Ein universelles Krebs-Medikament dank Malaria-Impfstoff? - Neue Studie

Ein Malaria-Impfstoff gibt Hoffnung auf ein Krebs-Heilmittel - und die Behandlung von 95% aller Krebsarten. Ist das der grosse Durchbruch in der medizinischen Behandlung von Tumoren?

Solche Nachrichten sind mit äusserster Vorsicht zu geniessen (daher unbedingt den ganzen Text lesen!). Und trotzdem: Dänische Forscher der Universität Kopenhagen und kanadische Forscher der University of British Columbia (UBC) haben, per Zufall zwar, vielleicht den heiligen Gral der Krebsmedizin entdeckt.

Alle Quellenangaben inkl. direkter Verlinkung der Forschungsergebnisse finden Sie am Artikel-Ende.

 


WER STEHT HINTER DER ENTDECKUNG? Die Entdeckung (siehe unten) gelang unter der Federführung des dänischen Malariaforschers Professor Ali Salanti vom Institut für Immunologie und Mikrobiologie und Zentrum für Medizinische Parasitologie der Universität Kopenhagen in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Krebsforscher Dr. Mads Daugaard vom Vancouver Prostata Zentrum, Leiter des Labors für Molekulare Pathologie sowie Forscher in der Abteilung für Urologische Wissenschaften von der University of British Columbia (UBC). Beide Forschergruppen erarbeiteten die Grundlagen für ein potentiell universell wirksames Antikrebsmittel. Mittlerweile wurde nach langjährigen Tests die aufsehenerregende Entdeckung in einem wissenschaftlichen Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Cancer Cell publiziert.

Dr. Mads Daugaard (siehe oben) erklärt die Forschungsergebnisse in einem Video:
Malaria protein shows potential as cancer treatment [VIDEO]

WIE KAM ES DAZU? Die Forscher waren auf der Suche nach einem Impfstoff gegen die sog. Schwangerschaftsmalaria. Diese Art von Malaria befällt die Plazenta (Mutterkuchen) im Körper von schwangeren Frauen. Im Rahmen besagter Malaria-Forschung wurde per Zufall und als unerwarteter aber willkommener Nebeneffekt herausgefunden, dass die Malaria-Proteine, ähnlich wie die Plazenta, auch Krebszellen befallen. Für die Forscher war diese Entdeckung Anlass genug, um das Toxin der Malaria genauer zu untersuchen. Demnach soll das Malaria-Toxin Krebszellen im Körper aufspüren und anschliessend töten können, ohne dabei andere Gewebe im menschlichen Körper anzugreifen. Eine wirksame Waffe gegen Krebs? Die ersten Tierversuche sind vielversprechend.

Ähnlichkeiten von Malaria bei Plazenta und Krebs
Bild: Fachzeitschrift Cancer Cell.
DER ZUSAMMENHANG: Die Plazenta ist ein Organ, in der ein paar Zellen innerhalb von wenigen Monaten zu einem Kilogramm schweren Körper heranwachsen. Nebst ihrem raschen Wachstum muss die Plazenta zudem den Fötus in einer relativ fremden Umgebung mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Den Forschern zufolge weisen die Tumore dabei einige Gemeinsamkeiten mit dem raschen Plazenta-Wachstum auf. "Sie wachsen aggressiv in einer fremden Umgebung." Daher suchen die Wissenschaftler bereits "seit Jahrzehnten nach Ähnlichkeiten zwischen Tumoren und dem Plazenta-Wachstum", so Professor Ali Salanti. Bei den Tests des Malaria-Medikamentes ist den Forschern aufgefallen, dass das Kohlenhydrat, welches der Plazenta hilft, ein schnelles Wachstum zu gewährleisten, auch an Krebstumoren gefunden wurde. Professor Ali Salanti setzte sich umgehend mit seinem ehemaligen Kommilitonen und heutigen Krebsforscher Dr. Mads Daugaard in Verbindung. Zusammen erarbeiteten beide Forschergruppen über mehrere Jahre hinweg umfassende Forschungsergebnisse, die auf ein wirksames Antikrebsmittel hoffen lassen.

