Taliban-Terrorist Girod: «Anschlag der Grünen auf die Schweiz»

Nationalrat Bastien Girod (Grüne) ein Terrorist?

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) stellt Nationalrat Bastien Girod als Taliban-Terroristen mit feuerbereiter Bazooka dar.

Nationalrat Bastien Girod (Grüne) ein Terrorist?
Bild: Schweizerischer Gewerbeverband


Mit seiner jüngsten Aktion hat der Schweizerische Gewerbeverband einmal mehr die Grenzen des guten Geschmacks weit überschritten. Der SGV verbreitete über Twitter ein Bild mit Nationalrat Bastien Girod (Grüne, ZH), auf dem dieser explizit als Terrorist dargestellt wird. Ganz in Taliban-Manier. Dazu breit grinsend und mit einer Bazooka auf der Schulter mit dem Finger am Abzug. Der Text: «Anschlag der Grünen auf die Schweiz.» Ein politisches Schmierentheater der Sonderklasse - und neuer Tiefpunkt.

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Der Taliban-Girod

Obschon die Kampagne an sich wenig überraschend ist - denn der SGV-Präsident Hans-Ulrich Bigler (Nationalrat FDP) ist beileibe kein unbeschriebenes Blatt - stellt diese Aktion den neuen Tiefpunkt dar, in einer ellenlangen Liste von Verfehlungen. Nun hagelt es aber derart massive Kritik gegen den SGV. Allen voran über die sozialen Medien. Daher fing Bigler nun an, sich zu rechtfertigen. Hier gibts die Hintergründe.

 

Auslöser:

Das Taliban-Bild sei eine Antwort auf ein Kampagnen-Video Girods, das dieser unmittelbar nach der Ausstrahlung des interaktiven TV-Gedankenexperiments «Terror» veröffentlichte.

In «Terror» konnten die TV-Zuschauer das Ende resp. das Urteil mittels Abstimmung selber bestimmen.

 

«Terror»:

Ein Kampfpilot schiesst eine vollbesetzte Passagiermaschine ab, um weitaus mehr Menschen in einem Stadion (Allianz Arena) zu retten. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

«Darf man 164 Menschen töten, um 70.000 zu retten? Das Gericht steht vor einer schweren Entscheidung. Durfte der Kampfpilot Lars Koch eine Lufthansa-Maschine abschießen, um zu verhindern, dass ein Terrorist das Flugzeug auf die vollbesetzte Allianz Arena stürzen lässt? Weil es keinen Befehl gab und er sich eigenmächtig über geltendes Recht hinwegsetzte, muss sich der 31-Jährige jetzt verantworten. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte. Doch ist Lars Koch ein Held oder ein Mörder? Darüber verhandelt die große Strafkammer des Schwurgerichts Berlin.» (Quelle: Das Erste)

Das Publikum plädierte deutlich auf «Unschuldig».

 

AKW-Anschlag:

Das Kampagnen-Video von Bastien Girod zeigt einen Kurzfilm, der die Atomkraftwerke als potentielles Ziel der Terroristen darstellt.

Quintessenz: Kein einziges Schweizer AKW wäre auf einen Absturz eines Passagierflugzeugs vorbereitet.

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Girod "droht" mit Terror:

Das Video erzürnte gleich mehrere Politiker im rechts-bürgerlichen Lager. SVP-Nationalrat Thomas Hurter kritisierte das Video als: «Das ist pure Angstmacherei.» So sei die Behauptung, dass die Luftwaffe im Ernstfall keine Zeit hätte, um rechtzeitig eingreifen zu können, «an den Haaren herbeigezogen und völlig unqualifiziert».

Siehe auch: Ausland lacht über Schweizer Luftwaffe: «Bitte nur zu Bürozeiten kommen» (Aargauerzeitung).

SGV-Präsident Hans Ulrich-Bigler (FDP) setzt noch einen drauf:

Die Grünen haben damit nicht etwa auf eine reale Gefährdung hingewiesen, sondern die Grünen haben selbst «mit Terrorismus gedroht».

«Wer dem Souverän mit Terror droht, darf sich nicht wundern, wenn die Reaktion darauf pointiert ist.»

 

Der Tweet:

 

Offener Brief:

Die Reaktion der Grünen liess nicht lange auf sich warten. In einem offenen Brief kritisieren die Grünen die Methoden des Gewerbeverbandes.

Die Darstellung Girods als Taliban und ihn der Planung eines terroristischen Anschlags zu bezichtigen sei «ehrverletzend, primitiv und ausserhalb jeder politischen Rationalität».

Unterschrieben ist der offene Brief von der gesamten Parteileitung der Grünen. Nur Bastien Girod verzichtete offenbar auf eine Unterzeichnung.

 

Angriff auf die Demokratie:

Das wiederum veranlasste den SGV seinerseits zu einer Reaktion:

Die Kampagnenleitung spiele mit den Gefühlen und Ängsten der Bevölkerung und missbrauche die Bedrohung durch Terrorismus in Europa für die eigene Kampagne. «Solche Einschüchterungsversuche werten wir als Angriff auf die demokratischen Werte der Schweiz, was wir scharf verurteilen», heisst es im Brief, der von Bigler und Ständerat Jean-René Fournier (CVP, VS) unterzeichnet ist. (Quelle: Tages-Anzeiger)

 

Was meint das Volk?

Was wohl der geneigte Beobachter über diese Schmierenkomödie denkt? Viele zeigen sich schockiert, selbst wenn sie nicht mit Bastien Girod sympathisieren.


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Fazit: Die Methoden des SGV sind unangebracht und primitiv. Bigler wird seinem Ruf mehr als gerecht.

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(Last updated: 19.10.2016, 20:11 Uhr)