20 Millionen Muslime marschieren trotz ISIS-Gefahr

KONTROVERS: 20 Millionen Muslime marschierten Ende November trotz unmittelbarer Lebensgefahr auf der Arba'een-Pilgerfahrt unter anderem auch gegen den ISIS - und die westlichen Mainstream-Medien ignorierten diese News beinahe komplett. Weshalb?

Verkauft sich der „böse Muslim“ schlichtweg besser?

Inhalte:

 



Marsch der Muslime gegen Isis wird ignoriert

 

Ist die Pilgerfahrt auch ein Marsch gegen ISIS?

Weit grösser als die berühmte Hadsch-Pilgerfahrt nach Mekka: Die Arba'een-Pilgerfahrt.

Millionen von Shia-Muslimen haben an einem der grössten Märsche der Welt teilgenommen, als sie durch den Irak pilgerten, um einen berühmten moslemischen Märtyrer zu feiern. Der Marsch machte sich am 20. und 21. November 2016 auf den Weg in die Stadt Karbala, 62 Meilen südwestlich von Bagdad gelegen, für den Heiligen Tag von Arba'een.

ISIS hat Shia-Muslime (die zweitgrösste Konfession im Islam) zu Abtrünnigen erklärt und macht auf sie gezielt Jagd (→ Genocide of Shias by ISIL).

Nusayyef al-Khattabi, der den Provinzrat Karbala leitet, sagte, er erwarte über mehrere Tage hinweg eine Gesamtzahl «zwischen 17 Millionen und 20 Millionen» Besucher.

«Wir bitten Gott, uns gegen die Mitglieder der Daesh [Isis] zu unterstützen, uns zu helfen, Mossul zu befreien und unsere Politiker dazu zu ermahnen, sich an die Menschen zu erinnern, die so viel geopfert haben», sagte laut «Independent» der 45-Jährige Umm Ali.

Viele Pilger hatten sich dazu entschieden, die Reise zu Fuss zu machen, obwohl ihre Reise sie unmittelbar in die Nähe von ISIS-kontrollierten Gebiete führte. Und obwohl die Extremisten bereits mehrere tödliche Angriffe auf die Pilgerfahrt verübt hatten.

Doch dagegen gibt es auch kritische Stimmen. Der «Independent» und «Msn» machten die Story sogleich zum Klickköder-Artikel «20 Millionen Muslime Marsch gegen Isis». Was auf Reddit kritisiert wird. Denn eigentlich sollte es eher heissen «20 Millionen Muslime Pilgerfahrt trotz unmittelbarer Isis-Gefahr».

Zweifellos hat die Pilgerfahrt aber als Reaktion auf die unmittelbare Isis-Bedrohung (siehe unten) zusätzliche Bedeutung erlangt: ein lautstarker Protest gegen die Isis-Terroristen, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Daher bleibt die Frage berechtigt, weshalb gar nicht darüber berichtet wurde.

 

Viele Todesopfer bei Isis-Angriffen:

Der Marsch zählte denn auch rund 80 Todesopfer, viele von ihnen Pilger auf dem Heimweg von Arbaeen in Karbala, die alle bei den jüngsten Isis-Angriffen ums Leben kamen.

Über 24’000 Soldaten und Polizisten versuchten den Marsch zu beschützen. Man befürchtete zu Recht, dass Isis-Streitkräfte in und um die letzte grosse Festung Mossul versuchen würden, während Arba'een die Städte Bagdad oder Karbala anzugreifen.

Eine Woche zuvor tötete ein Selbstmordattentäter sechs Menschen nahe Karbala mit einem Angriff, den der islamische Staat für sich beanspruchte. Pilger Jaber Kadhem Khalif sagte: «Ich bin mit meiner Frau und meinen drei Söhnen von Basra marschiert ... Dies ist das dritte Mal. Wir starteten vor 13 Tagen und erreichten Karbala Sonntagnacht.» Der 40-Jährige sagte laut «Independent», dass seine Gebete an die paramilitärische Gruppe Hashed al-Shaabi gehen, die Zehntausende Männer an den Frontlinien einsetzt, um den ISIS zu bekämpfen.

 

Kritik an westlichen Mainstream-Medien

Die Organisatoren der jährlichen Arba'ee-Prozession haben im Vorfeld des Marsches ihre Frustration über den Mangel an Mainstream-Berichterstattung über die Veranstaltung kundgetan.

Mohammed Al-Sharifi, ein Freiwilliger bei der letztjährigen Pilgerfahrt, sagte dem «Independent»: «Ich denke, der Grund, warum die Mainstream-Medien nicht über den [Marsch] berichteten, ist, weil ich nicht glaube, dass es „knackig“ genug ist, um damit Zeitungen zu verkaufen. Es ist einfach nicht interessant genug. "

«Leider setzen [einige] Medien nur noch auf Geschichten, die zu einem gewissen Grad teilbar sind. Wenn eine Gruppe von Muslimen etwas Gutes tut, wird sie nicht erwähnt, oder die Religion wird nicht erwähnt, Aber wenn jemand etwas [negatives] tut, ist es auf der Frontseite und ihre Religion wird erwähnt."

Wenn über Negatives zurecht berichtet wird, aber Gutes gleichzeitig ausgelassen wird, kommt dies einer medialen Dämonisierung gleich.

Quellen: Independent. MSN. Thefreethoughtproject. Wakingtimes.

Vielleicht interessiert Dich auch:

Lokal. Regional. National. CH - www.ConvivaPlus.ch  Autor: Schweiz - Redaktion
Die Schweiz kompakt - ConvivaPlus.ch
Lokales, regionales und nationales Wissen.

(Last updated: 21.01.2017, 18:54 Uhr)