SO WIRKT DER IMPFSTOFF: Das Toxin der Malaria soll dieser Beobachtung zufolge auch Krebszellen befallen. "Wir mischten den Malariaparasiten mit Krebszellen. Der Parasit nahm die Krebszellen in gleicher Weise wie die Plazenta wahr und band sich an sie." Vereinfacht ausgedrückt werden die Malaria-Proteine davon überzeugt, dass der Tumor eine Plazenta ist. In der Folge vergiften und töten sie den Tumor. Der dänische Professor Ali Salanti von der Universität Kopenhagen hält fest: "Auf diese Weise wirken die Malaria-Proteine wie eine hitzesuchende Rakete. Es bindet sich an das Krebsgewebe, und dann tötet die giftige Substanz einfach den Krebs."

BEI WELCHEN KREBSARTEN WIRKT ES? "Wir haben einen Weg gefunden, um alle Arten von Krebs zu bekämpfen. Wenn dies funktioniert, werden wir in der Lage sein, die Behandlung für Menschen in Gebieten zu ermöglichen, wo heute keine Behandlung existiert", so Professor Ali Salanti von der Universität Kopenhagen. Allerdings existieren bislang nur Testergebnisse von Labormäusen mit implantierten menschlichen Tumoren.

ERSTE RESULTATE: Seit der Entdeckung vor einigen Jahren, dass dieser Malaria-Impfstoff Krebszellen aufspüren und bekämpfen kann, haben die Forscher ihre Theorie anhand unterschiedlicher Krebsarten untersucht und diese im Rahmen von Tierversuchen jahrelang erforscht. Die Ergebnisse aus diesen Versuchen sind vielversprechend: "Die Daten der letzten Jahre lassen den Schluss zu, dass die Behandlung wirksam gegen 95 Prozent aller Krebsarten ist. Das ist also etwas, das eine sehr, sehr grosse Auswirkung haben kann", so Professor Ali Salanti von der Universität Kopenhagen in einem Interview mit BBC News.

Universelles Krebs-Heilmittel dank Malaria-Impfstoff? DIE TEST-RESULTATE: Die Forschungsteams beider Universitäten haben Tausende von Proben aus Hirntumoren bis hin zu Leukämien getestet. Den Tests zufolge kann das Malaria-Protein über 90% aller Tumorarten aufspüren und bekämpfen. Das Verfahren wurde bisher nur an Labor-Mäusen getestet, denen drei verschiedene Arten von menschlichen Tumoren implantiert worden waren. "Durch Experimente an Mäusen haben wir gezeigt, dass die Kombination aus Protein und Gift hilft, die Krebszellen zu Tode zu prügeln", sagt Krebsforscher Dr. Mads Daugaard. "Wir haben gesehen, dass drei Dosen das Tumorwachstum stoppen kann und es auch schrumpfen kann", sagt Doktorand Thomas Mandel Clausen vom Institut für Immunologie und Mikrobiologie, der in den letzten zwei Jahren an diesem Projekt gearbeitet hat. "Es scheint, dass die Malaria-Proteine sich an den Tumor binden, ohne nennenswerte Bindung an anderes Gewebe."

LYMPHOME: Bei den Lymphomen waren die Tumore der Testmäuse nur noch ein Viertel so gross wie die der Kontrollgruppe (d.h. ohne Behandlung).

PROSTATAKREBS: Beim Test mit dem Prostatakrebs verschwand der Krebs bei zwei von sechs Mäusen einen Monat nach Erhalt der ersten Dosis.

KNOCHENKREBS: Beim metastasischen Knochenkrebs waren nach 8 Wochen noch fünf von sechs Mäusen am Leben. Bei der Kontrollgruppe überlebte keine einzige Maus so lange.

KLINISCHE TESTS AM MENSCHEN: Aufgrund der äusserst vielversprechenden Ergebnisse möchten die Forscher der Universität Kopenhagen und der University of British Columbia möglichst schnell klinische Tests an Menschen durchführen. Die grosse Frage ist nun, ob der Wirkstoff beim Menschen genauso wirkt wie bei den Mäusen. Diese klinischen Tests sollen innerhalb der nächsten vier Jahre beginnen, so Professor Ali Salantis Einschätzung, da hierfür eine Genehmigung nötig sei.

