ETH findet Gene für 25% längeres Leben - Gesund altern

Die Quelle ewiger Jugend? Die ETH findet Gene für ein 25% längeres und gesünderes Leben. Diese Gene sind am Altern des Körpers massgeblich beteiligt. Durch die Beeinflussung bzw. Blockierung nur eines dieser Gene, lässt sich die gesunde Lebensspanne von Versuchstieren deutlich verlängern - und möglicherweise auch beim Menschen.

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NEUER MEILENSTEIN: Forscherinnen und Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) sowie Wissenschaftler des Forschungskonsortiums "JenAge" - zu dem unter anderem das Leibniz-Institut für Alternsforschung (FLI), das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (HKI) sowie die Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Universitätsklinikum Jena gehören - haben aus einer unvorstellbaren Menge von 40'000 Genen aus drei verschiedenen Organismen Gene gefunden, die massgeblich am körperlichen Alterungsprozess beteiligt sind. In den letzten Jahren hat die Wissenschaft in der Molekulargenetik erhebliche Fortschritte erzielt und dank der verbesserten Methoden die Suche nach Genen, die für den Alterungsprozess verantwortlich sind, intensivieren können.

Dank Gene blockieren längeres und gesünderes Leben - bis zur ewigen Jugend?DER NÄCHSTE SCHRITT: Mit der Entdeckung dieser Gene ist die Forschung dem längeren Leben einen bedeutsamen Schritt näher gekommen. Zuvor beschränkte sich die Alternsforschung hauptsächlich auf den bislang einzigen Anhaltspunkt: den Genen einzelner Modellorganismen. Zum Beispiel die des Fadenwurms Caenorhabditis elegans - der berühmteste Wurm in der Wissenschaft (siehe Video unten). Von dessen Genen rund ein Prozent die Lebensdauer beeinflussen können. Mittlerweile scheint sich aber je länger je mehr die Vermutung zu bestätigen, dass solche Lebensdauer-Gene im Laufe der Evolution entstanden sind. Und dass diese Gene in allen Lebewesen innewohnen, die über Zellen mit einem Zellkern verfügen - und erhalten geblieben sind: Von der Bierhefe bis hin zu uns Menschen.

Evolution - der gläserne Wurm [VIDEO]

DIE ENTDECKUNG: Die Wissenschaftler der ETH Zürich und des Forschungskonsortiums JenAge haben im Rahmen ihrer Forschung zusammen systematisch die Genome von drei unterschiedlichen Organismen auf Herz und Nieren geprüft (Screening):

Ein Genpool von über 40'000 Genen. Die Wissenschaftler sind auf der Suche nach Genen, die mit dem Alterungsprozess in Verbindung stehen, tatsächlich auch fündig geworden. Die gefundenen Gene kommen in allen drei Organismen vor, weshalb sich daraus schliessen lässt, dass sie von Genen eines gemeinsamen Vorfahren abstammen. Denn obwohl nun diese Gene in drei unterschiedlichen Organismen vorkommen, sind sie miteinander verwandt - sogenannte orthologen Gene - und sie alle kommen auch im Menschen vor!

LÄNGERES LEBEN: Die ETH-Forscher fanden heraus, dass der Fadenwurm C. elegans, der Zebrafisch und die Maus gerademal 30 gemeinsame Gene aufweisen, die sich massgeblich am Alterungsprozess beteiligen. Indem die Wissenschaftler die Boten-RNS entsprechender Gene versuchsweise selektiv blockierten, konnte bei etwa 12 Genen das Leben um mindestens 5% verlängert werden.

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DAS EINFLUSSREICHE BCAT-1-GEN: Vor allem einem dieser blockierten Gene gilt nun das Augenmerk der Lebensforschung, denn es erwies sich als besonders einflussreich im Alterungsprozess. Das bcat-1-Gen scheint der Schlüssel für ein längeres Leben zu sein: "Blockierten wir die Wirkung dieses Gens, nahm die mittlere Lebensspanne des Fadenwurms markant zu, und zwar um bis zu 25 Prozent", erklärt ETH-Professor Dr. Michael Ristow. Durch eine Hemmung und Reduktion der Genaktivität von bcat-1 kann also die Lebensspanne verlängert und die Alterung gebremst bzw. verlangsamt werden. Auch beobachteten die Forscher eine längere Zeitspanne der Vitalität des Fadenwurms. Die Folge ist also eine höhere und gesündere Langlebigkeit.

EWIGE JUGEND BEI MENSCHEN: Der ewige Jungbrunnen bleibt wohl bis auf Weiteres eine unerfüllte Sehnsucht der Menschheit. Ein deutlich verlängertes, vitales Leben scheint hingegen im Bereich des Möglichen. Prof. Dr. Ristow gibt sich diesbezüglich sehr zuversichtlich und hat keine Zweifel, dass derselbe lebensverlängernde Mechanismus wie bei diesen drei unterschiedlichen Organismen auch beim Menschen abläuft:

"Wir haben ausschliesslich die Gene gesucht, die evolutionär konserviert sind und deshalb in allen Organismen vorkommen, auch beim Menschen", so ETH Prof. Dr. Ristow.


Alterungsprozess - WDR Planet Wissen [VIDEO]

STUDIE MIT MENSCHEN: Bislang sind in diesen Studien die Auswirkungen auf den Menschen noch ausgeklammert und nicht erforscht. Eine Folgestudie steht aber bereits in den Startlöchern. Allerdings kann auch hierbei, aus naheliegenden Gründen, die Lebenserwartung des Menschen nicht gemessen werden. Daher wird der Fokus auf den Gesundheitsstatus der Probanden gerichtet, um so weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

LÄNGER GESUND BLEIBEN: Seit Menschengedenken umtreibt die Menschheit die Frage und Suche nach der ewigen Jugend. Das primäre Ziel dieser Forschung ist ETH-Professor Dr. Ristow zufolge aber nicht, "dass Menschen noch älter werden, sondern länger gesund bleiben". Eine spürbare Ausdehnung der gesunden Lebensphase also.

Weiterführende Informationen:

- Gene für längeres, gesünderes Leben gefunden (ETH-News)

Wojtek Bernet   Autor: Wojtek Bernet
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(Last updated: 06.12.2015, 19:20 Uhr)