerte Stereotype lassen sich eben dankbarer bedienen. Brot und Spiele im digitalen Zeitalter.

«Doch die muslimische Wirklichkeit in der Schweiz zu Beginn des 21. Jahrhunderts verlangt neue Zugänge der Verständigung. Denn während in der Tat für Migranten aus dem Irak, aus Afghanistan oder Schwarzafrika das herkömmliche Vokabular für Migration noch annehmbar ist, kann man bei Personen, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind, nicht mehr von Aufnahmegesellschaft und Herkunftsland sprechen. Zumal, und das sei betont, die erste von jungen Muslimen gesprochene Sprache häufig nicht mehr diejenige ihrer Eltern ist, sondern diejenige der Gesellschaft, in der sie leben.» [Quelle: EKM]

LESENSWERT:
Studie «Muslime in der Schweiz» von der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen (EKM).

FREMDSCHÄMEN
«Muslime haben 5-7 Kinder»
Sagt SVP-Nationalrat Andreas Glarner

Vielleicht interessiert Dich auch:

Lokal. Regional. National. CH - www.ConvivaPlus.ch Autor: Schweiz - Redaktion

Die Schweiz kompakt - ConvivaPlus.ch
Lokales, regionales und nationales Wissen.

(Last updated: 16.05.2017, 16:51)