ERSCHWINGLICHES KREBSHEILMITTEL? Im Falle, dass die Krebsbehandlung mit dem Malaria-Impfstoff auch beim Menschen funktioniert, soll das Heilmittel möglichst preiswert auf den Markt kommen und diese Krebsbehandlung für alle Menschen zugänglich sein, nicht nur den Reichen und Betuchten auf dieser Erde. "Es gibt grosses kommerzielles Interesse, wenn es um eine mögliche allgemeine Heilung für Krebs geht. Aber unser Ziel ist es, ein preiswertes Produkt zu entwickeln. Das ist unser Wunsch", so Professor Ali Salanti von der Universität Kopenhagen. Die Pharma-Industrie wird garantiert Druck ausüben. Beispiele hierfür gibt es zur Genüge. Denn sollte das Heilmittel halten, was es verspricht und dazu noch preiswert sein, drohen der gewinnlechzenden Pharma-Branche grosse Einnahmeverluste. Heftiger Widerstand ist daher vorprogrammiert.

WIE SIEHT DER FAHRPLAN AUS? Die Forscher hinter der Entdeckung sowie die Universität Kopenhagen haben zusammen das Biotech-Unternehmen VAR2pharmaceuticals gegründet, das in Zukunft die klinische Entwicklung des Wirkstoffs bestimmt und die Federführung der weiteren Prozesse übernimmt. Die beiden Forschungsteams von Professor Ali Salantis und Dr. Mads Daugaard arbeiten nun intensiv daran, dass künftig Tests und Versuche an Menschen gemacht werden können. Salanti schätzt den Zeitraum für erste klinische Tests an Menschen auf innerhalb der nächsten vier Jahren ein.

WELCHE FRAGEN GILT ES ZU BEANTWORTEN? Die grosse Frage ist, ob das Krebsheilmittel auch beim Menschen wirkt. Und ob der menschliche Körper die Dosis ohne Nebenwirkungen toleriert. Die beiden Forscher geben sich diesbezüglich aber äusserst optimistisch, denn "das Protein scheint nur das Kohlenhydrat zu binden, das bei Menschen nur in Krebstumoren und in der Plazenta gefunden wurde", so Professor Ali Salanti.

WAS KÖNNEN SIE ALS LESER TUN? Immer vorausgesetzt, das Medikament wirkt auch beim Menschen... liegt die Vermutung nahe, dass im Falle von erfolgreichen Tests am Menschen der Druck der milliardenschweren Pharma-Branche gewaltig sein kann, um das daraus entstandene Krebs-Medikament teuer und unerschwinglich zu kommerzialisieren.

Macht andere Menschen auf diese Forschungsergebnisse aufmerksam. TEILT DIE INFORMATION UNBEDINGT WEITER. Je mehr Menschen davon wissen und die weitere Entwicklung mit Argusaugen beobachten, desto schwieriger wird es, ein allfälliges universelles und preiswertes Krebs-Medikament "aus dem Verkehr zu ziehen".

Weiterführende Informationen:

- Malariavaccine giver forhåbninger om en almen kur mod kræft (Forschungsergebnisse von Professor Ali Salanti veröffentlicht am 13. November 2015 auf der Webseite der Universität Kopenhagen, auf dänisch)

- Destructive disease shows potential as a cancer treatment (University of British Columbia Medienmitteilung vom 13. Oktober 2015, auf englisch)

- Targeting Human Cancer by a Glycosaminoglycan Binding Malaria Protein (Wissenschaftlicher Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Cancer Cell, nur mit PC anzeigbar, nicht mobil, englisch)

- Cancer breakthrough as scientists create MALARIA protein that could 'destroy nine in 10 cancers' (die DailyMail berichtete am 13. Oktober 2015, auf englisch)

- Hope for a general cure for cancer (Medienmitteilung des neu gegründeten Biotech-Unternehmen VAR2pharmaceuticals, auf englisch)

- Duchbruch in der Krebsforschung? Malaria-Protein könnte Tumore heilen (N24 berichtet, auf deutsch)

- Bewaffnetes Malaria-Protein killt Krebszellen (Offizielles Gesundheitsportal der deutschen ApothekerInnen)

- Malaria-Impfstoff gibt Hoffnung für ein universelles Krebs-Heilmittel (die Webseite Forschung und Wissen berichtete in einem Artikel auf deutsch)

Keine Gewähr auf eine fachgerechte Übersetzung der publizierten Ergebnisse. Bitte halten Sie sich hierfür an den dänischen Original-Text von Professor Ali Salanti auf der Webseite der Universität Kopenhagen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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(Last updated: 11.02.2016, 04:13 Uhr)